Uran-Streit Iran will Touristen in Atomanlagen lassen

Es ist eine neue Provokation von Mahmud Ahmadinedschad im Streit um das iranische Uranprogramm: Auf Anweisung des iranischen Präsidenten will das Land seine Atomanlagen für ausländische Touristen öffnen.


Teheran - Das staatliche iranische Fernsehen berichtete heute, auf diese Weise wolle Mahmud Ahmadindeschad beweisen, dass das Atomprogramm friedlichen Zwecken und ausschließlich der Energiegewinnung diene. "Ausländische Touristen können die iranischen Atomanlagen besichtigen", hieß es in der Erklärung.

Weitere Einzelheiten wurden nicht genannt. Einen Tag zuvor hatte das iranische Parlament einen Gesetzentwurf debattiert, nach dem allen US-Bürgern bei der Einreise die Fingerabdrücke abgenommen werden sollen.

Die USA haben unterdessen die europäischen Vermittler aufgefordert, nur noch bis zum Ende dieser Woche mit Iran zu verhandeln. "An einem bestimmten Punkt muss ein Schlussstrich gezogen werde. Die Antwort Irans sollte am Ende der Woche da sein", sagte US-Vizeaußenminister Nicolas Burns am Dienstag (Ortszeit) in Washington.

Trotz der Drohung mit Sanktionen ist Teheran bisher nicht bereit, auf die Anreicherung von Uran zu verzichten. Gespräche zwischen dem als Verhandlungsführer eingesetzten EU-Außenbeauftragten Javier Solana und dem iranischen Atom-Unterhändler Ali Laridschani über einen Kompromiss blieben bisher erfolglos.

Solana führt die Verhandlungen im Namen der fünf Uno-Sicherheitsratsmitglieder und Deutschlands mit Teheran. Auch er hatte am Montag davor gewarnt, die Verhandlungen in die Länge zu ziehen. Die Zeit für Gespräche über das iranische Atomprogramm sei nicht unbegrenzt.

Iran hatte am 31. August ein Uno-Ultimatum zum Stopp der Anreicherung verstreichen lassen. Auch auf ein von den fünf ständigen Mitgliedern des Sicherheitsrats und Deutschland vorgelegtes Anreizpaket ist das Land nicht eingegangen. Hochangereichertes Uran kann auch für den Bau von Atomwaffen verwenden werden. Zahlreiche westliche Staaten beschuldigen die Regierung in Teheran, heimlich an dem Bau einer Atomwaffe zu arbeiten.

hen/AP/AFP



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