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Urananreicherung: Ahmadinedschad deckt sich mit 6000 Super-Zentrifugen ein

Iran lässt sich von den angedrohten Sanktionen des Uno-Sicherheitsrats nicht beeindrucken: Präsident Ahmadinedschad kündigte an, Tausende moderne Zentrifugen zur Urananreicherung in Betrieb zu nehmen. Damit kann das Land sein Nuklearprogramm deutlich beschleunigen.

Teheran - Pünktlich zum "Nationalen Tag der Atomtechnik" beginnt der Iran mit der Montage von 6000 modernen Zentrifugen. Die Maschinen würden in der Uran-Anreicherungsanlage Natans installiert, kündigte Präsident Mahmud Ahmadinedschad nach einer Meldung des staatlichen Rundfunks an diesem Dienstag an. Im Laufe des Tages wolle der Präsident weitere Details bekanntgeben, hieß es.

Ahmadinedschad: Neue Modelle, dreifaches Tempo
AFP

Ahmadinedschad: Neue Modelle, dreifaches Tempo

Auf den Tag genau vor einem Jahr hatte Präsident Ahmadinedschad verkündet, sein Land habe mit der Urananreicherung in industriellem Maßstab begonnen. Seinerzeit ging es um 3000 Zentrifugen eines veralteten Typs. Allerdings ist bis heute unklar, wie verlässlich die Islamische Republik die empfindlichen Geräte betreiben kann.

Mit den neueren Modellen könnte Iran zwei- bis dreimal so schnell Uran anreichern als bisher angenommen. Beobachter befürchten seit längerem, Iran wolle seinen Bestand an veralteten Zentrifugen mit modernen Modellen ersetzen. Der Präsident hatte bereits 2006 erklärt, sein Land forsche an der Entwicklung leistungsfähigerer Zentrifugen.

Mit den Zentrifugen lässt sich Uran so anreichern, dass es zur Herstellung von Brennstäben für Kernkraftwerke verwendet werden kann. Bei einer höheren Anreicherung könnte das Uran auch zum Bau von Atomwaffen genutzt werden. Der Iran strebt nach eigenen Angaben eine Urananreicherung in großem Stil an, bei der insgesamt 54.000 Zentrifugen zum Einsatz kommen sollen.

Die Anreicherungstechnik steht im Zentrum des Atomstreits mit dem Westen: Iran steht im Verdacht, es strebe entgegen seiner wiederholten Erklärungen nicht nur nach zivil genutzter Atomenergie, sondern auch nach Nuklearwaffen.

Anfang März hatte der Weltsicherheitsrat schärfere Sanktionen gegen das Land beschlossen. Die Resolution sieht unter anderem weitere Reisebeschränkungen gegen iranische Atomwissenschaftler, aber auch wirtschaftliche Sanktionen vor. Iran machte jedoch schnell deutlich, sich durch den Beschluss nicht beeinflussen zu lassen und kündigte an, sein Atomprogramm fortsetzen zu wollen.

Der Uno-Sicherheitsrat hat in den letzten Jahren insgesamt drei Resolutionen angenommen. Teheran lehnt die Resolutionen ab und bezeichnet diese als rechtswidrig. Die fünf Vetomächte im Sicherheitsrat und Deutschland werden sich voraussichtlich Mitte April zu neuen Gesprächen über weitere Sanktionen gegen Iran treffen. Dies sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, am Montag in Washington.

Uran und Atomwaffen
Uran
Uran eignet sich sowohl für die Energiegewinnung als auch für den Einsatz in Atomwaffen. Entscheidend ist der Grad der Anreicherung. Der Ausgangsstoff Uranerz besteht zu rund 99,3 Prozent aus Uran 238; das spaltbare Uran 235 macht nur etwa 0,7 Prozent aus. Für die Nutzung in Kernreaktoren muss der Anteil von Uran 235 auf drei bis fünf Prozent gesteigert werden, für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 85 Prozent notwendig.
Anreicherung
Uranerz wird nach dem Abbau zunächst zu einem gelblichen Pulver verarbeitet, dem sogenannten Yellowcake. Es dient zur Herstellung von Brennelementen für Reaktoren, kann aber zwecks Anreicherung auch in Uran-Hexafluorid (UF6) umgewandelt werden, das bis 56 Grad Celsius in kristalliner Form vorliegt und darüber gasförmig ist.

Die meisten Anreicherungsanlagen weltweit basieren auf der Gasdiffusion: Gasförmiges Uran-Hexafluorid wird durch halbdurchlässige Membrane gepresst, wobei sich das Uran 235 vom Rest trennt. Das Verfahren gilt inzwischen jedoch aufgrund seines hohen Energiebedarfs als veraltet.

Eine modernere Methode ist die Gaszentrifuge, an der auch in Iran experimentiert wird. Bei ihr macht man sich den Massenunterschied zwischen beiden Uran-Isotopen zunutze: Wird Uran-Hexafluorid in die Zentrifugen gegeben, sammeln sich die schwereren Uran-238-Moleküle bei bis zu 70.000 Umdrehungen pro Minute außen in den Zylindern, die Uran-235-Moleküle bleiben innen.
Einsatz in Atomwaffen
Für den Einsatz in Kernreaktoren genügt es bereits, wenn Uran 235 zu drei bis fünf Prozent in den Brennelementen angereichert ist. Ab 20 Prozent ist von hochangereichertem Uran die Rede. Für eine Atombombe ist ein Anreicherungsgrad von mindestens 80 Prozent erforderlich, da sonst eine zu große Uranmenge notwendig wäre.

Uran 235 kam in der ersten jemals eingesetzten Atombombe, die am 6. August 1945 Hiroshima zerstörte, als Sprengstoff zum Einsatz. Die Sprengkraft lag bei rund 13 Kilotonnen TNT. Die Bombe, die drei Tage später auf Nagasaki abgeworfen wurde, erreichte 20 Kilotonnen TNT. In ihr kam allerdings nicht Uran zum Einsatz, sondern Plutonium 239, das per Neutronenbeschuss in Brutreaktoren aus Uran 238 gewonnen wird.

amz/Reuters

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