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Unruhen in Iran: Polizei setzt Tränengas gegen Regimegegner ein

"Tod dem Diktator" und "Ahmadinedschad, tritt zurück": Irans Hauptstadt wird erneut von Unruhen erschüttert. Nach dem Freitagsgebet von Ex-Präsident Rafsandschani liefert sich die Opposition Straßenschlachten mit der Polizei.

Teheran - Mit neuer Kraft hat sich die iranische Oppositionsbewegung zurückgemeldet: Zum Freitagsgebet mit dem einflussreichen regierungskritischen Kleriker Ali Akbar Haschemi Rafsandschani versammelten sich Hunderttausende Oppositionelle in der Umgebung der Universität, berichteten Augenzeugen. Darunter waren auch viele Anhänger des bei der umstrittenen Wahl am 12. Juni unterlegenen Präsidentschaftskandidaten Hossein Mussawi.

Die Polizei setzte nach Angaben von Augenzeugen massiv Tränengas gegen die Oppositionellen vor der Universität ein. Mehrere Demonstranten seien dort festgenommen worden. In anderen Berichten war sogar von Straßenkämpfen nahe der Hochschule die Rede. Bei den Kundgebungen weiter entfernt von der Universität griff die Polizei demnach nicht ein.

Zahlreiche Demonstranten skandierten an die Adresse des amtierenden Präsidenten Mahmud Ahmadinedschad gewandt: "Tod dem Diktator!" oder "Ahmadinedschad, tritt zurück!" Entlang der großen Kargar-Straße trugen Hunderte Demonstranten ein riesiges grünes Tuch als Zeichen ihrer Unterstützung für Mussawi.

Die Freitagspredigt in der Universität von Teheran war erstmals seit zwei Monaten von Rafsandschani, dem Ex-Präsidenten und Unterstützer Mussawis, gehalten worden. Dabei forderte er unter anderem die Freilassung aller politischen Gefangenen, die bei Protesten gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl festgenommen worden waren.

Nur einige tausend Zuhörer erreichten aber den Eingang zur Universität, wo Rafsandschani auftrat. Im Umkreis von drei Kilometern war das Areal von einer Menschenmenge umgeben, berichteten Augenzeugen. Ein Großaufgebot von Polizei und Freiwilligen-Milizen riegelte das Gelände der Universität hermetisch ab.

Rafsandschani hatte seine Predigt mit einem Aufruf an die Anhänger Mussawis begonnen, die friedliche Atmosphäre des Freitagsgebets nicht durch Slogans gegen die Regierung zu stören. "Lasst uns die Gelegenheit nutzen, eine bessere Zukunft für unser Land zu schaffen, und die Probleme zu lösen, sagte Rafsandschani. Er rief die Regierung dazu auf, festgenommene Oppositionelle freizulassen. Der erste Teil eines Freitagsgebets ist traditionell religiös geprägt, Koranverse werden rezitiert. Den zweiten Teil bestimmen soziale und politische Themen.

Rafsandschani rief auch zu einer offenen Debatte über die umstrittene Wahl auf. Es gebe eine Krise in Iran, sagte Rafsandschani in seinem Freitagsgebet, das vom staatlichen iranischen Fernsehen nicht übertragen wurde. Er warf der iranischen Führung vor, nicht genügend Toleranz für das eigene Volk zu haben.

Hossein Mussawi hatte die Wahl gegen den erzkonservativen Amtsinhaber Mahmud Ahmadinedschad nach offiziellen Angaben klar verloren. Der Unterlegene zweifelt das Ergebnis an und wirft der Regierung Wahlfälschung vor. Bei den Demonstrationen nach dem 12. Juni waren in Teheran und anderen Städten mindestens 20 Demonstranten getötet worden. Anwälte berichten dagegen von mehr als 300 Toten .

als/dpa/AFP/AP

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Forum - Unruhen und kein Ende - wie geht es weiter in Iran?
insgesamt 4111 Beiträge
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1.
Betonia, 17.07.2009
Zitat von sysopIrans Hauptstadt wird erneut von Unruhen erschüttert. Nach dem Freitagsgebet von Ex-Präsident Rafsandschani liefert sich die Opposition Straßenschlachten mit der Polizei. Wie geht es weiter in Iran?
Die letzten Demonstrationen und das Verhalten der Machthaber hat bei der Bevölkerung etwas losgetreten. Das wird schwer zu stoppen sein.
2.
Die_Geistwurst, 17.07.2009
Zitat von sysopIrans Hauptstadt wird erneut von Unruhen erschüttert. Nach dem Freitagsgebet von Ex-Präsident Rafsandschani liefert sich die Opposition Straßenschlachten mit der Polizei. Wie geht es weiter in Iran?
Meine Einschätzung ist, dass die Regierung ihre Macht mit allen Mitteln verteidigen wird.
3. Es gibt nur noch zwei Wege
iranrevolution2009 17.07.2009
Möglichkeit 1: Die beiden Lager einigen sich über eine Art Machtaufteilung und es herrscht zumindes in dem Herrschersystem Einigkeit (Unabhängig was Menschen wollen) Möglichkeit 2) Es gibt keine Einigung und die Menschen halten den Druck aufrecht, dann gibt es nur die Möglichkeit erst Ahamdai und dann Chamenei abzusetzen. Hier sind die Gewinner auch Menschen.
4. Was in den letzten Tagen geschah:
Zarathustra, 17.07.2009
• ِDie beiden Großayatollahs Montazeri und Zanjani haben in einem ungewöhnlich scharfen Ton, ohne Namen zu nenne, die Führung angegriffen • Ayatollah Ostadi, der Hauptprädiger in der religiösen Statdt Qom, hat seinen Streik für die nächsten Wochen bekannt gegeben. D.h. er wird auf das Predigen im Freitagsgebet verzichten. Dafür hat er von 19 weiteren Religionsgelehrten aus Ghom Unterstützung und Zuspruch bekommen. • Mohsen Rezai (der vierte Kandidat) sieht die Zukunft des Systems als sehr schwarz. • Revolution und Widerstand der Frauen: Nicht nur junge Frauen, sondern auch ältere und Frauen mit Tschador machen bei den Protesten mit • Erfinderischer Widerstand: jedes Mal, wenn man im staatlichen Fernsehen die Führung oder irgendein Interview mit einem Inhaftierten zeigen will, setzen die Menschen sämtliche Elektrogeräte ein und legen so die Stromversorgung für eine bestimmte Zeit lahm. • Rausschmiss von zwei Ahmadi nahe stehenden Mitgliedern des Schlichtungsrates, der von Rafssanjani geleitet wird. • Ahmadi in Mashhad http://www.bazyab.ir/index.php?option=com_content&task=view&id=46155&Itemid=1 Dieser Mensch hat angeblich über 24 Millionen stimmen erhalten und wird bei seinem ersten Besuch nach den Wahlen in der heiligen Stadt Mashhad von gerade einigen hunderten Menschen bejubelt.
5.
Betonia, 17.07.2009
Zitat von iranrevolution2009Möglichkeit 1: Die beiden Lager einigen sich über eine Art Machtaufteilung und es herrscht zumindes in dem Herrschersystem Einigkeit (Unabhängig was Menschen wollen) Möglichkeit 2) Es gibt keine Einigung und die Menschen halten den Druck aufrecht, dann gibt es nur die Möglichkeit erst Ahamdai und dann Chamenei abzusetzen. Hier sind die Gewinner auch Menschen.
Wobei mir nicht ganz klar ist, was die Mehrzahl der Menschen im Iran wollen. 1. Eine islamische Republik mit ein paar Änderungen und etwas weniger Drangselei von oben. 2. Oder wollen sie eine demokratische - sprich westliche -Form der Regierung, in der Religionen und deren Vorschriften Privatsache sind.
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