Istanbul/Sydney/Genf - Der Großteil der Opfer des Massakers im syrischen Hula wurde nach Uno-Angaben hingerichtet. Weniger als 20 der 108 Toten seien durch Artillerie- oder Panzerbeschuss getötet worden, sagte der Sprecher des Uno-Hochkommissariats für Menschenrechte, Rupert Colville, am Dienstag in Genf. "Der Großteil der Opfer" sei bei "Sammelhinrichtungen" getötet worden, die laut Einwohnern von der regierungstreuen Schabiha-Miliz begangen worden seien.
Das Massaker in der Ortschaft Hula vom vergangenen Freitag hatte weltweit Entsetzen hervorgerufen. Unter den mindestens 108 getöteten Zivilisten sind zahlreiche Kinder. Der Weltsicherheitsrat hatte die Gewalt in Syrien daraufhin in scharfer Form verurteilt.
Angesichts der Bluttat wächst der Druck auf das Regime in Damaskus. Frankreich will die syrische Botschafterin des Landes verweisen. Das kündigte Staatspräsident François Hollande am Dienstag an. Die Botschafterin werde noch am Dienstag oder am Mittwoch über die Entscheidung informiert, sagte Hollande bei einer Pressekonferenz in Paris.
Möglicherweise ziehen schon bald mehrere EU-Länder nach. Das erfuhr die Nachrichtenagentur dpa in Istanbul aus gut informierten Kreisen. Demnach will auch Deutschland den syrischen Botschafter ausweisen. Eine offizielle Bestätigung dafür lag zunächst nicht vor.
Australien wies aus Protest gegen das Massaker von Hula zwei syrische Diplomaten aus. Der syrische Geschäftsträger und ein anderer Diplomat müssten das Land binnen 72 Stunden verlassen, sagte Außenminister Bob Carr am Dienstag in Sydney. "Das ist für uns die wirksamste Art, der syrischen Regierung eine Botschaft des Abscheus zu senden." Andere Regierungen würden diesem Beispiel folgen, sagte Carr.
Einige EU-Länder haben bereits vor Monaten auf diplomatischer Ebene gehandelt: So wurde der syrische Botschafter in London ausgewiesen, der britische Botschafter hat Syrien verlassen. 20 der 27 EU-Staaten haben Botschaften in Syrien, von denen viele derzeit wegen der Sicherheitslage geschlossen sind, darunter die deutsche.
"Schockiert und entsetzt"
In Damaskus traf am Dienstag der gemeinsame Vermittler der Vereinten Nationen und der Arabischen Liga, Kofi Annan, nach Angaben aus Regierungskreisen mit Präsident Baschar al-Assad zusammen. Während seines Aufenthalts in der syrischen Hauptstadt will Annan auch Vertreter von Opposition und Zivilgesellschaft treffen. Es ist Annans zweiter Besuch in Syrien seit seiner Ernennung zum Sondergesandten vor drei Monaten.
Der Vermittler hatte sich bei seiner Ankunft in Damaskus am Montag "persönlich schockiert und entsetzt" über das Massaker in Hula geäußert. Die Verantwortlichen für das Massaker müssten zur Rechenschaft gezogen werden, forderte er. Annan hatte einen Sechs-Punkte-Plan vorgelegt, um die Gewalt in dem Land zu beenden. Er sah auch eine Waffenruhe ab Mitte April vor, die jedoch nicht eingehalten wird.
Deutsches Rotes Kreuz beklagt humanitäre Lage
Die humanitäre Lage in den umkämpften syrischen Städten Homs und Hama verschlechtert sich nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) jeden Tag. "Innerhalb der Städte sind Tausende auf der Flucht", vor allem nachts gebe es viele Gefechte, sagte der Delegierte des DRK für Syrien, Jean-Marie Falzone, am Dienstag dem Hessischen Rundfunk. Die meisten der Flüchtlinge lebten jetzt in Moscheen, Kirchen oder seien bei anderen Familien untergekommen.
Die Versorgungslage werde immer schwieriger, die Geschäfte blieben immer öfter geschlossen. Auch die Stromversorgung funktioniere nur für etwa zwölf Stunden am Tag. Zudem hätten die Menschen kein Geld, weil es kaum noch Arbeit gebe. "Den Menschen fehlt es an allem", sagte Falzone. Durch den Bürgerkrieg sei es schwierig, an Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel zu kommen.
hen/fab/dpa/AFP
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