Dhaka - Nach dem Todesurteil gegen einen islamistischen Politiker in Bangladesch halten die landesweiten Proteste weiter an - und die Zahl der Todesopfer steigt. 57 Menschen sind inzwischen bei den gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Anhängern von Delawar Hossain Sajedi auf der einen und Polizei und Armee auf der anderen Seite ums Leben gekommen. Allein an diesem Sonntag starben mindestens 14 Menschen - unter ihnen ein 13 Jahre alter Junge, so ein Polizeisprecher.
Am Donnerstag hatte ein Gericht den Vizepräsidenten der größten islamistischen Partei Bangladeschs, Jamaat-i-Islami, wegen Kriegsverbrechen im Unabhängigkeitskrieg 1971 zum Tode verurteilt. Das Gericht befand Delawar Hossain Sajedi in Dhaka für schuldig, während des neunmonatigen Krieges an Morden, Plünderungen, Brandstiftungen, Vergewaltigungen und der Zwangskonvertierung zum Islam beteiligt gewesen zu sein.
Sajedis islamistische Partei Jamaat-i-Islami rief nach der Urteilsverkündung zu einem landesweiten Streik auf, um die Freilassung zu erreichen. Diesem Appell kam aber kaum jemand nach, denn ein Großteil der Bevölkerung befürwortet eine Verurteilung. Mehr als drei Wochen lang hatten Zehntausende vor der Urteilsverkündung friedlich in Dhaka und anderen Städten protestiert. Sie forderten für die Kriegsverbrecher die Todesstrafe und ein Verbot von Jamaat-i-Islami.
Die Unruhen reißen nicht ab
Ihnen stehen die islamistischen Protestierer gegenüber. Sie kritisieren die Verfahren gegen 13 mutmaßliche Kriegsverbrecher als "Schauprozesse". Das Urteil gegen Sajedi ist nur eines in einer ganzen Serie von Prozessen gegen führende Vertreter der Islamisten. Bereits im Januar gab es Gewaltausbrüche bei ähnlichen Urteilssprüchen. Es sind noch acht Prozesse gegen Jamaat-Politiker anhängig.
Bei Ausschreitungen nach der Urteilsverkündung gegen Sajedi kamen mindestens sechs Menschen ums Leben. Außerdem gab es mehrere Verletzte, als Anhänger von Jamaat-i-Islami in mehreren Städten randalierten und mit der Polizei zusammenstießen.
Seitdem reißen die Unruhen in Bangladesch nicht ab. Nach Polizeiangaben töteten Protestierer im Norden des Landes noch am Donnerstag zwei Polizisten. Auch hätten die Demonstranten eine Brücke zwischen Dhaka und der Hafenstadt Chittagong in Brand gesetzt. Am Freitag gingen auf einem Markt im nördlichen Bezirk Gaibandha Hunderte Anhänger der Regierung und der oppositionellen Jamaat-i-Islami-Partei mit Stöcken aufeinander los, wie der örtliche Polizeichef der Nachrichtenagentur AFP sagte. Dabei sei ein Rikschafahrer getötet worden.
Angesichts der Unruhen hat die Regierung in Bangladesch am Sonntag die Streitkräfte mobilisiert. Die Soldaten postierten sich in der von der Gewalt besonders betroffenen Stadt Shahjahanpur, wie die Polizei mitteilte. Zuvor hatten dort rund 5000 aufgebrachte Demonstranten zwei Polizeiwachen angegriffen.
mhe/afp/dpa
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