WikiLeaks-Informant: US-Gericht verurteilt Bradley Manning wegen Spionage

AP/dpa

Ein US-Militärgericht hat den WikiLeaks-Informanten Bradley Manning in 20 von 22 Anklagepunkten schuldig gesprochen. Den schwerwiegendsten Vorwurf der Feindesunterstützung ließ das Gericht jedoch fallen.

Fort Meade - Für Unterstützung des Feindes hätte Bradley Manning zum Tode verurteilt werden können: In diesem Anklagepunkt hat ein US-Militärgericht den WikiLeaks-Informanten jedoch freigesprochen. Dennoch lautete das Urteil: Schuldig, unter anderem der Spionage in sechs Fällen.

Darüber hinaus verurteilte Richterin Denise Lind den 25-jährigen Obergefreiten für fünffachen Diebstahl, Computerkriminalität und weitere militärische Regelverletzungen. Das Strafmaß steht noch nicht fest, die Beratungen darüber beginnen am Mittwoch. Es wird voraussichtlich im August verkündet. Feindesunterstützung hätte mit der Todesstrafe geahndet werden können. Die Staatsanwaltschaft hatte jedoch schon während des Prozesses darauf verzichtet, die Höchststrafe zu fordern. Manning drohen aber immer noch mehr als hundert Jahre Gefängnis.

Mannings Familie teilte in einem vom britischen "Guardian" veröffentlichten Schreiben mit: "Brad liebte sein Land und war stolz, dessen Uniform zu tragen." Der Schuldspruch sei enttäuschend, doch es sei erfreulich, dass Manning auch nach Auffassung des Gerichts den Feinden der USA niemals habe helfen wollen.

Das US-Militär hatte Manning im Mai 2010 verhaftet. Er hatte während seiner Stationierung im Irak seit November 2009 geheimes Videomaterial und interne Berichte von Militärrechnern heruntergeladen und an die Internet-Plattform WikiLeaks weitergegeben. Darunter befand sich ein Video, in dem das US-Militär aus einem Hubschrauber auf Zivilisten in Bagdad feuert. Darüber hinaus kamen über WikiLeaks mehr als 700.000 interne Protokolle der US-Armee ans Licht.

Bürgerrechtler kritisieren Schuldspruch

Im Verfahren hatte der Spezialist für nachrichtendienstliche Analyse die Weitergabe der Geheimdokumente eingeräumt. Diese stünden für "die unsichtbare Realität der Konflikte im Irak und in Afghanistan", sagte er. Er habe geglaubt, eine Debatte über "Außenpolitik und den Krieg allgemein" auslösen zu können.

Für die US-Regierung ist Manning damit ein Verräter, doch für seine Unterstützer weltweit wurde er zum Helden. Vor dem Gerichtsgebäude demonstrierten auch nach der Urteilsverkündung einige Dutzend Menschen für seine Freilassung.

Bürgerrechtler zeigten sich besorgt über den Schuldspruch. Die American Civil Liberties Union (ACLU) forderte, dass Whistleblower nicht als Spione verfolgt werden dürften. "Es sieht so aus, als wolle die Regierung jeden einschüchtern, der überlegt, künftig wertvolle Informationen zu enthüllen", sagte ACLU-Vertreter Ben Wizner. Man sei aber erleichtert, dass Manning vom schwerwiegendsten Vorwurf freigesprochen wurde.

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US-Soldat Bradley Manning: Urteil gegen WikiLeaks-Informant
Amnesty International kritisierte, dass Manning überhaupt wegen Unterstützung des Feindes angeklagt wurde. Es habe keine Hinweise gegeben, dass er den Vereinigten Staaten schaden wollte, sagte ein Sprecher der Menschenrechtsgruppe. Die US-Regierung weigere sich, Foltervorwürfen nachzugehen, aber verfolge jemanden, der versuche, das Richtige zu tun.

Mannings Verteidiger hatte die Tat als Aktion eines "jungen, naiven Mannes mit guten Absichten" dargestellt: Manning sei ein Idealist, der den USA nicht schaden wolle. Die Staatsanwaltschaft hatte dagegen gehalten: Manning sei ein Verräter aus Eitelkeit, "kein Whistleblower, sondern ein Verräter".

usp/Reuters/AP/AFP/dpa

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insgesamt 197 Beiträge
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1. "Unterstützung des Feindes"
abc-xyz 30.07.2013
Zitat von sysopEin US-Militärgericht hat Bradley Manning in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen. Den schwerwiegendsten Vorwurf der Feindesunterstützung ließ das Gericht jedoch fallen. Urteil gegen Bradley Manning: Gericht verurteilt WikiLeaks-Informant - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/urteil-gegen-bradley-manning-gericht-verurteilt-wikileaks-informant-a-913971.html)
Erst mal empfinde ich es positiv, dass der Anklagepunkt "Unterstützung des Feindes" fallen gelassen wurde. Man kann Brad Manning vieles vorwerfen, doch das wäre zu weit gegangen. Es war auch nicht er, die Namen der Personen ins Internet gestellt hat, sondern Wikileaks/Assange. Denen wiederum muss besonders dieser Punkt, der Menschenleben in beispielose Gefahr gebracht hat, hart angerechnet werden, sobald man diesen habhaft wird.
2.
Nightfall009 30.07.2013
Zitat von sysopEin US-Militärgericht hat Bradley Manning in mehreren Anklagepunkten schuldig gesprochen. Den schwerwiegendsten Vorwurf der Feindesunterstützung ließ das Gericht jedoch fallen.
Ich warte auch noch wann in Deutschland endlich die Durchsuchungen und Festnahmen im NSA-Spionageterror des US-Schurkenstaates beginnen. Diese feindlichen Spionen und ihre Handlanger sind schnellstens zu stoppen und vor Gericht zu stellen.
3. Faires Verfahren
ralfbraun 30.07.2013
Es zeigt sich, dass die von Ideologen geschürten Befürchtungen. Manning könne kein faires Verfahren bekommen, sich allesamt als unzutreffend erwiesen haben. Er ist nicht in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen worden. Wer Geheimnisverrat begeht, ist deshalb noch kein Whistleblower. Er hätte die Dinge, von den er persönlich annimmt, dass sie nicht in Ordnung sind, in einem geordneten Verfahren vorbringen müssen. Manning und Wikileaks haben einen unermesslichen Schaden angerichtet. Ein verblendeter Typ kann nicht bestimmen, was in die Öffentlichkeit soll und was nicht. Er wird jedenfalls die Öffentlichkeit vorerst nicht mehr behelligen.
4. Kein Mitleid
thomaswetzlar 30.07.2013
So undifferenziert wie Manning Staatsgeheimnisse weitergegeben hat, verbietet sich beinahe die Bezeichnung "Whistleblower". Ich stimme mit der US Regierung überein, dass es sich hier wohl eher um einen kleingeistigen, von Geltungssucht getriebenen Dummkopf handelt. So gesehen eignet er sich perfekt für ein Exempel. Bei einem Idealisten wie Edward Snowden dürfte diese Vorgehensweise wohl nicht funktionieren. Obwohl auch der - zumindest nach US Maßstäben und wohl auch in Bezug auf seinen Arbeitsvertrag - geltendes Recht verletzt hat.
5. armer kerl
shatreng 30.07.2013
Armer Kerl. Da versaut sich einer sein Leben, weil der die Wahrheit erzählt und aufzeigt wie pervers auch der Krieg von heute noch ist, und wird dafür dann weggesperrt. Und irgendwie kann man nichts tun.
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