Unruhen im Kongo Deutscher Botschafter unter Beschuss

Nach den Wahlen im Kongo spitzt sich die Lage in der Hauptstadt dramatisch zu: Bei wilden Feuergefechten zwischen Anhängern von Präsident Kabila und seines Rivalen Bemba geriet auch der deutsche Botschafter unter Beschuss. Die Bundeswehr beorderte zusätzliche Truppen aus Gabun nach Kinshasa.


Berlin - Die EU-Truppe im Kongo (Eufor) bereitet sich auf weitere Unruhen vor und verstärkt ihre Truppen in Kinshasa. Auch deutsche Fallschirmjäger, die in Gabun in Bereitschaft standen, sind nach Angaben des deutschen Admirals Henning Bess auf dem Weg in die kongolesische Hauptstadt. "Die Bereitschaftstruppen aus Gabun sind teilweise schon da und teilweise unterwegs", sagte Bess, der das deutsche Kontingent der Eufor führt, der Nachrichtenagentur Reuters heute.

Gepanzerte Uno-Fahrzeuge patrouillieren in den Straßen von Kinshasa: Die Unruhen gingen auch am dritten Tag in Folge weiter
AFP

Gepanzerte Uno-Fahrzeuge patrouillieren in den Straßen von Kinshasa: Die Unruhen gingen auch am dritten Tag in Folge weiter

Zugleich bestätigte Bess, dass gestern auch der deutsche Botschafter Reinhard Buchholz von der Eufor und der Uno-Friedenstruppe Monuc aus der umkämpften Residenz des Präsidentschaftskandidaten Jean-Pierre Bemba in Sicherheit gebracht worden war. Das Gebäude war von Anhängern des Präsidenten Joseph Kabila beschossen worden. Buchholz war mit anderen Botschaftern, darunter offenbar auch Vertreter aus Frankreich, Großbritannien und den USA, zu einem Gespräch bei Bemba. Es war der erste Einsatz der Eufor gewesen. An dem Einsatz in der Innenstadt von Kinshasa seien auch deutsche Soldaten beteiligt gewesen. Details wollte Bess hierzu allerdings nicht nennen.

Zunächst war nur bekannt geworden, dass die Uno-Truppe zur Abwehr des Angriffs im Kongo Eufor-Soldaten um Unterstützung gebeten hatte. Die Eufor habe daraufhin eine Kompanie spanischer Fallschirmjäger entsandt, die gemeinsam mit einer uruguayischen Uno-Einheit 15 Botschaftern freies Geleit sichern konnte.

In Kinshasa gab es auch heute Morgen wieder Schießereien nahe der Residenz von Vizepräsident Bemba. Die Nacht sei ruhig gewesen, aber am Morgen habe es im selben Viertel wie am Vortag erneut Schusswechsel gegeben, sagte der Sprecher der Eufor-Truppen Thierry Fusalba. Nach Angaben aus Kreisen der Monuc lieferten sich Mitglieder der Leibgarde Bembas Kämpfe mit der Präsidentengarde von Staatschef Kabila.

Schon am Sonntagabend nach Verkündung des vorläufigen Ergebnisses der ersten Runde der Präsidentschaftswahl gab es in mehreren Stadtteilen von Kinshasa Schießereien, bei denen mindestens fünf Menschen getötet wurden. Im Rennen um die Präsidentschaft muss sich Amtsinhaber Kabila in einer Stichwahl dem früheren Rebellenführer Bemba stellen. Kabila verfehlte mit 44,8 Prozent der Stimmen in der ersten Wahlrunde vor drei Wochen die absolute Mehrheit. Sein Vize Bemba landete mit 20,0 Prozent auf dem zweiten Platz.

phw/AFP/ddp/Reuters



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