Manama - Ein Jahr nach Beginn der Protestwelle in Bahrain sind Demonstranten und die Polizei in der Golfmonarchie erneut heftig aneinandergeraten. Augenzeugen berichteten, die Sicherheitskräfte hätten Oppositionelle mit Gewalt zurückgedrängt. "Nieder mit Hamad", riefen die überwiegend jungen Demonstranten am Dienstag mit Blick auf König Hamad Ben Issa al-Chalifa.
Sie waren einem Aufruf der radikalen Gruppe "Jugend des 14. Februar" zu einem "Tag der Rückkehr" gefolgt und versuchten auf den von Sicherheitskräften abgeriegelten Lulu-Platz in der Hauptstadt Manama zu gelangen. Dort hatte die Opposition vor genau einem Jahr ihre Protestaktionen begonnen. Die Polizei ging mit Tränengas- und Blendgranaten gegen die Demonstranten vor.
Am Vortag hatte es in dem arabischen Königreich bereits Krawalle gegeben, als Teilnehmer einer genehmigten Kundgebung politischer Gruppierungen ihren Kurs geändert hatten und zum Lulu-Platz marschiert waren. Die Polizei setzte nach Angaben der Regierung Tränengas und Gummigeschosse ein. Die Demonstranten warfen Brandbomben. Nach inoffiziellen Berichten gab es mehrere Verletzte und zahlreiche Festnahmen.
In Bahrain sind seit Februar vergangenen Jahres bei Protesten 60 Menschen ums Leben gekommen. Die Opposition, die vorwiegend aus schiitischen Gruppen besteht, fordert die Umwandlung des Königreiches in eine konstitutionelle Monarchie, in der das gewählte Parlament die Regierung bestimmt. Dies lehnt das sunnitische Königshaus ab.
König Hamad rief Schiiten und Sunniten im Land in einer Rede zum Zusammenhalt auf. Laut der amtlichen Nachrichtenagentur BNA rühmte der König darin den "Geist des Zusammenhalts und der Wiedervereinigung" aller Teile des Volkes. Zugleich forderte er die Menschen zu "ernsthaftem und aufrichtigem Handeln im Interesse des Vaterlandes und der Bürger" auf. Das Land befinde sich noch immer im Reformprozess, sagte der König und versprach künftig eine bessere Kontrolle der Regierung durch eine gewählte Versammlung.
Den Jahrestag des Protestbeginns erwähnte er nicht. Seine Reformen gehen der Opposition jedoch nicht weit genug. Die Proteste gegen das sunnitische Herrscherhaus hatten am 14. Februar 2011 begonnen. Einen Monat später wurden sie mit Hilfe saudiarabischer Truppen blutig niedergeschlagen.
heb/dpa/AFP/Reuters/AP
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