Unruhen in Xinjiang Türkei soll Völkermord-Vorwurf zurücknehmen

Er hatte die Unruhen in Xinjiang als "Völkermord" bezeichnet - jetzt fordern chinesische Medien den türkischen Premier Erdogan auf, den Vorwurf zurückzunehmen. Die Äußerungen seien "unverantwortlich", "grundlos" und eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten.


Peking/Ürümqi - Chinesische Medien haben den türkischen Regierungschef Recep Tayyip Erdogan wegen dessen Äußerungen zu den muslimischen Uiguren scharf kritisiert: Erdogans Bemerkung, wonach die Unruhen in der chinesischen Region Xinjiang einem "Völkermord" an den Uiguren gleichkomme, sei eine "unverantwortliche und grundlose Beschuldigung", hieß es am Dienstag im Leitartikel der englischsprachigen Zeitung "China Daily".

Türkischer Premier Erdogan: "Die Zwischenfälle in China sind, einfach gesagt, Völkermord"
REUTERS

Türkischer Premier Erdogan: "Die Zwischenfälle in China sind, einfach gesagt, Völkermord"

Die Tatsache, dass von den 184 bei den Unruhen getöteten Menschen 137 Han-Chinesen seien, spreche "Bände über die Art des Ereignisses". Erdogan sollte daher "seine Bemerkungen zurücknehmen, (...) die eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Chinas darstellen", heißt es in der Zeitung.

Der türkische Ministerpräsident Erdogan hatte am Freitag zu Reportern bei einer Fernsehübertragung gesagt, "die Zwischenfälle in China sind, einfach gesagt, Völkermord". Man könne dies nicht anders interpretieren. Erdogan forderte die chinesischen Behörden auf, weitere Opfer zu verhindern. Der chinesische Außenminister Yang Jiechi hatte seinem türkischen Kollegen am Sonntag nach einem Bericht der Agentur Xinhua telefonisch gesagt, die Unruhen seien durch "drei Kräfte des Bösen" initiiert worden: "Extremismus, Separatismus und Terrorismus".

Bei den Unruhen der vergangenen Tage in der chinesischen Unruheprovinz Xinjiang sind nach offiziellen Angaben 184 Menschen getötet worden, 137 davon Han-Chinesen und 46 Angehörige des Turkvolkes der Uiguren.

Die Türkei hat sich in jüngster Zeit bemüht, ihre Beziehungen zu China auszubauen. Präsident Abdullah Gül hatte das Land im vergangenen Monat als erster türkischer Präsident seit 15 Jahren besucht. Dabei wurden Handelvereinbarungen im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar unterzeichnet. Damals besuchte Gül auch die Provinz Xinjiang. Türkische Nationalisten sehen Xinjiang als östliche Grenze des Turkvolkes an. Tausende Uiguren leben zudem in der Türkei.

In Ürümqi, der Hauptstadt der autonomen Region Xinjiang, herrschte unterdessen gespannte Ruhe. Im mehrheitlich von Uiguren bewohnten Teil der Stadt waren zahlreiche Spezialeinheiten der Polizei postiert, eine Moschee und viele Geschäfte blieben geschlossen. Am Montag hatten Polizisten in dem Viertel zwei Uiguren erschossen . Diese waren nach Angaben von Augenzeugen mit Messern und Stöcken auf die Polizisten losgegangen.

anr/AFP/Reuters



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