Untersuchungsbericht Sexskandal erschüttert US-Innenministerium

Bestechung, Kokain, Sex mit Verhandlungspartnern: Das US-Innenministerium wird von einem schlüpfrigen Skandal erschüttert. Mitarbeiter einer Unterabteilung schliefen mit Angestellten der Ölindustrie, nahmen von ihnen Geschenke entgegen und hielten Drogengelage ab - das enthüllt ein offizieller Bericht.


Washington - Zwei Jahre lang hatte die Untersuchungskommission um Generalinspekteur Earl Devaney die Mitarbeiter des US-Innenministeriums durchleuchtet - das Ergebnis der Untersuchung ist ein "erschreckendes ethisches Fehlverhalten": Demnach hatten über ein Dutzend Mitarbeiter Sex mit Angestellten der Ölindustrie, außerdem nahmen sie Berge von Geschenken entgegen und hielten Gelage mit Alkohol und Drogen. Das geht aus dem offiziellen Untersuchungsbericht hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde.

Innenministerium in Washington: "Kultur des Drogenmissbrauchs und der Promiskuität"
REUTERS

Innenministerium in Washington: "Kultur des Drogenmissbrauchs und der Promiskuität"

Die Enthüllungen kommen zu einem sensiblen Zeitpunkt: Der US-Kongress ist mitten im Entscheidungsprozess, ob staatseigenes Land in Naturschutzgebieten in Alaska und vor der Küste Floridas zur Ausbeutung durch Ölfirmen freigegeben wird.

Im Zentrum des Skandals stehen 13 jetzige und ehemalige Angestellte der Abteilung für Mineralien-Management in Denver (Bundesstaat Colorado) und Washington. Das Amt ist für die Verwaltung sowie Vermarktung von Öl- und Gaslieferungen zuständig. Diese Lieferungen erhält die Regierung im Gegenzug für Fördergenehmigungen auf bundeseigenem Land von Energiefirmen. Jährlich spült die Abteilung über zehn Milliarden Dollar an Gebührengeldern in die Regierungskasse der USA - eine der größten Einnahmenquellen des Staates außerhalb der Steuern.

Dem in drei Teilen gegliederten Bericht zufolge gingen die Beziehungen zwischen Behörde und Privatfirmen alles andere als seriös vonstatten: Zwischen 2002 und 2006 nahmen die Mitarbeiter von Angestellten größerer Unternehmen Geschenke aller Art entgegen, heißt es in dem Papier - von Golf- und Skiausflügen über feudale Abendessen bis hin zu Hotelübernachtungen. Laut "New York Times" befindet sich mit Lucy Q. Denett, bis Anfang des Jahres stellvertretende Direktorin der Abteilung, auch eine hochrangige Mitarbeiterin unter den genannten 13 Personen.

Der frühere Direktor der Abteilung, Gregory W. Smith, soll mit den Nebengeschäften rund 30.000 Dollar verdient haben. Er trat vergangenes Jahr zurück, nachdem die Untersuchungen begonnen hatten, und arbeitet jetzt für die Ölindustrie.

Viele der Beschuldigten sagten ihren Befragern, sie seien der Ansicht, die Vorschriften über ethisches Verhalten im Amt träfen auf sie nicht zu: Sie hätten eine "einmalige" Rolle in der Behörde gehabt und gesellschaftliche Beziehungen zu Repräsentanten der Ölindustrie pflegen müssen, um Einsicht in den Markt zu erhalten, zitiert die "Washington Post" aus dem Bericht. Bei den Repräsentanten der Ölindustrie, die in den Fall verwickelt sind, handele es sich um Angestellte der Firmen Shell, Chevron, Hess und Gary-Williams Energy Co.

In dem Bericht heißt es weiter, es habe sich bei Geschenken an die Beschuldigten zwar in vielen Fällen nur um Dinge von relativ geringerem Wert gehandelt, dennoch sei die Häufigkeit frappierend. Allein zwei der Mitarbeiter hätten in mindestens 135 Fällen Geschenke von vier Firmen erhalten, mit denen sie Geschäfte unterhielten.

Das Fazit des staatlichen Untersuchungsberichts ist bitter: In der Behörde habe eine "Kultur des Drogenmissbrauchs und der Promiskuität" geherrscht.

amz/dpa



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