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Unruhen in Arabien: Mann in Jordanien zündet sich selbst an

Es ist der erste Fall von Selbstverbrennung in Jordanien: Ein Mann hat sich vor dem Büro des Ministerpräsidenten angezündet. In Syrien führte Präsident Assad unter dem Druck der anhaltenden Proteste die ersten Reformen ein - Kurden sollen die Staatsbürgerschaft zurückerhalten.

Amman/Damaskus - Aus Protest gegen sein Vorstrafenregister hat sich ein 45-jähriger Mann vor dem Büro des jordanischen Ministerpräsidenten selbst angezündet. Ein Arzt des Al-Baschir-Krankenhauses in Amman sagte am Donnerstag, der Mann sei lebensgefährlich verletzt, er habe Verbrennungen dritten Grades erlitten.

Es war der erste Fall von Selbstverbrennung in Jordanien seit Ausbruch der Unruhen im Nahen Osten und Nordafrika vor drei Monaten. In anderen arabischen Ländern gab es bereits solche Fälle.

Unterdessen hieß es aus Justizkreisen, 80 Menschen sollten im Zusammenhang mit den anhaltenden Unruhen im Land vor Gericht gestellt werden. Es handele sich sowohl um regierungskritische Demonstranten als auch um Unterstützer der Regierung, sagte der Gewährsmann. Den Angeklagten werde Widerstand gegen die Polizei vorgeworfen, und ihnen solle vor dem jordanischen Strafgerichtshof der Prozess gemacht werden. Ein Datum wurde nicht genannt.

Syrische Kurden sollen nach 50 Jahren Staatsbürgerschaft zurückbekommen

In Syrien zeigen die Proteste etwas Wirkung: Die staatenlosen Kurden sollen nach rund fünf Jahrzehnten die Staatsbürgerschaft zurückerhalten. Syriens Präsident Baschar al-Assad erließ am Donnerstag ein entsprechendes Dekret, das zumindest einem Großteil der Kurden des Landes zu gültigen Ausweispapieren verhelfen dürfte. Die Aufhebung des Gesetzes war eine der zentralen Forderungen der Regierungsgegner. Beobachter werteten diesen Schritt als erste echte Reform seit Beginn der Proteste gegen das Regime vor rund drei Wochen.

Nach einer umstrittenen Volkszählung in der Provinz Hassaka im Jahr 1962 hatten rund 120.000 syrische Kurden ihre Staatsbürgerschaft verloren. Man behauptete, sie seien Kurden aus der Türkei, die illegal nach Syrien eingewandert seien. Nach Angaben kurdischer Organisationen liegt die Zahl der Betroffenen und ihrer Nachkommen inzwischen bei rund 250.000 Menschen, die ohne offizielle Ausweispapiere sind.

Das Problem der Staatenlosigkeit der Kurden hatte das Verhältnis zwischen ihnen und der syrischen Regierung in der Vergangenheit stark belastet, da sich die Kurden Benachteiligungen im Alltag, etwa bei der Berufswahl, ausgesetzt sahen. Das kurdische Komitee für Menschenrechte sprach nun von einer "positiven Maßnahme".

Derweil verurteilte allerdings ein syrisches Militärtribunal fünf Oppositionelle wegen der angeblichen Verbreitung falscher Informationen zu mehrjährigen Haftstrafen. Die fünf Verurteilten hatten offenbar im Januar 2010 eine Umfrage über die wirtschaftliche, politische und soziale Lage in Syrien organisiert. Syriens Präsident Assad sieht sich seit Mitte März einer beispiellosen Welle von Protesten ausgesetzt. Nach Angaben der Internationalen Föderation für Menschenrechte starben bei Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften bis Anfang April mindestens 123 Menschen.

lgr/dpa/AFP/AP

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Jordanien: Der König als Revolutionär

Fläche: 88.794 km²

Bevölkerung: 6,530 Mio.

Hauptstadt: Amman

Staatsoberhaupt:
König Abdullah II.

Regierungschef: Hani al-Mulki

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Syrien: Aufruhr gegen Assad


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