Präsident im Umfragetief: Hollande ist nun unbeliebter als Sarkozy

François Hollande: Laut einer monatlichen Umfrage extrem unbeliebt Zur Großansicht
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François Hollande: Laut einer monatlichen Umfrage extrem unbeliebt

Wer schätzt François Hollande als Präsidenten? Laut einer Umfrage sind nur zwei Prozent der Franzosen sehr zufrieden mit ihrem Staatsoberhaupt. In Paris demonstrieren Zehntausende gegen die Gleichstellung homosexueller Paare, für die sich der Sozialist von Anfang an stark gemacht hat.

Paris - Frankreichs Präsident François Hollande ist auf dem Weg, noch unbeliebter zu werden als sein konservativer Vorgänger Nicolas Sarkozy.

Laut einer aktuellen Umfrage sind drei von vier Franzosen nicht überzeugt von ihrem aktuellen Präsidenten Hollande. In der am Sonntag veröffentlichten Umfrage des Instituts Ifop äußerten sich 74 Prozent enttäuscht von dem Sozialisten.

Dies sei der schlechteste Wert, der seit Beginn der monatlichen Befragungsreihe zum Start der V. Republik im Jahr 1958 registriert worden sei, berichtete die Tageszeitung "Journal du Dimanche". Nur zwei Prozent der Befragten waren mit Hollande als Präsident "sehr zufrieden", 23 Prozent immerhin "eher zufrieden". Lediglich ein Prozent hatte keine Meinung.

Den Negativrekord hatte bislang Sarkozy gehalten. Mit ihm als Präsidenten waren 72 Prozent bei einer Befragung im April 2011 unzufrieden. Sarkozys Vorgänger Jacques Chirac hatten im Juni 2006 immerhin 70 Prozent ein schlechtes Zeugins ausgestellt.

Hollande steht vor allem wegen miserabler Wirtschaftsdaten und steigender Arbeitslosenzahlen unter Druck. Hinzu kommt der Schwarzgeldkonten-Skandal um den zurückgetretenen Budgetminister Jérôme Cahuzac. Er hat eine Krise des Vertrauens in der französischen Politik ausgelöst.

"Hollande, wir wollen dein Gesetz nicht"

Konservative Franzosen nehmen dem Präsidenten zudem sein Wahlversprechen von 2011 übel, schwulen und lesbischen Paaren den Weg zur Ehe zu ebnen. "Hollande, wir wollen dein Gesetz nicht", riefen Gegner der Homo-Ehe bei einer Demonstration am Sonntag in Paris. Zehntausende Menschen zogen bei dem Protestmarsch durch die Straßen der Hauptstadt. Die Veranstalter rechneten am frühen Nachmittag mit 30.000 bis 50.000 Teilnehmern.

Zu einer Gegendemonstration unter dem Motto "Für Gleichheit und gegen Homophobie" kamen deutlich weniger Menschen.

In zwei Tagen soll das entsprechende Gesetz definitiv vom Parlament verabschiedet werden.

wbr/dpa/AFP

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1. Linke Sozialfantasten
magoan 21.04.2013
Ich glaub der Steinbrück oder noch besser der Gabriel hätten nach gewonnener Wahl das gleiche Problem. "Nicht an ihren Worten, sondern an ihren Taten sollt ihr sie erkennen" Der Schröder wusste das bereits damals und die Merkel konnte da mit guten Wirtschaftsdaten absahnen
2. Vive la France!
andramoiennepe 21.04.2013
In rankreich schwächelt die Wirtschaft, leider. Aber bei den politischen Themen haben die Franzosen (= die Mehrheit) wohl den besseren Durchblick als die Deutschen (= die Mehrheit).
3. Gelbe Karte für Hollande
seine-et-marnais 21.04.2013
Die gelbe Karte zeigen die Franzosen Hollande aus verschiedenen Gründen. Frankreich erreicht nie gehabte Spitzenwerte bei Arbeitslosigkeit, Abgaben an den Staat, Staatsverschuldung. Die Wortspielereien dass man sich daran hält keine Steuern (impôts) zu erhöhen, aber das Ganze dann ausgleicht dass man Abgaben (taxes) erhöht fängt auch nicht mehr. Alle Ampelsignale wirtschaftlich und sozial stehen auf tiefrot. Was nun die Demonstrationen gegen die Gleichstellung homosexueller Paare betrifft, so hat Hollande eine Riesendummheit gemacht. Er hat sich am Anfang von den Befürwortern dazu drängen lassen, Ehe + Adoption + medizinische Zeugung auf einen Schwung gesetzlich durchbringen zu wollen. Zwischenzeitlich hat man die Frage der Legalität der meizinischen Zeugung auf später verlagert, aber das Unglück ist geschehen. Es sieht so aus in Frankreich, eine knappe Mehrheit ist für die Gleichstellung der Ehe, aber auch eine knappe Mehrheit ist gegen die Adoption für homosexuelle Paare. Nun wird aber durch die Gleichstellung bei der Ehe gleichzeitig implizit die Frage der Adoption und auch die Frage der medizinischen Zeugung entschieden. Deshalb die Demonstrationen gegen die Ehe. Ich persönlich halte es für ausgesprochen gefährlich dass da das 'Recht' auf Kinder festgeschrieben wird. Da werden dann rechtlich einwandfrei Kinder gezeugt indem man Spermen und Eier aussucht und anschliessend kann dann eine Leihmutter das Kind austragen. Was ist mit dem Recht der Kinder, und diese Frage stellt sich für sehr viele adoptierte Kinder, die biologischen Eltern kennenzulernen. Was ist wenn das so gezeugte Kind nicht gefällt? Die PS-Politiker und die engagierten von der LGTB (Lesben, Schwulen, Bi und Transen) machen es sich da zu einfach jede Kritik als homophob abzustempeln. Es ist teilweise unerträglich wie in den Medien dieses Problem abgehandelt wird. Da wird jeder Kompromiss ausgeschlossen. Die Proteste bekommen eine vielseitige Bedeutung, vor allem nachdem man jetzt im Schnelldurchgang das Gesetz durchpauken will, - die UMP ist aufgesprungen da ein grosses Protestpotential besteht, es gab diese Woche den Beginn einer Schlägerei im Parlament - die Demonstrationen sind für die 'Rechten' ein Ausdruck auch allgemeingegen die Regierung Ayrault zu demonstrieren, da zwar Arbeitslosigkeit und Massenverschuldung Rekorde schlagen, aber anscheinend es wichtiger ist sich mit 'Ehe für alle' auseinanderzusetzen - die Demonstrationen sind auch ein Punkt für rechtsextreme Gruppen geworden, diese Woche gab es allabendlich Auseinandersetzungen in Paris, bisweilen auch in der Provinz. Hollande wird so schlecht beurteilt weil er vor allem in einem Punkt versagt hat, statt in einer schweren Krise die Franzosen zu einigen, statt die wirtschaftlichen Probleme anzugehen, macht er sozietalen Schnickschnack. Wozu soll das gut sein? Interessant wird es im Mai, da gehen zur gleichen Zeit die Rechten mit der Manifestation für Alle und die Linken mit ihrer Forderung nach eine neuen Republik in Paris auf die Strasse. Die parlamentarische Mehrheit haben die Sozialisten, das reicht wohl trotz vorauszusehender Verluste bei Nachwahlen um noch einige Zeit zu regieren. Nur was kommt dann?
4. Das mit Merkel klappt nicht
pensatore libero 21.04.2013
Zitat von sysopWer schätzt François Hollande als Präsidenten? Laut einer Umfrage sind nur zwei Prozent der Franzosen sehr zufrieden mit ihrem Staatsoberhaupt. In Paris demonstrieren Zehntausende gegen die Gleichstellung homosexueller Paare, für die sich der Sozialist von Anfang an stark gemacht hat. http://www.spiegel.de/politik/ausland /unzufriedene-franzosen-praesident-fran-ois-hollande-im-rekordtief-a-895655.html
Immerhin glauben die Franzosen ihrem Hollande nicht, dass Angela Merkel mit ihrer Austeritätspolitik an den schlechten französischen Wirtschaftsdaten schuld ist. Das hat der Präsident in der letzten Zeit wiederholt behauptet und deutsche Solidarität eingefordert. Die Kommentare zu diesen Äußerungen in Le Figaro zu lesen war ein exquisites Vergnügen. Leider gibt es aber zu viele Deutsche, vor allem deutsche Politiker wie Steinbrück und Trittin, die Hollande beispringen. Sie können es gar nicht erwarten, Eurobonds einzuführen, um die französische Wirtschaft und ihren Gesinnungsgenossen zu retten.
5. Dauerdiffamierung
lindejung 21.04.2013
Zitat von sysopWer schätzt François Hollande als Präsidenten? Laut einer Umfrage sind nur zwei Prozent der Franzosen sehr zufrieden mit ihrem Staatsoberhaupt. In Paris demonstrieren Zehntausende gegen die Gleichstellung homosexueller Paare, für die sich der Sozialist von Anfang an stark gemacht hat. Unzufriedene Franzosen: Präsident François Hollande im Rekordtief - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/unzufriedene-franzosen-praesident-fran-ois-hollande-im-rekordtief-a-895655.html)
eines Demokraten, der nach Alternativen zum primitiven neoliberalen Weg sucht.
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