Unruhen in China Blutige Kämpfe mit Muslimen

In der zentralchinesischen Provinz Henan ist es zu heftigen Unruhen gekommen. Bei den Auseinandersetzungen zwischen der chinesischen Han-Bevölkerung und der muslimischen Hui-Minderheit starben zahlreiche Menschen.

Von , Peking


Peking - Die "New York Times" berichtete von 148 Toten, darunter 18 Polizisten. Anwohner sprachen gegenüber SPIEGEL ONLINE dagegen von 12 Opfern. Die Bewaffnete Volkspolizei, eine Einheit des Militärs, hat inzwischen zahlreiche Straßen gesperrt, um zu verhindern, dass weitere Kämpfer dazu stoßen. Ort der Streitigkeiten ist der Landkreis Zhongmou zwischen der Provinzmetropole Zhengzhou und der historischen Stadt Kaifeng in der Nähe des Gelben Flusses. Über das Dorf Langchenggang soll das Militärrecht verhängt worden sein.

Offenbar liegen mehrere Dörfer miteinander im Konflikt. Über die aktuelle Situation gibt es widersprüchliche Nachrichten. Autofahrer in der Region berichten, dass die Uniformierten bis heute Morgen nicht in der Lage waren, die Streithähne zu trennen. Ein Hui-Funktionär in Kaifeng sagte dagegen: "Die gesellschaftliche Lage hat sich wieder stabilisiert." Das Volkskrankenhaus im Kreis Zhongmou gab keine Auskünfte über Opferzahlen.

Anlass war angeblich ein Streit zwischen zwei Han-Kindern und einem Gleichaltrigen der Hui-Minderheit, der zu Konfrontationen zwischen den Bevölkerungsgruppen führte. In einer anderen Version soll ein Verkehrsunfall der Auslöser gewesen sein. Ein Taxifahrer der Hui-Minderheit habe dabei einen Han-Chinesen getötet. Verwandte des Opfers verlangten vergebens nach Entschädigung.

Die Hui sind mit rund 8,6 Millionen Mitgliedern die größte der 55 ethnischen Minderheiten Chinas. Sie leben vor allem in der Autonomen Region Ningxia, in Gansu und in der südlichen Provinz Yunnan. Auch in den großen Städten wie Peking und Shanghai gibt es Moscheen der Hui. Im Gegensatz zu den muslimischen Uiguren in der Autonomen Region Xinjiang gelten sie als sozial angepasst. Han-Chinesen in Henan beklagen allerdings die "Aggressivität" von Hui-Dörflern gegenüber Außenstehenden.

China hat in den letzten Wochen öfter Ausbrüche von spontaner Gewalt erlebt. In Wanzhou im Kreis Chongqing am Yangtse rebellierten nach einem Marktstreit jüngst Tausende von Menschen. Sie setzen Polizeifahrzeuge in Brand und stürmten ein Regierungsgebäude. Dieser Aufruhr richtete sich im Gegensatz zu den Krawallen in Henan gegen lokale Beamte.



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