Umfrage in den USA Unterstützung für Afghanistan-Einsatz sinkt dramatisch

In den USA wächst die Kriegsmüdigkeit: Einer Umfrage zufolge sind 69 Prozent der Bürger des Landes für ein Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan - so viele wie noch nie. Gleichzeitig sprechen sich die Afghanen mehrheitlich für eine Aussöhnung mit den Taliban aus.

US-Soldaten in Afghanistan: Immer mehr US-Bürger sehen den Einsatz kritisch
AFP

US-Soldaten in Afghanistan: Immer mehr US-Bürger sehen den Einsatz kritisch


Washington - Bei den US-Bürgern ist die Unterstützung für den Einsatz ihres Militärs in Afghanistan laut einer Umfrage von "New York Times" und CBS News dramatisch gesunken. Demnach vertreten 69 Prozent der Befragten die Auffassung, die US-Soldaten sollten nicht weiter am Hindukusch kämpfen. Es ist der höchste je gemessene Wert seit 2009, als die Frage erstmals in einer Erhebung gestellt wurde. Im vergangenen November hatten sich lediglich 53 Prozent der Befragten entsprechend geäußert.

86 Prozent der Befragten sagten laut der Umfrage, der Einsatz laufe schlecht beziehungsweise sehr schlecht. Im vergangenen November hatten sich lediglich 42 Prozent der Befragten entsprechend negativ geäußert.

Zuletzt hatte es viele Negativmeldungen aus Afghanistan gegeben: Ein US-Soldat hatte im März 17 Zivilisten in einem Dorf getötet. Zuvor hatte es im ganzen Land massive Proteste gegen die Koalitionstruppen gegeben, nachdem US-Soldaten im Militärstützpunkt Bagram Koran-Exemplare verbrannt hatten.

Dem offiziellen Zeitplan zufolge will sich die Nato 2014 aus Afghanistan zurückziehen. Afghanistans Präsident Hamid Karzai hatte den Westen zuletzt mit einem Vorstoß überrascht, in dem er sich für eine frühere Übergabe der Sicherheitsverantwortung ausgesprochen hatte. Die Nato solle sich bereits 2013 zurückziehen, hatte Karzai gesagt.

Eine überwältigende Mehrheit der Afghanen (94 Prozent) spricht sich einer weiteren Umfrage zufolge für ein Aussöhnungsprogramm mit den Taliban und anderen Aufständischen aus. Für die Untersuchung befragte die afghanische Nichtregierungsorganisation Peace Training and Research Organization (PTRO) mit Sitz in Kabul 4763 Afghanen aus 16 der 32 Provinzen des Landes. Nach PTRO-Angaben ist die am Dienstag veröffentlichte Studie repräsentativ.

Bislang ist ein Friedensprozess in Afghanistan nicht in Sicht. Erst Mitte des Monats setzten die Taliban Gespräche mit den USA im Golf-Emirat Katar aus. Als ein Hindernis für einen Friedensprozess bezeichnete fast die Hälfte der Befragten (48 Prozent) den Einfluss Pakistans und des Irans. 42 Prozent nannten bei dieser Frage die Anwesenheit der internationalen Truppen. 23 Prozent machten als einen Grund mangelnde Glaubwürdigkeit der Regierung aus. Mehrfachnennungen waren möglich.

83 Prozent unterstützten der Umfrage zufolge die Bedingungen der afghanischen Regierung und der internationale Gemeinschaft für eine Friedenslösung. Demnach müssen sich die Aufständischen vom Terrornetz al-Qaida lossagen, ihre Waffen niederlegen und die afghanische Verfassung anerkennen. 58 Prozent unterstützten die Forderung der Taliban, dass vor einer Verhandlungslösung alle ausländischen Truppen abziehen müssen. Eine große Schnittmenge unterstützte beide Positionen.

hen/bos/Reuters/dpa



Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 59 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
PK2011 27.03.2012
1. Titel
Zitat von sysopAFPIn den USA wächst die Kriegsmüdigkeit: Einer Umfrage zufolge sind 69 Prozent der Bürger des Landes für ein Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan - so viele wie noch nie. Gleichzeitig sprechen sich die Afghanen mehrheitlich für eine Aussöhnung mit den Taliban aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823912,00.html
Es wäre gut, wenn die Besatzung des Landes bald beendet würde. Dann könnten dort wieder vernünftige Geschäfte gemacht werden, die schlussendlich auch der Bevölkerung zugute kommen.
Trollvottel 27.03.2012
2.
das ist ja ganz was neues. Als ob die Bevölkerung jemals dahinter stand. Das ist die Demokratie des Westens die die öffentliche Meinung und die Mehrheiten geflissentlich übersieht.
Darjaan 27.03.2012
3. titel
das worst case tritt damit definitiv ein... die Truppen ziehen alle ab und mit der Aussöhnung der Afghanen mit den Taliban, werden die alten Talibanstrukturen wieder mehr dort Fuß fassen, wo man sie schon ausradiert hatte... Afghanistan wird des Geldes wegen, mehr Mohn anbauen als je zuvor.... bis auf ein paar Schulen und Brunnen die es jetzt gibt, wird Afgahnistan wieder in den Zustand von vor dem Krieg fallen.... das bedeutet, dass alll die Milliarden, oder waren es schon Billionen, an Kriegskosten und all die toten westlichen Sodldaten, sowie die toten Afghanischen Zivilisten die den Mörderdrohnen zum Opfer fielen, schlicht und einfach umsonst waren... viele haben es gewusst und gemahnt, aber unsere Politlügner haben es in den Wind geschlagen, so wie immer eigentlich... wer trägt die Verantwortung für diese Schlappe und vor allem, welche Konsequenzen muss derjenige tragen? ich meine, hier wurde in den letzten Monaten ja viel über hoheitliche Ämter, verantwortung und der damit besonderen finanziellen Entlohnung für Politiker geredet... wie sehen denn jetzt die Konsequenzen aus? ich kann es sagen... es gibt keine Konsequenzen... wenn es also für solche Politiker keine Konsequenzen gibt außer dass sie mit goldenem Handschlag verabschiedet werden, warum bekommen sie dann soviel Geld wenn sie wie in Afghanistan zehntausende tote Menschen auf dem Gewissen haben?
Cotti 27.03.2012
4.
Zitat von Trollvotteldas ist ja ganz was neues. Als ob die Bevölkerung jemals dahinter stand. Das ist die Demokratie des Westens die die öffentliche Meinung und die Mehrheiten geflissentlich übersieht.
Vermutlich stand sie dahinter, so lange noch "Erfolgsmeldungen" verkündet werden konnten - aber das kennt man ja zur Genüge. Wenn aber jetzt schon "friedliche Familienväter" durchdrehen und "Amok" laufen, bekommen die dann doch Angst vor vielen "Rambos", die das auch in der Heimat tun könnten.
Thomas Paine 27.03.2012
5. Déjà-vu
Zitat von sysopAFPIn den USA wächst die Kriegsmüdigkeit: Einer Umfrage zufolge sind 69 Prozent der Bürger des Landes für ein Ende des Kampfeinsatzes in Afghanistan - so viele wie noch nie. Gleichzeitig sprechen sich die Afghanen mehrheitlich für eine Aussöhnung mit den Taliban aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,823912,00.html
Also irgendwie kommt man aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus. Aussöhnung mit den Taliban, oder mit anderen Worten, es wird alles wieder so wie es vor dem Afghanistan Krieg war. Warum ist dieser Krieg denn dann so lange und verzweifelt geführt worden, wenn jetzt die Uhren wieder zurückgestellt werden? Was für ein Zynismus. Für was sind die vielen Menschen (auf allen Seiten) denn dann gestorben? Mal ganz abgesehen von all dem Leid und Schmerz, was hätte man mit den finanziellen Mitteln die in diesen unsinnigen Krieg geflossen sind, nicht alles sinnvolleres anstellen können. Man hätte die gesamte marode Infrastruktur (z.B.: Bildung, medizinische Versorgung, ...) der USA (oder wahlweise halb Afrika) modernisieren können.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.