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Unruhen in Arabien: Italien fürchtet neuen Flüchtlingsansturm

Die Unruhen in Nordafrika haben nun auch direkte Auswirkungen auf Europa. Tausende Flüchtlinge kamen in den vergangenen Tagen über das Meer nach Italien - und die Behörden erwarten, dass noch viele folgen werden. Die Küstenwache macht am Horizont ständig neue Boote aus.  

Flucht nach Italien: Hoffnung auf ein besseres Leben Fotos
AFP

Lampedusa - Es sind schon mindestens 3000 Menschen. In kleinen Booten haben sie in den vergangenen Tagen die Fahrt über das Mittelmeer nach Italien gewagt - die meisten von ihnen kommen aus Tunesien. 150 Kilometer liegen zwischen dem Staat in Nordafrika und der Insel Lampedusa. Und die Behörden rechnen angesichts der ruhigen See in den kommenden Tagen mit einem weiteren Ansturm von Flüchtlingen. Zahlreiche weitere Boote seien bereits am Horizont gesichtet worden.

Das Kabinett in Rom erklärte am Samstag den humanitären Notstand. Schiffe und Flugzeuge der italienischen Küstenwache überwachten das Meer auf der Suche nach weiteren Booten von Menschenschmugglern.

Die italienische Regierung fürchtet gar, das die Situation außer Kontrolle gerät - und bittet die Europäische Union um Unterstützung. Brüssel solle "umgehend" Einheiten der EU-Grenzschutzagentur Frontex nach Tunesien schicken und diese entlang der Küste patrouillieren lassen, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums in Rom. Flüchtlinge gaben gegenüber den italienischen Behörden an, dass in den tunesischen Häfen überhaupt keine Kontrollen mehr stattfänden.

Inzwischen hat es mindestens ein Todesopfer unter den Migranten gegeben. Die amtliche tunesische Nachrichtenagentur TAP meldet, dass ein Flüchtling starb, als ein mit zwölf Personen besetztes Boot vor der tunesischen Küste sank. Ein weiterer Flüchtling gelte als vermisst.

Regierung fürchtet Terroristen

Diejenigen, die es nach Italien schaffen, werden auf Lampedusa versorgt und medizinisch untersucht. Mit Schiffen und Flugzeugen werden sie dann in Aufnahmelager auf Sizilien oder auf dem italienischen Festland gebracht.

Aus Sorge darüber, dass sich unter den Flüchtlingen Terroristen oder gewöhnliche Kriminelle befinden könnten, fing die Regierung damit an, die Menschen mit Fähren und Flugzeugen in ein Abschiebelager nach Sizilien zu bringen.

Die Erklärung des humanitären Notstands erlaube es der Zivilschutzbehörde, bei der Umsetzung der "notwendigen Maßnahmen zur Kontrolle des Phänomens" zu helfen, teilte das Büro von Ministerpräsident Silvio Berlusconi mit. Welche Maßnahmen genau damit gemeint sind, wurde nicht erklärt.

Vor einem Monat hatten in Tunesien Tausende Demonstranten den Abgang des autoritären Herrschers Zine el-Abidine Ben Ali gefeiert. Dessen Sturz gilt als Ausgangspunkt für die Proteste in Ägypten und zahlreichen anderen Staaten der arabischen Welt.

ler/dapd

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insgesamt 85 Beiträge
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1. Ausreden
Cancun, 13.02.2011
Als Krimineller, und vor allem als Terrorist, wär ich doch doof, wenn ich einen Weg der Einreise wählen würde, der mir behördliche Aufmerksamkeit geradezu *garantiert*.
2. Flüchtlingsdramen...
glücklicher südtiroler 13.02.2011
Zitat von sysopDie Unruhen in Nordafrika haben nun auch direkte Auswirkungen auf Europa. Tausende Flüchtlinge kamen in den vergangenen Tagen über das Meer nach Italien - und die*Behörden erwarten, dass noch viele folgen werden. Die Küstenwache macht am Horizont ständig neue Boote aus. * http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745264,00.html
Und wieder wird ein neuer Thread zum Thema aufgemacht... Es war absehbar, daß nach den Veränderungen, Machtwechseln Umstürzen; ganz Verwegene nennen es Demokratie; sich die Anzahl der boat people erhöhen würde. Eine ganze Zeit lang hatte man das Problem ganz gut im Griff... Da in diesen Staaten Teile der staatlichen Ordnung zusammengebrochen ist, können sowohl viele Tunesier selbst fliehen; Haftflüchtlinge leider inbegriffen.;(... als auch Tunesien nicht mehr als "Puffer" zwischen Schwarzafrika und Europa dienen. Grundproblem ist die hohe Anzahl verzweifelter junger Menschen, die keine Aussicht auf Selbstverwirklichung haben; bsw. ist in Ägypten die Hälfte der Einwohner unter 30. Das kann derzeit keine Demokratie und keine Autokratie lösen; bestenfalls kann man das Problem kanalisieren. Wichtig sind alle Einwanderungsfragen und da machen die europäischen Südländer Alle eine ähnliche Politik. Leider steckt eine europäische Außenpolitik erst in den Kinderschuhen, weil als Einheit könnte Europa weit stärkeren Druck ausüben, als einzelne Länder allein. Europa muß endlich zu einer gemeinsamen Außenpolitik gegenüber den Maghreb finden und um den Flüchtlingsstrom einzudämmen. Das hohe Wohlstandsgefälle zwischen Europa und Afrika sorgt automatisch für einen andauernden Flüchtlingsstrom und ohne Abkommen mit den Maghrebstaaten lässt sich dieser kaum vernünftig eindämmen. Diese Staaten müssen eine Pufferfunktion übernehmen. Bei Zusammenbruch der staatlichen Ordnung in diesen Staaten, zuerst Tunesien, dann Ägypten und nun Algerien, werden automatisch viele Kräfte und viele Menschen freigesetzt, die sich sonst unter "Kontrolle" oder in Gefängnissen befinden. Ein Teil sind politische Inhaftierte, an anderer aber auch einfache Kriminelle, aber der allermeiste Teil einfache junge Leute, meist Männer, die keine Zukunft in ihrem Land mehr sehen... Und aus Europäischer Warte ist es fast unmöglich zu differenzieren. Bei den Schiffen handelt es sich überdies meist um wahre Wrackboote und es kommt in der Straße von Sizilien immer wieder zu Tragödien... Bei den meisten Flüchtlingen handelt es sich um Tunesier, die vor den seit Tagen anhaltenden Unruhen flüchten... http://video.corriere.it/lampedusa-cdm-dichiara-stato-emergenza-umanitaria/e946d83c-36b1-11e0-82f4-00144f486ba6 Vielleicht hat aber der Strom aber auch etwas Positives; er wird eine gemeinsame Europäische Politik von Unten, ganz Unten, erzwingen... Viele Grüße aus Südtirol...
3. Erst der Anfang
hilfloser, 13.02.2011
Wenn die Millionen Jungen Ägyptischen Männer aus ihrer Euphoriewelle erwacht sind und spitz kriegen das sich ihre wirtschaftliche Lage erstmal sogar verschlechtern wird, wird es nicht wenige geben die nach dem Motto handeln: Ich hab absolut nichts zu verlieren, also auf ins Gelobte Land nach Europa, koste es was es wolle. Das da auch ein paar von den 5.000 Kriminellen und Extremisten drunter sein werden, die Mubarak aus den Gefängnissen entlassen hat, dürfte einleuchten. Im übrigen betrachten die allermeisten Flüchtlinge die Staaten an den Europäischen Mittelmeerküsten lediglich als Transitländer. Zielland Nr. 1 ist Deutschland wegen der hervorragenden sozialen Rundumversorgung.
4. .
deb2006, 13.02.2011
Zitat von sysopDie Unruhen in Nordafrika haben nun auch direkte Auswirkungen auf Europa. Tausende Flüchtlinge kamen in den vergangenen Tagen über das Meer nach Italien - und die*Behörden erwarten, dass noch viele folgen werden. Die Küstenwache macht am Horizont ständig neue Boote aus. * http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,745264,00.html
Die Tunesier scheinen nicht davon auszugehen, dass die Einführung der Demokratie kurz bevor steht. Ähnliches wird man wohl auch von Ägypten befürchten müssen.
5. Selbst Schuld
Rodri 13.02.2011
Die EU ist doch selber Schuld an ihrem Flüchtlingsproblem... wenn man alle sofort wieder abschieben würde, dann hätten die Leute auch keinen Anreiz hier herzukommen...
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