Urteil gegen Nidal Hasan: Todesstrafe für Amokläufer von Fort Hood

Er hat auf dem US-Stützpunkt Fort Hood dreizehn Menschen getötet. Er wurde in allen Punkten schuldig gesprochen. Jetzt hat ein Militär-Gericht das Strafmaß verkündet - und die Todesstrafe gegen den früheren Armeepsychiater Nidal Hasan verhängt.

Washington - Es wäre das erste Mal seit 1961, dass ein aktiver US-Soldat hingerichtet wird. Nach seinem Amoklauf mit 13 Toten auf dem texanischen Stützpunkt Fort Hood vor vier Jahren ist der US-Militärpsychiater Nidal Hasan zum Tode verurteilt worden. Dafür habe sich die Militärjury nach relativ kurzer Beratung ausgesprochen, berichteten mehrere US-Medien am Mittwoch übereinstimmend.

Hasan war vor knapp zwei Wochen des 13-fachen vorsätzlichen Mordes und Mordversuchs in 32 Fällen schuldig gesprochen worden. Er hatte sich in dem Prozess selbst verteidigt, aber keine entlasteten Aussagen gemacht oder Zeugen aufgerufen. "Die Beweise werden eindeutig zeigen, dass ich der Schütze bin", hatte Hasan zu Prozessbeginn Anfang August erklärt. Der Armeepsychiater mit palästinensischen Wurzeln hatte nach eigenen Angaben auf seine Kameraden geschossen, weil diese in Afghanistan in einem "illegalen Krieg" gegen Muslime kämpfen würden.

Es geschah in einem Sanitätsgebäude von Fort Hood

Prozessbeobachter meinten, er habe seine Hinrichtung geradezu angestrebt. Seine ihm zur Seite gestellten Pflichtverteidiger versuchten deshalb zwischenzeitlich vergeblich, von dem Fall abgezogen zu werden.

Hasan stand wenige Wochen vor einer Entsendung nach Afghanistan, als er am frühen Nachmittag des 5. November 2009 das Feuer auf unbewaffnete Kameraden eröffnete. Das Massaker ereignete sich in einem Sanitätsgebäude von Fort Hood, in dem der Psychiater eingesetzt war. Augenzeugen sagten damals aus, der Major habe "Allahu akbar" (arabisch für "Gott ist größer") geschrien, bevor er mit einer halbautomatischen Pistole um sich geschossen habe. Polizisten erwiderten das Feuer und verletzten Hasan schwer, der seitdem querschnittsgelähmt ist.

Der Angriff in Fort Hood gilt als bisher schlimmster Zwischenfall auf einem Militärstützpunkt in den USA. Er erschütterte die US-Streitkräfte und löste eine Debatte über Extremisten in den eigenen Reihen aus.

Ursprünglich hatte der Prozess bereits im Sommer 2012 beginnen sollen, er verzögerte sich aber wegen eines bizarren Streits über den Bart des Angeklagten. Ein Richter hatte eine Zwangsrasur angeordnet, weil er in der Gesichtsbehaarung eine Missachtung des Gerichts und Verstöße gegen militärische Vorschriften sah. Hasan erklärte dagegen, sich den Vollbart als Ausdruck seines muslimischen Glaubens wachsen zu lassen. Schließlich durfte er nach einem Urteil eines Berufungsgerichts der US-Streitkräfte den Bart behalten, während der Richter wegen Befangenheit abgezogen wurde.

tok/dpa/Reuters/AFP

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insgesamt 33 Beiträge
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1. optional
stürmisch 28.08.2013
Tötet ein amerikanischer Soldat 16 Afghanen, so wird er zu lebenslanger Haft verurteilt. Tötet ein amerikanischer Soldat 13 Amerikaner, so wird er zum Tode verurteilt. Nicht, dass ich die Todesstrafe begrüßen würde, aber interessante Rechtsprechung. Ein Schelm...
2. Erstaunlich
darthmax 28.08.2013
wer so alles in den USA Offizier wird, sogar Stabsoffizier. Er war doch sogar Psychologe, schon wundersam welche instabilen Charaktere da Karriere machen.
3. War zu erwarten
einwerfer 28.08.2013
da er US-Amerikaner getötet hat und Muslim ist. Und die US-Soldaten, die aus einem Armeehubschrauber Jagd machten sind bisher nicht einmal angeklagt.
4. Habe
docinsantamonica 28.08.2013
Nur auf einen solchen beitrag gewartet !
5. Gefahrenabwehr
hansepapa 28.08.2013
De Luxe. Absurde shyce. Unmenschlich.
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