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Unruhen in Moldau: Demonstranten greifen Parlamentssitz an

Tausende Anhänger der moldauischen Opposition haben sich in der Hauptstadt Chisinau heftige Gefechte mit der Polizei geliefert. Die Demonstranten stürmten den Sitz des Parlaments, schlugen Fenster ein und zündeten Möbel an. Die Sicherheitskräfte setzten Wasserwerfer ein. Eine Demonstrantin starb.

Chisinau - Tausende auf der Straße, die Polizei in Bedrängnis: Nach dem Wahlsieg der Kommunistischen Partei in Moldau ist es am Dienstag zu Unruhen in der Hauptstadt Chisinau gekommen. Im Anschluss an eine Demonstration mit mindestens 10.000 Teilnehmern stürmten Regierungsgegner das Parlamentsgebäude.

Straßenschlachten in Chisinau: Demonstranten stürmen ins Parlament
REUTERS

Straßenschlachten in Chisinau: Demonstranten stürmen ins Parlament

Durch eingeschlagene Scheiben kletterten sie in das Gebäude und schleuderten Stühle, Tische und Papier aus den Fenstern. Vor dem Parlament entfachten sie ein großes Feuer, in dem sie das Mobiliar und andere Gegenstände verbrannten. Eine Demonstrantin starb laut staatlichem Fernsehen an einer Rauchvergiftung, bei Straßenschlachten wurden nach Angaben eines Arztes mehr als 30 Menschen verletzt. Einer kleinen Gruppe gelang es auch, in das Büro des Präsidenten einzubrechen.

In den Straßen der Hauptstadt lieferten sich die Demonstranten Straßenschlachten mit der Polizei. Die Sicherheitskräfte gingen mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Studenten vor.

Die Demonstranten trugen moldauische und europäische Fahnen und skandierten antikommunistische Parolen. "Die Wahlen sind von den Kommunisten kontrolliert worden, sie haben alle gekauft", sagte ein protestierender Student. Mehrere Polizisten wurden bei den Zusammenstößen verletzt. Anhänger der antikommunistischen Opposition fordern nun Neuwahlen. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters haben deren Wortführer sich inzwischen mit der Polizei darauf geeinigt, keine Gewalt mehr anzuwenden. Präsident Wladimir Woronin warf der Opposition vor, das Land destabilisieren zu wollen.

Die Kommunistische Partei Moldaus (PCRM) gewann am Sonntag zum dritten Mal in Folge die Parlamentswahl. Die Regierungspartei erreichte 49,9 Prozent der Stimmen. Drei Oppositionsparteien, die für eine Annäherung der ehemaligen Sowjetrepublik an die Europäische Union eintreten, kamen zusammen auf 35 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei mehr als 59 Prozent.

Das neu gewählte Parlament muss bis zum 8. Juni einen Nachfolger für den Präsidenten Wladimir Woronin bestimmen, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antritt. Die einst prorussischen Kommunisten sind seit 2001 an der Macht. 2005 vollzog Woronin eine Kehrtwende Richtung EU, um seinem Land Wirtschaftshilfen zu sichern.

Moldau ist Mitglied des Nato-Programms "Partnerschaft für den Frieden". Eine Vollmitgliedschaft lehnen die regierenden Kommunisten ab. Sie plädieren zwar für eine engere Beziehung zur EU, wollen zugleich aber eine strategische Partnerschaft mit Russland. Die oppositionellen Liberalen und Liberaldemokraten haben sich dagegen für eine Nato- und EU-Mitgliedschaft ausgesprochen.

Mit einem monatlichen Durchschnittseinkommen von umgerechnet 260 Euro gehört die ehemalige Sowjetrepublik zu den ärmsten Ländern Europas. Rund 600.000 Moldauer arbeiten im Ausland.

ffr/AFP/Reuters/AP

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