Unruhen in Bolivien USA protestieren gegen Ausweisung ihres Botschafters

Die Spannungen zwischen der linken Regierung in Bolivien und den USA spitzen sich zu: Boliviens Präsident Evo Morales hat den amerikanischen Botschafter zur Persona non grata erklärt - und des Landes verwiesen. Die USA kritisierten den Schritt als "schweren Fehler".


La Paz - Bei Krawallen zwischen Anhängern und Gegnern des linksgerichteten bolivianischen Präsidenten Evo Morales sind am Donnerstag neun Menschen getötet und mindestens 30 weitere verletzt worden. Indios, die für Morales demonstrieren wollten, seien in dem Ort Tres Barrancas 1200 Kilometer nördlich von La Paz von Mitgliedern der regionalen Autonomiebewegung im Departement Pando angegriffen worden, berichteten nationale Medien.

Polizist vor US-Botschaft in La Paz: "Persona non grata"
AFP

Polizist vor US-Botschaft in La Paz: "Persona non grata"

Boliviens Präsident machte die USA für die eskalierenden Proteste gegen seine Regierung verantwortlich und verwies den US-Botschafter Philip Goldberg des Landes. "Ich erkläre den Botschafter der Vereinigten Staaten zur Persona non grata", sagte Morales im bolivianischen Fernsehen. Die USA kritisierten den Schritt am Donnerstag als "schweren Fehler". Morales habe damit die bilateralen Beziehungen schwer beschädigt, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington. Die Anschuldigungen seien "haltlos."

Venezuelas Präsident Hugo Chavez begrüßte die Ausweisung . Chavez wirft den USA vor, 2002 einen gescheiterten Putsch gegen ihn unterstützt zu haben. "Das gleiche passiert jetzt in Bolivien", erklärte er. Die venezolanische Regierung ordnete zugleich an, dass US-Fluggesellschaften ihre Flüge in das Land reduzieren sollen. Die US-Fluggesellschaft Delta Airlines bestätigte, dass sie auf Anweisung der Regierung in Caracas ihre Flüge reduzieren muss.

Kern des Konflikts der Indio-Mehrheit unter Führung von Morales mit den wohlhabenderen Nachfahren europäischer Einwanderer ist der Versuch der Regierung, den Wohlstand aus dem rohstoffreichen Osten und Süden des Landes zugunsten der vor allem im westlichen Hochland lebenden Indios umzuverteilen.

Der Präfekt von Pando, Leopoldo Fernández, ist einer der erbittersten Gegner von Morales, des ersten gewählten Indio-Präsidenten des südamerikanischen Landes. Auch aus anderen Regionen des Landes, die von der Opposition dominiert werden, gab es Berichte über neue Besetzungen von Behörden des Zentralstaates und Plünderungen. Auch mehrere Regionalflughäfen fielen in die Hand der Morales-Gegner.

Explosiv war die Lage auch in Santa Cruz im Südwesten des Landes, wo Gegner von Morales inzwischen alle Amtsgebäude des Zentralstaates besetzt und verwüstet haben. Im Gegenzug blockierten Anhänger des Präsidenten die Zufahrtsstraßen rund um die mit 1,5 Millionen Einwohnern größte Stadt des Landes. Die katholische Kirche rief zur Mäßigung auf, und das Militär teilte mit, ohne schriftlichen Befehl von Morales werde es in den abtrünningen Regionen öffentliche Gebäude nicht länger gegen gewaltbereite Demonstranten verteidigen.

Die Präfekten von Pando, Santa Cruz, Beni, Tarija und Chuquisaca fordern eine weitgehende Autonomie von der Zentralregierung in La Paz und erheben Anspruch auf die Einnahmen aus der Erdgas- und Erdölförderung. Diese Gelder benutzt die Regierung Morales bisher, um allen Bolivianern ab 60 Jahren eine Rente zu zahlen. Die Einnahmen könnten jedoch bald versiegen, da Gegner von Morales wichtige Pipelines für den Export von Erdgas nach Brasilien und Argentinien blockierten.

Morales hat trotz der schleichenden Auflösung des Staates Polizei und Militär bisher zur Zurückhaltung angehalten. Indio-Gruppen forderten deshalb bereits die Verteilung von Waffen, um selbst gegen die Aufständischen vorzugehen. Venezuelas Präsident Chávez warnte unterdessen, er werde einem möglichen Putsch gegen Morales nicht tatenlos zusehen. "Dann würden wir eine bewaffnete (Gegen-) Bewegung unterstützen", sagte er.

amz/dpa/Reuters



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