Gerichtshof für Menschenrechte: Hassprediger Hamza darf an USA ausgeliefert werden

Abu Hamza ist Großbritanniens bekanntester Islamist. Er wehrte sich gegen seine Auslieferung in die USA - und ist damit vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte gescheitert. Die britische Innenministerin kündigte an, Hamza werde "so schnell wie möglich" ausgeliefert.

Hassprediger Abu Hamza (Archivbild 2004): Auslieferung in die USA ist rechtens Zur Großansicht
AP

Hassprediger Abu Hamza (Archivbild 2004): Auslieferung in die USA ist rechtens

London - Großbritannien darf den radikalen Imam Abu Hamza und vier weitere Terrorverdächtige an die USA ausliefern. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte am Montag entschieden. Die Große Kammer bestätigte damit ein Urteil vom 10. April, wie das Straßburger Gericht mitteilte. Damals hatte die Kleine Kammer des Gerichts geurteilt, dass eine mögliche Strafe gegen Hamza und vier weitere mutmaßliche Terroristen in den USA "nicht grob unverhältnismäßig" ausfallen würde. Hamza legte Berufung gegen dieses Urteil ein und rief die Große Kammer als letztmögliche Instanz an.

Das Innenministerium in London begrüßte die Entscheidung der Großen Kammer. Hamza und die vier weiteren Verdächtigen würden nun "so schnell wie möglich" an die USA ausgeliefert, sagte die britische Innenministerin Theresa May. Der aus Ägypten stammende einäugige Imam, bei dem ein Haken eine fehlende Hand ersetzt, hatte in der Moschee von Finsbury Park im Norden von London gepredigt. In Großbritannien wurde er bereits im Februar 2006 wegen Aufrufs zu Rassenhass und Mordanschlägen zu sieben Jahren Haft verurteilt.

Die USA werfen Hamza vor, im Jahr 1998 an einer Geiselnahme im Jemen beteiligt gewesen zu sein. Außerdem werden ihm die Einrichtung eines Terrorcamps im US-Bundesstaat Oregon in den Jahren 1999 und 2000 sowie die Unterstützung terroristischer Anschläge in Afghanistan in den Jahren 1999 bis 2001 zur Last gelegt. Insgesamt liegen in den USA elf Anklagen gegen Hamza vor. Bei einer Verurteilung muss er mit lebenslanger Haft rechnen.

aar/AFP/dapd

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 82 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Aus die Maus
PeerVanDijck 24.09.2012
Gut, dass der Missbrausch des verhassten Rechtsstaats ein Ende hat. Mit der drohenden lebenslangen Haft kann Herr Hamza durchaus zufrieden sein. Ich vermute, die Sharia hätte da ein ganz anderes Strafmaß vorgesehen.
2. optional
Freddy 24.09.2012
Ausliefern,verurteilen, einsperren und dann den Schlüssel wegwerfen. Das ist die beste Methode mit Hasspredigern und Terroristen fertig zu werden. Abu Hamza kann nun bald ernten was er gesät hat wenn dies auch nicht in seinem Sinne erfolgt.
3. Verhasster Rechtsstaat?
widower+2 24.09.2012
Zitat von PeerVanDijckGut, dass der Missbrausch des verhassten Rechtsstaats ein Ende hat. Mit der drohenden lebenslangen Haft kann Herr Hamza durchaus zufrieden sein. Ich vermute, die Sharia hätte da ein ganz anderes Strafmaß vorgesehen.
Wenn Sie von Abu Hamza verhasst meinen, bin ich ganz bei Ihnen. Ich hoffe,Sie haben das so gemeint. Ansonsten wäre eine lebenslange Haftstrafe für diesen Typen nach unseren Maßstäben verhältnismäßig, nach seinen eigenen Maßstäben aber unverhältnismäßig, weil viel zu milde.
4. Eigenartig
wolfgang_schweiz 24.09.2012
Es gibt Menschen, die die europäischen Menschenrechte nicht anerkennen, die die Scharia weltweit einführen wollen und Menschenrechte für eine böse Erfindung des bösen Westens halten. Wie kann man sich da an den europäischen Gerichtshof wenden und von diesem auch noch Hilfe beanspruchen? Ehrenvoll, dass der sich die Zeit auch für so einen Fall nimmt. Nur: wer zahlt das? Sollte man nicht Saudi-Arabien um einen angemessen Beitrag an die Gerichtskosten bitten ? :-))
5. das ist schlimm
ykarsunke 24.09.2012
nicht, dass ich irgendwelche sympathien fuer herrn hamza hege, aber dass ihn der "Europäische Gerichtshof für Menschenrechte" auf direktem wege nach guantanamo ueberstellt, ist mit meinem rechtsverstaendnis unvereinbar. ich kann es nicht fassen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Politik
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Ausland
RSS
alles zum Thema Krieg gegen den Terror
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 82 Kommentare
  • Zur Startseite