Dakar - Nach dem Staatsstreich im westafrikanischen Mali hat der Uno-Sicherheitsrat den Putsch verurteilt. Er forderte die "unmittelbare Wiedereinsetzung der Verfassung und der demokratisch gewählten Regierung". Die Soldaten sollten in ihre Kasernen zurückkehren und die Sicherheit des Präsidenten gewährleisten. Die Weltbank und die Afrikanische Entwicklungsbank legten ihre Hilfsprojekte auf Eis. Auch die USA und die EU protestierten gegen den Staatsstreich.
In einer gemeinsamen Erklärung forderten die EU-Außenminister am Freitag in Brüssel ein "unverzügliches Ende der Gewalt und die Freilassung von Staatsvertretern, den Schutz der Zivilbevölkerung, die Wiederherstellung der zivilen, verfassungsmäßigen Regierung und wie geplant die Abhaltung demokratischer Wahlen". Die EU-Kommission kündigte an, ihre Entwicklungshilfe in dem Land vorübergehend einzustellen. Dies gelte, bis sich die Lage in dem Land geklärt habe, teilte Entwicklungskommissar Andris Piebalgs mit. "Die Entscheidung betrifft nicht humanitäre Hilfe", sagte er.
Außenminister Guido Westerwelle forderte einen sofortigen Verzicht auf jede Gewalt. Das Auswärtige Amt riet dringend von Reisen nach Mali ab.
Explosionen und Schüsse in der Hauptstadt
Meuternde Soldaten hatten sich am Donnerstag an die Macht geputscht, das Staatsoberhaupt Amadou Toumani Touré gestürzt und die Verfassung außer Kraft gesetzt. Wie die Menschenrechtsorganisation Amnesty International mitteilte, wurden am Donnerstag in Bamako drei Zivilisten erschossen, 28 Menschen erlitten Verletzungen.
Die Verfassung sei bis auf weiteres aufgehoben und es sei eine Ausgangssperre verhängt worden, sagte der Sprecher des neu gegründeten "Nationalkomitees für die Wiederherstellung der Demokratie und des Staates" (CNRDR), Leutnant Amadou Konare.
Zehn Regierungsmitarbeiter sollen von den Putschisten festgehalten werden, darunter Außenminister Soumeylou B. Maiga und der Bürgermeister von Bamako, Adama Sangaré. Alle Flüge von und nach Mali wurden gestrichen und die Landesgrenzen geschlossen.
Das westafrikanische Land kam auch am Freitag nicht zur Ruhe: In der Hauptstadt Bamako waren vereinzelt Explosionen und Schüsse zu hören. Die ganze Nacht über hatten die Rebellen eine Ausgangssperre verhängt, sagten Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa. Soldaten zogen plündernd durch Bamako.
Aufenthaltsort von Touré unklar
Präsident Touré war seit 2002 an der Macht. Er soll sich angeblich unter dem Schutz loyaler Soldaten in einem Militärlager befinden. Das berichteten lokale Medien. Allerdings ließen sich diese Berichte bisher nicht bestätigen. Die Anführer des Militärputsches erklärten lediglich, dass es Touré gutgehe und er in Sicherheit sei.
Das Staatsoberhaupt hatte zuvor angekündigt, nach zwei Amtszeiten bei den Wahlen am 29. April nicht mehr anzutreten. Das CNRDR begründete seinen Staatsstreich mit der Unfähigkeit der Regierung, "die Krise im Norden Malis zu bewältigen". In der Region gibt es seit Januar immer wieder schwere Kämpfe der Regierungstruppen mit Tuareg-Rebellen.
Die Tuareg kämpfen für Autonomie im Norden des Landes. Zu ihnen gehören neben der Freiheitsorganisation "Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad" (MNLA) auch Tuareg, die in Libyen den im Oktober getöteten Machthaber Muammar al-Gaddafi unterstützt hatten und jetzt nach Mali zurückgekehrt sind.
Nach Angaben der Vereinten Nationen sind mehr als 172.000 Menschen auf der Flucht. Das Nomadenvolk der Tuareg zählt rund 1,5 Millionen Menschen, die in Algerien, Burkina Faso, Libyen, Mali und in Niger leben.
heb/dpa/dapd/AFP
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