Von der Leyen in Litauen Pannen-Airbus stört Soli-Show

1000 Nato-Soldaten sollen in Litauen stationiert werden, weiter östlich stehen angeblich 350.000 Russen. Umso wichtiger war es Ursula von der Leyen, bei ihrem Besuch ein Zeichen der Stärke zu setzen. Daraus wurde nichts - wegen Airbus.

Von der Leyen mit der litauischen Präsidentin Dalia Grybauskaite
AP

Von der Leyen mit der litauischen Präsidentin Dalia Grybauskaite

Aus Rukla, Litauen, berichtet


Die Russen, so viel ist sicher, müssen nicht zittern. Nicht an diesem Tag. Das liegt zum einen daran, dass sie nicht eingeladen wurden, obwohl sie in Wahrheit im Mittelpunkt stehen. Und so bleibt ihnen das Schicksal der Nato-Generäle erspart, die an diesem Wintervormittag mit blauen Lippen bewegungslos auf einer kleinen Bühne stehen müssen, während ihnen der Frost unter die dicken Uniformjacken kriecht. Selten hat sich Kalter Krieg so eisig angefühlt wie auf dem Exerzierplatz der Kaserne von Rukla in Litauen. Das Thermometer zeigt minus zehn.

Zum anderen müssten die Russen schon sehr von ihrer eigenen Propaganda überzeugt sein, wenn ihnen diese Armee das große Zittern einjagen sollte. Am Morgen ist die deutsche Verteidigungsministerin mit einer großen Delegation aus Berlin eingeschwebt. Zum ersten Mal in ihren Leben mit dem neuen Wundervogel der Bundeswehr, dem Transportflieger A 400 M. Ursula von der Leyen hat das bisher vermieden, weil das Spitzenprodukt europäischer Wehrtechnik alles Mögliche kann. Fliegen gehört offenbar nur selten dazu.

Doch an diesem Tag hat sich die Ministerin vorgewagt. Mit verhaltenem Besitzerstolz inspiziert sie am Morgen den neuen Airbus. Schmuck sieht er aus, und oben im supermodernen Cockpit ist viel Platz. Die riesigen Triebwerke heulen auf und ziehen die schwere Maschine steil nach oben. Tatsache - er fliegt, der A 400 M. Allerdings nur hin.

Ursula von der Leyen vor Pannen-Airbus A 400 M
DPA

Ursula von der Leyen vor Pannen-Airbus A 400 M

Airbus mit Triebwerkschaden

Am Nachmittag steht auf dem Flugplatz von Kaunas ein verdächtiger kleiner, hässlicher Oldtimer neben dem frisch ausgelieferten Airbus. Mit ausgebreiteten Armen und spöttischem Lächeln muss die Ministerin vor ihre Delegation treten und beichten. Triebwerkschaden. Leider müsse man mit einer Transall zurückfliegen. Dieser Flugzeugtyp ist seit 1963 im Dienst. Und zuverlässig.

Die "Pfütze im Cockpit des A 400 M" ist bei von der Leyens Leuten schon sprichwörtlich für die Art von Pannengeschichten aus der trostlosen Welt der Wehrbeschaffung, die immer wieder die Botschaften überlagern, die die Ministerin selbst setzen will.

Dabei fing der Tag gar nicht so schlecht an. Auf dem Exerzierplatz von Rukla stand von der Leyen neben Dalia Grybauskaite, als die litauische Staatspräsidentin die ersten Soldaten der multinationalen "Battlegroup Litauen" begrüßte, darunter Belgier, Norweger, Niederländer und 150 Deutsche.

Für Grybauskaite ist die Stationierung ein großer Erfolg. Seit Jahren warnt die Trägerin des schwarzen Karategürtels die Nato vor der aggressiven Expansionspolitik des russischen Präsidenten. Nach Putins Einmarsch auf der Krim klingt sie nicht mehr wie eine Kassandra, die niemand hören will. Auf dem Nato-Gipfel in Warschau im vergangenen Sommer beschloss das westliche Militärbündnis, jeweils einen Gefechtsverband von etwa tausend Soldaten in die drei Baltenrepubliken und nach Polen zu schicken. In Litauen haben die Deutschen die Führung übernommen.

1000 Nato-Soldaten und 350.000 Russen

Niemand, auch die Litauer nicht, macht sich Illusionen, dass tausend Nato-Soldaten einen russischen Großangriff stoppen könnten. Nach westlichen Schätzungen haben die Russen in ihren westlichen Militärbezirken bis zu 350.000 Mann stationiert. Die Nato-Verbände sind ein politisches Symbol. Wer die Balten-Republiken angreift, das ist die Botschaft, hat das gesamte Bündnis gegen sich.

"Litauen wird nie wieder allein dastehen", versprich von der Leyen in Rukla. Und erinnert an die deutsche Aggression gegen Litauen im Zweiten Weltkrieg. Der Einsatz der Bundeswehr könne dazu beitragen, "auch ein neues Stück Geschichte zwischen unseren Ländern zu schreiben", sagt sie.

Eine schöne Botschaft, aber zum Kummer der Ministerin eben nicht so schön wie Hydraulikprobleme im linken Triebwerk des A 400 M. Abends, auf dem Rückflug im Oldtimer nach Berlin, üben sich von der Leyens Leute im Positiv-Denken. Denn es gibt einen, den die Panne auf jeden Fall härter trifft als die Ministerin. Das ist Airbus.



insgesamt 4 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
amwald 07.02.2017
1. Himmelherrgott, es wird da doch wohl noch irgendwo
ein paar Ju 52 geben, das einzige womit man die Ivans wirklich schrecken könnte.
gammoncrack 07.02.2017
2. Da bleibt einem echt die Spucke weg.
Das ist für Airbus ja wirklich eine Katastrophe, wie die sich ja wohl inzwischen weltweit blamieren... mit Ihrem Airbus A 400 M. Ich bin früher häufiger mit der C-130 geflogen. Ich glaube, ich würde mich immer noch lieber mit dieser irgendwohin fliegen lassen als von diesem Airbus-Debakel.
pacificwanderer 07.02.2017
3. Es wird einen Sturm im Wasserglas geben
und wenn sich das Blubber gelegt hat richtet vdL eine neue Gleichstellungs- oder Genderoffensive ein. Das ist viel einfacher als gegen Airbus zu handeln oder das AAIINBw auf Trab zu bringen.
gutmichl 07.02.2017
4. A400M ist ein Beispiel für Europa
Hätte man den A400M den fähigsten Ländern gegeben, wäre heute ein Top Flugzeug zu sehen. Tatsächlich musste nach einem Verteilungsschlüssel jedes Land bedacht werden, so dass am Ende das herauskam, was heute kritisiert wird. Es gibt durchaus Gründe, warum Frankreich's Jet Jahrzehnte vor dem Eurofighter in die Luft ging und warum die USA bei Militärflugzeugbau uneinholbar vorne liegen. Ein schönes Beispiel für die Ineffizienz der EU-Aufgabenteilung.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.