Unruhen in Ägypten Demonstranten rufen zur Revolution auf

Inspiriert von der Revolution in Tunesien sind in Ägypten tausende Demonstranten auf die Straßen gegangen. Die Oppositionellen fordern den Rücktritt von Präsident Mubarak. Die Regierung hat landesweit ein massives Polizeiaufgebot dagegen gesetzt.

Proteste in Kairo: Aufruf via E-Mail und Facebook
dpa

Proteste in Kairo: Aufruf via E-Mail und Facebook


Kairo - Tausende Oppositionelle haben am Dienstag in Kairo gegen die Politik der Partei von Präsident Husni Mubarak protestiert. Eine Gruppe von rund 1000 Demonstranten versammelte sich in der Innenstadt von Kairo. Sie riefen "Mubarak - geh, geh, wir wollen dich nicht". Auf Plakaten stand: " Tunesien ist die Lösung." Auch aus anderen Stadtteilen und von der Sinai-Halbinsel wurden Proteste gemeldet. Nach Angaben der Sicherheitskräfte beteiligten sich allein in der Hauptstadt etwa 15.000 Menschen an verschiedenen Protestmärschen.

Zu den Forderungen gehörten der Rücktritt von Innenminister Habib el Adli, dessen Polizei und Sicherheitsdiensten Menschenrechtsverstöße vorgeworfen werden, die Aufhebung des seit Jahrzehnten geltenden Ausnahmezustands und eine Erhöhung des Mindestlohns.

Bei den Protesten gab es vereinzelte Zusammenstöße zwischen Demonstranten und der Polizei. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen wurden fünf Demonstranten in Kairo verletzt. Die Bewegung "Jugend des 6. April" berichtete, zahlreiche Demonstranten aus ihren Reihen seien festgenommen worden. Die Proteste waren überall von einem massiven Polizeiaufgebot begleitet. Innenminister Habib al-Adli hatte vorab durchblicken lassen, dass die Polizei kurzen Prozess machen werde, "falls diese Eigentum zerstören oder die Sicherheit gefährden sollten".

Die Schulen und Behörden des Landes waren am Dienstag wegen eines Feiertages - dem "Fest der Polizei" - geschlossen. Die Organisatoren der Proteste, die ihren Aufruf vor allem via E-Mail und das soziale Netzwerk Facebook verbreitet hatten, erklärten, ihr Protest richte sich gegen Korruption, Folter und Arbeitslosigkeit.

Der Aufruf zu dieser Demonstration war unter dem Titel "Revolution und Freiheit" verbreitet worden. An früheren Aktionen der Opposition hatte sich immer nur eine kleine Minderheit beteiligt, obwohl eine größere Zahl von Ägyptern mit den Zielen der Regimekritiker sympathisiert. Dies liegt erstens an der Zerstrittenheit der Opposition und zweitens an der Angst vor Polizeigewalt.

Die sozialen Proteste in Tunesien hatten im vergangenen Dezember begonnen und am 14. Januar zum Sturz des seit 23 Jahren regierenden Präsidenten geführt. Mubarak ist in Ägypten seit fast drei Jahrzehnten an der Macht.

ler/dpa/AFP

Mehr zum Thema


Forum - Nordafrika - wanken jetzt auch andere Maghreb-Staaten?
insgesamt 290 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
semir, 22.01.2011
1.
Zitat von sysopDie politische Neuordnung in Tunesien verspricht erfolgreich und für die Bevölkerung nutzbringend zu verlaufen. Kann dies Vorbild für andere Staaten der Region sein? Müssen sich Staaten wie Libyen, Marokko oder Algerien auf vergleichbare Umwälzungen einstellen?
Vor allem müssen wir uns auf das große Schweigen westlicher Politiker einstellen,die normalerweise immer von Demokratie,Meinungsfreiheit und Menschenrechten sprechen,aber Despoten unterstützen.Hat sich Frau Merkel schon bezüglich Algerien zu Wort gemeldet und das Regime zur Zurückhaltung aufgerufen?Auch der SpOn ist seltsam still... "Bei Protesten in Algerien sind in den vergangenen Wochen mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 800 weitere wurden verletzt" http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/international/237794.verletzte-nach-ausschreitungen-in-algier.html
coitusveritatis 22.01.2011
2. zu hohe Erwartungen
Zitat von semirVor allem müssen wir uns auf das große Schweigen westlicher Politiker einstellen,die normalerweise immer von Demokratie,Meinungsfreiheit und Menschenrechten sprechen,aber Despoten unterstützen.Hat sich Frau Merkel schon bezüglich Algerien zu Wort gemeldet und das Regime zur Zurückhaltung aufgerufen?Auch der SpOn ist seltsam still... "Bei Protesten in Algerien sind in den vergangenen Wochen mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 800 weitere wurden verletzt" http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/international/237794.verletzte-nach-ausschreitungen-in-algier.html
Da halten sich ja auch immer noch sehr viele in Deutschland für den Nsbel der Welt. Algerien Marokko Lybien Griechenland Spanien Italien Tunesien ... kann ja noch heiter werden :)
gewgaw 22.01.2011
3. Das Schweigen
Zitat von semirVor allem müssen wir uns auf das große Schweigen westlicher Politiker einstellen,die normalerweise immer von Demokratie,Meinungsfreiheit und Menschenrechten sprechen,aber Despoten unterstützen.Hat sich Frau Merkel schon bezüglich Algerien zu Wort gemeldet und das Regime zur Zurückhaltung aufgerufen?Auch der SpOn ist seltsam still... "Bei Protesten in Algerien sind in den vergangenen Wochen mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 800 weitere wurden verletzt" http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/international/237794.verletzte-nach-ausschreitungen-in-algier.html
Von der muslimischen Seite sind wir es auch gewohnt, dass diese schweigt, wenn wieder einmal ein Anschlag im Namen Allahs erfolgte. Die Methode des "schlechten Gewissens verbreiten" hat sich abgenutzt, die EU sollte die Festung Europa weiter ausbauen, Importe wie Islam und alles was dazugehört können wir uns sparen. Die Tunesier sollen für sich entscheiden was richtig ist, wenn es ein Gottesstaat ist meinetwegen, wenn es eine Demokratie ist, auch schön. In dieser Region gibt es nichts zu gewinnen, China, Indien, Brasilien, Rußland sind bedeutend wichtiger.
slider 22.01.2011
4. Das große Schweigen
Zitat von semirVor allem müssen wir uns auf das große Schweigen westlicher Politiker einstellen,die normalerweise immer von Demokratie,Meinungsfreiheit und Menschenrechten sprechen,aber Despoten unterstützen.Hat sich Frau Merkel schon bezüglich Algerien zu Wort gemeldet und das Regime zur Zurückhaltung aufgerufen?Auch der SpOn ist seltsam still... "Bei Protesten in Algerien sind in den vergangenen Wochen mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 800 weitere wurden verletzt" http://www.drs.ch/www/de/drs/nachrichten/international/237794.verletzte-nach-ausschreitungen-in-algier.html
Die Europäer halten dort "unten" gerne ihre Klappe. Ihnen ist es völlig egal, ob dort irgenwo ein Despot, Diktator, Schlächter usw. am Ruder ist. Hauptsache es ist einer, der die nordafrikanischen Küste gegen den Ansturm der "schwarz" Afrikaner Richtung Europa, im europäischen Sinne "schützt". Sollte jemals an der nordafrikanischen Küste eine Regierung geben, der es egal ist, wieviel Schiffe sich "illegal" von ihrer Küste auf den Weg nach Europa macht, wette ich, dass "die" Europäer den Sturz dieser Regierung betreiben werden.
Europa! 22.01.2011
5. Demokratie & Islam
Als der Schah gestürzt wurde, haben die Demokraten in Deutschland gejubelt - und haben heute einen "Gotteststaat" im Iran, der seine Bevölkerung zehnmal brutaler unterdrückt als der Schah und nach höllischen Waffen strebt, die nicht nur alle Nachbarn, sondern auch uns bedrohen. Wenn sich die Dinge in Tunesien ähnlich entwickeln, werden wir die sogenannte "Jasmin"-Revolution bald verfluchen. Gott erhalte uns die böse Militärdiktatur in Algerien! Generäle, die diesen Namen verdienen, sind mit Sicherheit berechenbarer und rationaler als Islamisten und andere "Gläubige".
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.