Fußball-Krawalle in Ägypten: Panzer in Port Said

Das Militär hat die Kontrolle über die ägyptische Stadt Port Said übernommen. Einwohner berichten von Panzern auf den Straßen, es herrscht eine gespannte Ruhe. Dennoch fürchtet die Regierung in Kairo neue Gewalt.

Kairo/Istanbul - Die Zahl der Toten bei Ausschreitungen in der ägyptischen Stadt Port Said ist nach Angaben von Mitarbeitern des Gesundheitswesens auf mehr als 30 gestiegen. Wie aus Sicherheitskreisen verlautete, starben viele an Schussverletzungen. Mehr als 312 Menschen wurden verletzt. Soldaten mit Panzern und Panzerfahrzeugen hätten die Stadt unter Kontrolle, berichteten Einwohner am Sonntagmorgen. Niemand sei auf der Straße.

Geschäfte seien geschlossen und Hotelgäste seien gebeten worden abzureisen, weil weitere Gewalttaten befürchtet würden. Mitarbeiter öffentlicher Einrichtungen seien von den örtlichen Behörden angewiesen worden, sich den Tag frei zu nehmen, mit Ausnahme des Gesundheitswesens und der Lebensmittelversorgung.

Nach Todesurteilen gegen Fußballfans wegen der Stadiontragödie in Port Said vor einem Jahr war die Gewalt am Samstag eskaliert. Präsident Mohammed Mursi hatte Soldaten nach Port Said und Suez geschickt. Die Regierung denkt darüber nach, den Notstand auszurufen.

Auslöser der Gewaltwelle waren Todesurteile gegen 21 Fußballfans wegen der Beteiligung an den schlimmsten Fußball-Krawallen in der Geschichte des Landes mit vielen Toten. Vor einem Jahr, am 1. Februar 2012, waren im Fußballstadion in Port Said 74 Menschen ums Leben gekommen. Unmittelbar nach Abpfiff hatten Fans der Heimmannschaft al-Masry damals das Spielfeld gestürmt und waren mit Brechstangen, Messern und Schusswaffen auf die Fans des Kairoer Vereins al-Ahly losgegangen.

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Gewalt nach Fußballfan-Urteil: Ausnahmezustand in Ägypten
Von den Masry-Fans wurden später 61 wegen Mordes angeklagt. Neun Polizisten wurden wegen Nachlässigkeit im Dienst vor Gericht gestellt, weil sie die Fans vor dem Spiel nicht gründlich nach Waffen durchsucht hätten. Sie waren nicht unter den ersten Verurteilten. Aus Sicherheitsgründen war das Verfahren von Port Said nach Kairo verlegt worden. Für die noch nicht verurteilten Angeklagten fällt der Richterspruch am 9. März.

Anhänger des Vereins al-Ahly feierten die Entscheidung der Richter. In Port Said dagegen eskalierte die Gewalt. Die Fans in Port Said werfen den Richtern ein politisches Urteil vor. Jüngst hatte die Staatsanwaltschaft neue Beweise eingebracht, die in diesen Richterspruch nicht eingeflossen sind. Der schwarze Tag des ägyptischen Fußballs gilt längst als Symbol für die desolate Lage im Land. Präsident Mursi zählte die 74 Toten vor wenigen Tagen zu den offiziellen "Märtyrern der Revolution".

Mursi sagte wegen der aktuellen Krise in seinem Land die Teilnahme am Afrika-Gipfel in Äthiopien ab und beriet sich mit seinen Ministern für Verteidigung, Justiz und Information über das weitere Vorgehen. In einer anschließend vom Staatsfernsehen übertragenen Erklärung des Rates zur Verteidigung des Landes hieß es, dass alle verfassungsgemäßen Maßnahmen zur Herstellung der Sicherheit ergriffen werden sollten. Dies könne auch Ausgangssperren und die Ausrufung des Notstands bedeuten.

suc/dpa/dapd/Reuters

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insgesamt 12 Beiträge
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1. Todesurteile befrieden nicht!
kalumeth 27.01.2013
Zitat von sysopAPDas Militär hat die Kontrolle über die ägyptische Stadt Port Said übernommen. Einwohner berichten von Panzern auf den Straßen, es herrscht eine gespannte Ruhe. Dennoch fürchtet die Regierung in Kairo neue Gewalt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/unruhen-in-aegypten-militaer-kontrolliert-port-said-a-879897.html
..mit Todesuteilen kann man keine Gesellschaft befrieden. Das gilt für Ägyptens Mursi & Richter ebenso wie für China und die -ach so "leuchtend vorbildlichen"- USA!!
2.
a_beidel 27.01.2013
gut so! sollen sie sich alle gegenseitig umbringen! irgendwann sind dann alle weg und wir haben enormes einsparpotential hinsichtlich hilfsgütern, wahlbeobachtern etc. wenn eine gesellschaft sich lieber gegenseitig abschlachtet, anstatt ein konstruktives miteinander auszuarbeiten und friedlich miteinander zu leben, dann sollen sie das doch tun. wer keinen bock auf leben hat, darf sich gern gegenseitig umbringen. wir haben dann ein (großes) problem weniger - insofern begrüße ich dieses barbarische verhalten. und mal ehrlich, wer hat bei der "revolution" in ägypten wirklich daran gedacht, diese leute sind fähig, einen funktionierenden staat aufzubauen?!
3. Die Armen stehen auf
robert.haube 27.01.2013
Die sozialen Unruhen in Ägypten als Fussball-Krawalle zu bezeichnen macht in etwa soviel Sinn wie die abwegige Bezeichung Döner-Morde für rassistische Verbrechen. Die Parolen auf den zu Krawallen ausgearteten Demonstrationen waren: Höhere Löhne, offizielle Anstellungsverträge und bessere Arbeitsbedingungen. Liefert Mursi hier nicht bald, hilft ihm auch kein Militäreinsatz mehr.
4. ägypten
ziegenzuechter 27.01.2013
steht kurz vor einen bürgerkrieg. schon gestern gab es bewaffnete auseinandersetzungen, bei denen truppen mit maschinengewehren beschossen wurden. der tourismus bricht zusammen. traurig zu sehen wie schon wieder ein land im chaos versinkt.
5. Natur
atzigen 27.01.2013
Zitat von sysopAPDas Militär hat die Kontrolle über die ägyptische Stadt Port Said übernommen. Einwohner berichten von Panzern auf den Straßen, es herrscht eine gespannte Ruhe. Dennoch fürchtet die Regierung in Kairo neue Gewalt. http://www.spiegel.de/politik/ausland/unruhen-in-aegypten-militaer-kontrolliert-port-said-a-879897.html
Aegypten ist verheerend uebervölkert. Fuer einen Wirtschaftsaufschwung fehlen jegliche Voraussetzungen,insbesonder Absatzmaerkte fuer eine aufstrebende Wirtschaft.Die elenden Fakten sind unuebersehbar.Die Natur wird ueber kurz oder lang ihr ,,Recht,, ueber eine grausamme Korrektur erzwingen.
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