Von der Leyen in Washington Hoffen auf "Mad Dog" Mattis

Als erste europäische Verteidigungsministerin trifft Ursula von der Leyen den neuen Pentagon-Chef James Mattis. Der ist überraschend vernünftig - aber kann er sich gegen Donald Trump durchsetzen?

Thomas Imo/ Photothek.Net/ DPA

Aus Washington berichtet


Auf den Stufen des Pentagon in Washington steht ein kleiner Mann im Nadelstreifenanzug und kneift die Augen zusammen. Die Wintersonne scheint auf sein hartes Soldatengesicht, auf die scharfe Nase, die riesigen Ohren. James Mattis - Spitzname "Mad Dog" - lässt sich die Haare so kurz schneiden wie damals bei den Marines, als er noch die Generalsuniform trug. Jetzt ist er Verteidigungsminister, aber ihm fehlt die Glätte des Politprofis. Die Ehrengarde ist angetreten, Mattis gibt sich einen Ruck, dann geht er steif die Treppe runter und schüttelt Ursula von der Leyen die Hand.

Es ist Freitag, die deutsche Verteidigungsministerin ist in der Nacht aus Deutschland angereist. Als erste Europäerin hat sie beim neuen Pentagon-Chef einen Termin bekommen. Für sie ist das ein kleiner Triumph. Mit ihrer Mattis-Premiere hat sie ihren britischen Amtskollegen überholt, der auch gern erster gewesen wäre.

Der pensionierte General ist noch keine drei Wochen im Amt, aber schon ist er einer der begehrtesten Gesprächspartner der Hauptstadt. Das hat einen Grund: Während der neue Präsident Donald Trump Tag für Tag langjährige Verbündete vor den Kopf stößt, versucht Mattis, die Nerven der Partner wieder zu beruhigen.

Kann sich Mattis durchsetzen?

Er kommt kaum hinterher. Vor einer Woche erst war er in Seoul, um die Südkoreaner zu besänftigen. Auf die Amerikaner sei Verlass, versicherte Mattis seinen Gastgebern. Und ja, man werde gegenüber Nordkorea hart bleiben. Es waren Selbstverständlichkeiten, die der neue Pentagon-Chef verkündete, aber was ist schon selbstverständlich in diesen Tagen in Washington?

In Tokio beteuerte er, man werde an dem gegenseitigen Verteidigungsbündnis nicht rütteln und Japan im Territorialstreit mit China nicht allein lassen. Während die Ideologen im Weißen Haus schon von einem kommenden Krieg mit China fantasierten, versicherte Trumps Verteidigungsminister, militärische Aktionen seien nicht nötig. Und: Nach der spektakulären Auseinandersetzung zwischen dem US-Präsidenten und Mexikos Staatsoberhaupt versuchte Mattis, auch mit den Mexikanern wieder ins Gespräch zu kommen.

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Besuch in den USA: Von der Leyen trifft James "Mad Dog" Mattis

Die Auftritte des US-Verteidigungsministers werden weltweit aufmerksam analysiert. Geben sie Hinweise, wie sich die neue Administration am Ende verhalten wird? Wird Trump seine Wahlkampfankündigungen wahr machen und das bisherige Bündnissystem der Amerikaner in Trümmer legen? Oder werden sich die Gemäßigten durchsetzen, Männer wie Mattis oder der neue Außenminister Rex Tillerson, die sich im traditionellen Mainstream der republikanischen Außenpolitik bewegen?

Mattis will mehr Ausgaben der Deutschen

So viel steht nach dem Treffen mit von der Leyen fest: Würde die gesamte Trump-Administration ticken wie Mattis, hätten die Deutschen kein Problem. Das Gespräch ist auf eine halbe Stunde angesetzt, dauert dann aber fast doppelt so lang. Mattis ist gut vorbereitet, er ist ein alter Nato-Mann, hat jahrelang in wichtigen Führungspositionen beim westlichen Bündnis gearbeitet. Ihm muss man die Vorzüge der Nato nicht erklären. Im Gegensatz zu seinem Chef, der den Nordatlantikpakt für "obsolet" hält.

Mattis drängt darauf, dass Berlin mehr leistet. Es gebe eine gewisse Ungeduld mit den Deutschen. Zwei Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung sollen die Mitgliedstaaten für Verteidigung ausgeben. Deutschland liegt mit etwa 1,2 Prozent weit darunter, selbst wenn es seinen Wehretat in diesem Jahr um immerhin acht Prozent auf 37 Milliarden Euro erhöht hat. Zwei Prozent aber würden über 60 Milliarden bedeuten - im Moment eine völlig utopische Summe.

Die Deutschen verweisen darauf, dass sie dafür ihre militärischen Fähigkeiten im Gegensatz zu vielen Partnerländern komplett der Nato zur Verfügung stellen und außerdem viele Führungsfunktionen im Bündnis übernehmen. Mattis scheint das anzuerkennen. Der Minister und die deutsche Ministerin sind sich in vielen Punkten einig. Dass in Afghanistan die Truppenstärke eher erhöht als abgesenkt werden soll. Dass man gegenüber Russland darauf pochen soll, dass internationales Recht eingehalten wird. Dass man in Syrien ohne die Russen keine Fortschritte machen wird.

Mattis und von der Leyen vereinbaren, dass sie einen regelmäßigen "strategischen Dialog" führen werden. In der kommenden Woche sehen sie sich schon wieder, zuerst beim Brüsseler Gipfel der Nato-Verteidigungsminister, danach eröffnen sie gemeinsam die Münchner Sicherheitskonferenz.

Mattis sei der ruhige Fels in der Brandung, sagt ein Mann aus von der Leyens Team. Die Deutschen sind fast ein wenig verliebt in ihren neuen Kontakt. Wohl auch, weil Trump die Maßstäbe in den letzten Wochen so erschreckend abgesenkt hat. Setzt sich Mattis am Ende gegen den Präsidenten durch und wird zusammen mit Tillerson zum neuen außenpolitischen Gravitationszentrum, wäre das gut für die USA und gut für Europa, glaubt man im Verteidigungsministerium.

Und wenn nicht? Dann würden Albträume wahr.



insgesamt 21 Beiträge
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Seite 1
heldi 11.02.2017
1.
...zur Vefügung stellen" ! Ja bitte, welche "Fähigkeiten" denn? 3/4 Transportflugzeugen kaput, marode Panzer, unbrauchbare Aufklärer, unbrauchbare Helikopter, heisslaufende Sturmgewehre, veraltete Fregaten, und und und Auf solche Partner kann man sich verlassen !
winzinger.michael 11.02.2017
2. Vereinbarungen halten -
und Albträume vermeiden. Wenn die BRD 60 Milliarden Investition ins Militär ZUSAGT dann sollte sie sich daran halten. Sonst braucht man sich nicht wundern über Werteverlust und Vertrauensbruch
simcoe 11.02.2017
3. Mehr Ausgaben für Verteidigung
ist schon richtig. Dass es jetzt nur 1.2% sind, das ist immerhin deutlich mehr als früher. 2% ist sehr viel, aber wenn man die Verträge so gemacht hat, dann muss man sich daran halten. Nur sollten dann die gekauften Flugzeuge (Transporter, Eurofighter) auch funktionieren. Ein paar mehr Soldaten, moderne Ausrüstung, funktionierende Geräte, ein paar Panzer mehr, Cyper-Einheiten und noch ein Flugzeugträger (dass man nicht mehr die Türkei braucht als Standort) würde Deutschland gut stehen, vor allem um der freiheitlichen und friedlichen Weltpolitik im Erstfall auch gegen Diktaoren mehr Nachdruck verleihen zu können. So würde ich mir unsere Verteidigungspolitik und Rolle in der Nato vorstellen und so wäre es auch richtig und letztendlich ist es auch das, was die USA von Deutschland zurecht verlangt.
gammoncrack 11.02.2017
4. Ich glaube schon,
dass UvdL eine der besseren Verteidigungsminister(innen) ist. Aber, spricht man einmal mit altgedienten Führungskräften der BW, dann ist der Frust schon ganz erheblich. Dabei geht es nicht um "Befehl und Gehorsam" sondern um den Zustand allgemein. Beispiele hierzu gibt es zu Genüge, die auch ein Forist schon aufgeführt hat. Man stelle sich einmal einen Kommandeur einer Panzereinheit vor, bei dem nur 20% der Panzer einsatzfähig sind. Das motiviert!! Dass den Amerikanern hier jegliche Begeisterung abhanden gekommen ist, ist sehr nachvollziehbar. Da kann man sogar einen Herrn Trump verstehen, wenn er das Engagement der USA in die NATO ein Frage stellt. Um hier eine Änderung der Denkweise herbeizuführen, sind schon, insbesondere finanzielle, Anstrengungen erforderlich. Man darf durchaus gespannt sein, ob der Druck der Amerikaner dazu führt, dass dem finanziellen Bedarf der BW Rechnung getragen wird.
scratchpatch 11.02.2017
5. Mattis auf dem Schleudersitz
Kann sich Mattis durchsetzen? Einen Hinweis gibt Trumps Weigerung, Elliott Abrams als Vize-Außenminister zu akzeptieren, obwohl ihn Außenminister Tillerson vorgeschlagen hat. Einziger Grund: Abrams hat Trump im Wahlkampf nicht unterstützt. Tillerson und Mattis werden also Pirouetten drehen müssen, um Trumps Eitelkeit gerecht zu werden, seinem Bedürfnis nach persönlicher Loyalität und gleichzeitig ihre Bemühungen voran zu bringen, die Bündnispartner nicht vor den Kopf zu stoßen und die Nato zu erhalten. So einen Job können wohl nur Leute mit sehr dickem Fell, stur wie Ochsen oder sehr viel Ehrgeiz machen. Viel Spaß damit.
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