Trauerfeier in Port Said: Neue Unruhen erschüttern Ägypten

DPA

In der ägyptischen Hafenstadt Port Said hat es am Rande einer Trauerfeier neue Krawalle gegeben. Auch in Kairo gab es Zusammenstöße von protestierenden Jugendlichen mit der Polizei. Ägyptens Regierung bekommt das Gewaltproblem nicht in den Griff.

Kairo - Ägypten kommt nicht zur Ruhe. In Kairo kam es am Sonntag erneut zu Krawallen. Auf einer Brücke in der Nähe des zentralen Tahrir-Platzes bewarfen Dutzende Jugendliche Polizisten mit Steinen. Die Einsatzkräfte setzten Tränengas ein, um die Menge zurückzudrängen. Das Ausmaß der Gewalt blieb hier zunächst geringer als in den vergangenen Tagen.

In Port Said gab es am Sonntag ebenfalls wieder Zusammenstöße. Wie Augenzeugen berichteten, setzte die Polizei am Rande einer Trauerkundgebung Tränengas ein. Auch Schüsse seien zu hören gewesen. Der arabische Fernsehsender al-Dschasira zeigte Demonstranten, die Steine auf Sicherheitskräfte warfen. Laut ägyptischem Staatsfernsehen waren bei den Beerdigungen dagegen keine Sicherheitskräfte zugegen.

Am Samstag waren in der Hafenstadt bei Zusammenstößen zwischen protestierenden Bürgern und Sicherheitskräften mindestens 31 Menschen ums Leben gekommen. Ärzten zufolge wurden alle Opfer durch Schüsse getötet. Die Armee gab an, keine scharfe Munition eingesetzt zu haben. Das Militär hat inzwischen weitgehend die Kontrolle in Port Said übernommen. Soldaten bewachen öffentliche Gebäude und sensible Orte.

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Gewalt nach Fußballfan-Urteil: Ausnahmezustand in Ägypten
Die Gewalt war eskaliert, nachdem ein Gericht 21 Todesurteile gegen Fußballfans wegen der tödlichen Krawalle in Port Said im vergangenen Jahr verhängt hatte. Die Gewalt war am Samstag kurz nach Bekanntwerden des Richterspruchs gegen die Fußballfans ausgebrochen. Angehörige der Verurteilten versuchten, deren Gefängnis zu stürmen. Augenzeugen zufolge schossen Unbekannte auf die Polizei, die daraufhin Tränengas einsetzte. Zwei Polizeiwachen wurden gestürmt, überall in der Stadt waren Schüsse zu hören. Am Gerichtsort in Kairo brach nach Verkündung der Todesurteile Jubel unter den Angehörigen der Opfer der Krawalle von 2012 aus.

Wegen der Ausschreitungen nach dem Fußballspiel zwischen dem Kairoer Club al-Ahly und dem Club al-Masry aus Port Said im Februar 2012 hatten sich vor dem Gericht in Kairo insgesamt mehr als 70 Menschen verantworten müssen, darunter neun Polizisten. Die Urteile gegen weitere Angeklagte sollen am 9. März fallen.

Die damaligen Krawalle waren mit 74 Toten die blutigsten Ausschreitungen in der ägyptischen Fußballgeschichte. Den Sicherheitskräften wurde später vorgeworfen, sie hätten die Täter gewähren lassen, um die Anhänger von al-Ahly zu bestrafen. Diese hatten während des Aufstands gegen Mubarak und später bei Protesten gegen den Militärrat eine wichtige Rolle gespielt.

Das größte Oppositionsbündnis Nationale Heilsfront drohte mit einem Boykott der nächsten Parlamentswahl, sollte die islamistische Regierung nicht eine "umfassende Lösung" für eine Beilegung der politischen Krise finden. Der Nationale Verteidigungsrat unter Vorsitz von Staatschef Mohammed Mursi rief zur Ruhe und zu einem nationalen Dialog auf.

Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) erklärte, er sehe "mit Sorge", dass es nicht gelinge, "die Auseinandersetzungen um den richtigen Weg in eine gute Zukunft des Landes friedlich zu führen".

chs/dpa/AFP/Reuters

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