Unruhen in Ägypten Schwedischer Tourist soll gefoltert worden sein

Schwere Vorwürfe gegen die ägyptischen Sicherheitskräfte: Ein 22-jähriger Urlauber aus Schweden soll von Polizisten in Kairo mit Stromstößen und Schlägen traktiert worden sein. Per Telefon erzählte er seine Geschichte einer Zeitung. Die schwedische Botschaft bemüht sich um Aufklärung.


Stockholm - Ein junger schwedischer Tourist ist einem Bericht zufolge tagelang von der ägyptischen Polizei inhaftiert und gefoltert worden. Der 22-jährige Aaed N. war nach eigenen Angaben am Dienstag vergangener Woche festgenommen worden. Er habe Fotos von einer Moschee im Kairoer Vorort El Abasia gemacht, als ihn Polizisten in Zivil mitnahmen.

"Ich war gerade dabei, eine alte Moschee zu fotografieren, als Polizisten auf Motorrädern kamen", sagte er der schwedischen Zeitung "Helsingborgs Dagblad" per Telefon. Sie nahmen ihm die Kamera ab und brachten ihn ins Gefängnis. "Sie wollten mich töten", zitiert die Zeitung den Mann.

Seinen Schilderungen zufolge wurde er auf der Wache von mehreren Polizisten geschlagen. Einer von ihnen habe ihm gedroht, er werde den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen, wenn er versuchen sollte, die schwedische Botschaft anzurufen. "Sie setzten mir ein Messer an den Hals. Ich hatte in meinem ganzen Leben noch nie so viel Angst."

Der junge Mann sagte dem "Helsingborgs Dagblad", die Polizisten hätten ihm mit sexueller Gewalt gedroht, auch sei er mit Stromstößen an den Hoden gefoltert worden. "Sie zogen meine Kleidung aus, gaben mir Stromstöße am ganzen Körper", zitiert ihn die Zeitung.

Nach drei Tagen schaffte er es seinen Schilderungen zufolge, mit anderen Gefangenen zu fliehen. Sie hätten Schüsse gehört, dann habe das Gebäude angefangen zu brennen, die Gefangenen hätten die Türen aufgebrochen. Auf der Flucht sei direkt neben ihm ein Mann von der Polizei erschossen worden, sagte Aaed N.

Auf Strümpfen geflohen

Der Zeitung zufolge ist der junge Mann in Katar geboren und Palästinenser mit schwedischer Staatsbürgerschaft. Er war am 20. Januar für einen einwöchigen Urlaub nach Ägypten gereist. Er sei noch immer in Kairo, übernachte bei einem flüchtigen Bekannten und wüsste noch nicht, wie er nach Hause kommen soll. Er sei auf Strümpfen geflohen und habe nur den Pass mitnehmen können. "Mein ganzes Geld ist weg." Durch den Gefängnisaufenthalt habe er auch seinen Rückflug verpasst.

Schwedische Behörden bestätigten am Montag, dass sie in Kontakt mit einem jungen Mann seien, der behauptete, im Gefängnis gewesen zu sein. Der Sprecher des Außenministeriums, Tobias Nilsson, sagte jedoch, er könne sich zu den Erzählungen des Mannes nicht äußern, da dieser noch nicht zu einem persönlichen Gespräch in der Botschaft erschienen sei.

Der junge Tourist äußerte Kritik an der Botschaft, die ihm nicht ausreichend geholfen habe. "Ich habe die schwedische Botschaft in Kairo angerufen und sie sagten: 'Leider können wir Dir nicht helfen'. Wie soll ich jetzt nach Hause kommen?", sagte er dem "Helsingborgs Dagblad".

Die schwedische Botschaft widersprach der Version von Aaed N.: Sprecher Joakim Larsson sagte der schwedischen Zeitung "Dagens Nyheter", der Mann habe mehr oder weniger verlangt, dass die schwedische Botschaft ihn mit dem Auto abholen solle. Während der heftigen Unruhen habe die Botschaft das aber nicht leisten können.

Die Mitarbeiter der Behörde hätten ihm geraten, sich zunächst weiter in einem geschlossenen Gebäude aufzuhalten, weil zur Zeit des Telefonats Ausgangssperre herrschte. Er solle dann am nächsten Tag zur Botschaft kommen, um Geld und einen neuen Pass für seine Rückreise zu erhalten.

Die schweren Unruhen in Ägypten reißen nicht ab: Gegner von Präsident Husni Mubarak riefen zum "Mega-Protest" in Kairo und zum Generalstreik auf, für Dienstag sind neue Massendemonstrationen geplant. Bis einschließlich Sonntag kamen offiziellen Angaben zufolge bislang 150 Menschen bei den Unruhen ums Leben gekommen.

fln/amz/AFP



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