Unterstützung für Mubarak: Saudi-Arabiens König kanzelt Obama am Telefon ab

Der Einfluss der USA in der Ägypten-Krise ist offenbar kleiner als gedacht: Saudi-Arabiens König Abdullah soll gedroht haben, sich auf die Seite von Mubarak zu schlagen. In einem hitzigen Telefonat mit dem US-Präsidenten Ende Januar verteidigte er seinen "Freund"- und beschert Barack Obama noch mehr Ärger.

US-Präsident Barack Obama: Diplomatisches Dilemma in Ägypten-Krise Zur Großansicht
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US-Präsident Barack Obama: Diplomatisches Dilemma in Ägypten-Krise

Riad/Washington - Die Krise in Ägypten sorgt für diplomatische Verstimmungen zwischen den USA und Saudi-Arabien, einem wichtigen Verbündeten des Westens in der Region. König Abdullah warnte die US-Regierung in einem Telefongespräch davor, einen Umbruch in Ägypten zu forcieren. Am 29. Januar - vier Tage nach Beginn der ersten Massenproteste in Kairo und anderen ägyptischen Städten - griff Saudi-Arabiens Regent zum Hörer und maßregelte US-Präsident Barack Obama. Das berichtete die Londoner "Times" am Donnerstag, sie bezieht sich auf hochrangige Diplomaten in Riad.

Der Tonfall sei "gereizt" gewesen, schreibt die Zeitung. Abdullah drohte, Ägyptens Präsident Husni Mubarak zu unterstützen, sollten sich die USA gegen den umstrittenen Machthaber stellen. Zudem werde er Ägypten finanziell aushelfen, sollten die Amerikaner ernsthaft erwägen, die milliardenschweren Rüstungshilfen an Kairo einzufrieren. Abdullah mahnte Obama der Zeitung zufolge, die USA dürften Mubarak keinesfalls mit offenen Rücktrittsforderungen "demütigen".

"Mubarak und König Abdullah sind nicht nur Verbündete, sondern auch Freunde. Der König wird nicht dabei zuschauen, wie sein Freund weggeschoben und erniedrigt wird", zitierte die "Times" einen Diplomaten. Nach den Unruhen in Ägypten verbliebe den USA derzeit nur noch ein stabiler Partner in der arabischen Welt: Saudi-Arabien. "Und die Saudis werden die USA genau daran erinnern", ergänzte der Diplomat.

Die US-Regierung steckt in der Ägypten-Krise in einem Dilemma: Einerseits unterstützt sie die Forderungen der Demonstranten nach einem längst überfälligen Machtwechsel, andererseits fürchtet Washington, zu viel Druck könnte eine friedliche Lösung erschweren. Wann genau Mubarak abtreten soll, ließ Obama bislang offen.

Die Hände gebunden?

Riads Intervention verdeutlicht, dass der Einfluss der USA in der arabischen Welt Grenzen hat. Am Donnerstag veröffentlichte das Weiße Haus ein Statement, in dem "unmittelbare Schritte zu einem geordneten Übergang" in Kairo angemahnt wurden. Die USA versicherten die "langfristige Verpflichtung der USA für Frieden und Sicherheit in der arabischen Welt". Auch hätten Obama und Abdullah erneut miteinander telefoniert, verlautete aus Washington, Details aus dem Gespräch wurden nicht bekannt.

Am Mittwoch hatte die US-Regierung vom Regime in Ägypten verlangt, konkreter auf den Wunsch der Demonstranten nach einem demokratischen Wandel einzugehen. Bislang seien noch nicht einmal Minimalforderungen der Protestbewegung nach Reformen erfüllt worden. Die Massendemonstrationen würden kein Ende nehmen, bis es einen Wandel gebe, sagte Obamas Sprecher, Robert Gibbs. Er stellte jedoch klar, dass die US-Regierung das Regime in Ägypten zu nichts zwingen kann.

Die ägyptische Regierung zeigte sich zufrieden mit den neuen Formulierungen der USA. In einem Interview mit dem Fernsehsender PBS NewsHour erklärte der ägyptische Außenminister Ahmed Aboul Gheit, er sei erbost über die verwirrenden Aussagen der US-Regierung zu Beginn der Proteste gewesen. Obama hatte Mubarak aufgefordert, "das Richtige zu tun".

Die Forderung nach einem sofortigen Wandel sei gleichbedeutend damit, Ägypten seinen Willen aufzudrücken. Nun seien die Äußerungen der US-Regierung sehr viel klarer. Ein abrupter Wechsel würde zu Chaos führen, sagte er. "Ich denke, wir haben jetzt eine Regierung, die sich über die Schwierigkeiten der Lage absolut im Klaren ist und über die Gefahren und Risiken, dass Hast endloses Chaos nach sich ziehen würde."

Die Protestbewegung in Ägypten fordert weiterhin den sofortigen Rücktritt von Präsident Mubarak. Der Staatschef will dagegen bis zur nächsten Wahl im Herbst im Amt bleiben und dann nicht erneut kandidieren.

amz/AP

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insgesamt 150 Beiträge
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1. Na ja...
nixkapital 10.02.2011
Zitat von sysopDer Einfluss der USA*in der Ägypten-Krise ist offenbar kleiner als gedacht: Saudi-Arabiens König Abdullah soll gedroht haben, sich auf die Seite von Mubarak zu schlagen. In dem hitzigen Telefonat mit dem US-Präsidenten verteidigte er seinen "Freund"- und*beschert Barack Obama noch mehr Ärger. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744693,00.html
Die Bestandsbewahrer passen eben auf sich auf. Das Haus Saud kann ja gar nicht anders, ansonsten könnte die eigene Bevölkerung auf komische Gedanken kommen. Da wäre es dann vorbei mit dem bigotten Leben...
2. ...
peterregen 10.02.2011
Zitat von sysopDer Einfluss der USA*in der Ägypten-Krise ist offenbar kleiner als gedacht: Saudi-Arabiens König Abdullah soll gedroht haben, sich auf die Seite von Mubarak zu schlagen. In dem hitzigen Telefonat mit dem US-Präsidenten verteidigte er seinen "Freund"- und*beschert Barack Obama noch mehr Ärger. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744693,00.html
Es würde mich nicht wundern, wenn es in nächster Zeit "Anschläge auf westliche Ziele" gibt, die sich nach Saudi-Arabien "zurückverfolgen" lassen...
3. Abkanzeln
jupol 10.02.2011
Ob sich seine Hoheit das auch beim chinesischem Ministerpräsident Wen Jiabao getraut hätte?
4. Tja, das kommt davon
hook123 10.02.2011
Zitat von sysopDer Einfluss der USA*in der Ägypten-Krise ist offenbar kleiner als gedacht: Saudi-Arabiens König Abdullah soll gedroht haben, sich auf die Seite von Mubarak zu schlagen. In dem hitzigen Telefonat mit dem US-Präsidenten verteidigte er seinen "Freund"- und*beschert Barack Obama noch mehr Ärger. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,744693,00.html
Die USA hätten schon vor Jahrzehnten Saudiarabien besetzten und dem Treiben dort ein Ende bereiten sollen. Nicht nur, dass der Saudi ein schlimmer Menschenrechtsverletzer ist und auf unserem Öl sitzt, er finanziert auch noch den islamischen Terrorismus!
5. Einigkeit und Recht und Freiheit
avollmer 10.02.2011
Wäre es nicht an der Zeit, dass zusätzlich eine Forderung an Mubarak gestellt wird, die eben keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Ägyptens ist? Die Forderung, dass sich die staatlichen Organe Ägyptens an die eigenen Gesetze halten, Rechtsstaatlichkeit garantiert wird und alle Bürger Ägyptens vor dem Gesetz gleich sind! Kurz gesagt, die Aufhebung des Ausnahmezustandes und der Suspendierung des ägyptischen Rechts, dies zu fordern ist keine Einmischung, im Gegenteil, das ist die Forderung Ägypten wieder Ägypten sein zu lassen. Wenn sich die ägyptische Polizei wieder um Plünderer kümmert und der Geheimdienst um ausländische Spione und der Zensor um Kinderpornografie, dann wird Mubarak feststellen, dass er in Pension gehen kann und die Demonstranten sich der Arbeitsplatzfrage zuwenden werden. Natürlich fürchtet Mubarak, dass ein derartiger Schritt die entstandene oligarchische Schicht gegen ihn aufbringt, deshalb hat er Angst davor, er fürchtet um sein Leben. Nichtsdestotrotz kann man diese Forderung international erheben ohne in die Souveränität Ägyptens einzugreifen. Dann wird sich herausstellen wie mutig Mubarak ist, wie stark und wie treu gegenüber seinem Vaterland.
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