Uno-Warnung Der Welt geht das Wasser aus

Eine einzige Klospülung verbraucht so viel Wasser, wie einem durchschnittlichen Bewohner eines Entwicklungslandes täglich für Trinken, Waschen und Kochen zur Verfügung steht. Der neue Welt-Wasser-Bericht der Uno eröffnet erschreckende Details: So sterben jeden Tag 6000 Kinder wegen unsauberen Trinkwassers.


Kenianische Kinder warten mit Kanistern nach einem langen Fußmarsch auf Wasser
DPA

Kenianische Kinder warten mit Kanistern nach einem langen Fußmarsch auf Wasser

Paris - 80 Prozent aller Krankheiten in den Entwicklungsländern seien auf dreckiges Wasser oder eine fehlende Kanalisation zurückzuführen. Letztere können schon 40 Prozent der Weltbevölkerung nicht zu ihrem Alltag zählen, dazu hat ein Sechstel keinen Zugang zu sauberem Wasser.

Die Daten sind erschreckend genug, doch es kommt noch schlimmer, prophezeien die Uno-Experten. In 50 Jahren seien mindestens zwei Milliarden Menschen von Wasserknappheit betroffen, im schlimmsten Fall sogar sieben von geschätzten 9,3 Milliarden Erdenbewohnern. Allein in den letzten 50 Jahren habe sich der Wasserverbrauch weltweit verdoppelt, die Vorräte gingen immer weiter zurück, heißt es in dem 600 Seiten starken Bericht.

Schutz für das vorhandene Süßwasser ist kaum vorhanden. Derzeit würden jeden Tag zwei Millionen Tonnen Abfall in Flüsse und Seen geleitet, 12.000 Kubikkilometer Frischwasser seien verschmutzt. Der Klimawandel werde zu einer weiteren Verknappung der Wasserressourcen um 20 Prozent führen.

Die Uno-Organisation für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (Unesco) fordert angesichts des neuen Berichts umso energischer eine Politik zum Schutz des Trinkwassers. Durch die "Untätigkeit der Politik" werde in zahllosen Regionen dieser Welt das Wasser "in bisher ungeahnten Ausmaßen knapp", heißt es in dem Welt-Wasser-Bericht.

Eine Spülung = Wasser für einen Tag und einen Menschen in Afrika
Foto: GMS

Eine Spülung = Wasser für einen Tag und einen Menschen in Afrika

Die ungleiche Verteilung des kostbaren Rohstoffs ist ein weiteres Problem. Ein Kind in den Industrienationen verbrauche 30 bis 50 Mal mehr Wasser als ein Kind in den Entwicklungsländern. Anders gesagt: Ein Mensch in Kuweit muss pro Jahr etwa mit 200 Badewannenfüllungen auskommen, ein Deutscher verbraucht die 200-fache Menge, ein Kanadier das 1000-fache.

Die herannahende Krise verschone keine Region und erfasse "jeden Aspekt des Lebens, von der Gesundheit der Kinder bis zur Fähigkeit der Nationen, ihren Bürgern Nahrungsmittel zu sichern", mahnte der Unesco-Generaldirektor Koichiro Matsuura. Um der Wasserknappheit entgegenzutreten, müsste der Bau von Kläranlagen verstärkt werden. Zudem sei "die größte Herausforderung" eine Verbesserung der Bewässerungstechniken in der Landwirtschaft. Zur Abwendung der dramatischen Wasserkrise sind nach Einschätzungen der Uno 50 bis 100 Milliarden Dollar jährlich notwendig



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