Unruhen in Mexiko Aufständische von Oaxaca marschieren weiter

Seit Monaten protestieren Tausende Bürger von Oaxaca gegen den Gouverneur, dem sie Korruption und Repression vorwerfen. Seit rund einer Woche wird die Innenstadt von der Bundespolizei kontrolliert. Doch der Aufstand geht weiter.


Oaxaca - Mehr als 20.000 Aufständische marschierten heute vom Universitätsviertel zur Innenstadt. Viele der Demonstranten waren mit Knüppeln und Feuerwerkskörpern bewaffnet und skandierten "Bundespolizei raus!". Sicherheitskräfte mit automatischen Gewehren bezogen Stellung auf Hausdächern. Die mexikanische Regierung hatte Ende September rund 4.000 Bundespolizisten nach Oaxaca geschickt, um den Aufstand unter Kontrolle zu bringen.

Im Anschluss an einen Lehrerstreik waren im Mai in Oaxaca Behördengebäude und Rundfunksender besetzt worden. Die Proteste richten sich gegen Gouverneur Ulises Ruiz, den die Aufständischen der Korruption und Repression bezichtigen. Bei Zusammenstößen und Anschlägen kamen bislang mindestens neun Menschen ums Leben. Ein Studentensender berichtete, Bewaffnete hätten heute in der Nähe der Universität auf Demonstranten geschossen. Dabei sei ein 21-jähriger Student verletzt worden.

Die Aufständischen - Linke, Anarchisten und indianische Aktivisten - haben die Staatsuniversität zu ihrem neuen Zentrum gemacht, nachdem sie am vergangenen Wochenende vom Zocalo, dem zentralen Platz der Stadt, vertrieben worden waren. Universitätsrektor Francisco Martinez stellte sich hinter die Aufständischen. Nach mexikanischem Recht darf die Polizei nur dann auf das Universitätsgelände, wenn der Rektor seine Zustimmung dazu gegeben hat.

Erzbischof José Luis Chavez rief heute während einer Messe auf dem Zocalo zu einem Ende des Konflikts auf. Jeder einzelne müsse sich um Frieden bemühen, sagte der Geistliche.

kai/AP



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