Urteil: Moskauer Gericht spricht Pussy Riot schuldig
Ein Gericht in Moskau hat die Kreml-kritische Punk-Gruppe Pussy Riot schuldig gesprochen. Der Band wird Rowdytum aus "religiösem Hass" vorgeworfen. Vor dem Gericht gab es Tumulte, mehrere Demonstranten wurden festgenommen.
Moskau - Die drei Angeklagten verfolgten den Schuldspruch aus einem abgeschlossenen Glaskäfig im Moskauer Gerichtssaal: Wegen religiös motivierten Rowdytums wurden die Musikerinnen der russischen Punkband Pussy Riot schuldig gesprochen. Nadeschda Tolokonnikowa, Maria Alechina und Jekaterina Samuzewitsch hätten sich "Rowdytum" und "Anstiftung zum religiösen Hass" zuschulden kommen lassen, sagte Richterin Maria Syrowa. Das Strafmaß sollte später am Freitag bekannt gegeben werden. Die Staatsanwaltschaft hat drei Jahre Haft beantragt.
Die Richterin warf den Angeklagten vor, mit ihrem Protest in der Erlöserkathedrale in Moskau am 21. Februar die Gefühle der Gläubigen auf das Gröbste verletzt zu haben. Die drei Frauen hätten "keine Reue gezeigt", die "öffentliche Ordnung verletzt" und die "Gefühle der Gläubigen beleidigt", sagte die Richterin.
Pussy Riot hatten am 21. Februar in der wichtigsten Moskauer Kathedrale mit einem Punkgebet gegen die Rückkehr von Wladimir Putins in den Kreml sowie die enge Verzahnung von Staat und Kirche in Russland protestiert. Insgesamt hatten die Ermittler 3000 Seiten Unterlagen zu dem etwa einminütigen Gebet zusammengetragen.
Ein Gnadengesuch an Kreml-Chef Putin hatten die drei Frauen zuvor ausgeschlossen: "Machen Sie Witze? Natürlich nicht. Eher sollte er uns und Sie um Gnade bitten", schrieb die Aktivistin Nadeschda Tolokonnikowa, 22, der regierungskritischen Zeitung "Nowaja gaseta". Sie glaube nicht an ein unabhängiges Urteil. "Das ist eine Illusion", hieß es. Die Moskauer Polizei hatte das Gerichtsgebäude am Freitag weiträumig abgesperrt und mit Eisengittern die Zufahrt zu der Straße blockiert, in der das Gericht liegt.
Vor dem Gericht protestierten zahlreiche Anhänger der jungen Künstlerinnen gegen den Schuldspruch. Einige stülpten sich bunte Sturmhauben über, das Markenzeichen von Pussy Riot. Hunderte Demonstranten riefen "Freiheit" und "Russland ohne Putin". Es kam zu Tumulten zwischen Kritikern des Prozesses und Putin-Sympathisanten.
Die Polizei nahm etwa 30 Menschen fest, darunter die Oppositionsführer Sergej Udalzow und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow. Der Menschenrechtsbeauftragte des Kreml Michail Fedotow nannte das Urteil einen "gefährlichen Präzedenzfall", wie die Agentur Interfax meldete.
Auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte den Schuldspruch. "Das Urteil ist nicht nur der Versuch, die drei jungen Frauen zum Schweigen zu bringen", sagte Amnesty-Expertin Friederike Behr in Berlin. "Es soll auch eine Warnung an alle anderen sein, die es wagen, Präsident Wladimir Putin und seine Regierung zu kritisieren."
Die Anklage gegen die Musikerinnen hatte international Empörung ausgelöst. Kreml-Kritiker sehen dahinter den Versuch, die Gegner von Präsident Putin einzuschüchtern. Die Künstlerinnen, von denen zwei Mütter sind, sitzen seit gut fünf Monaten in Untersuchungshaft. Amnesty International erkennt sie als politische Gefangene an. Die Verteidigung kritisiert den Prozess als politisch motiviert.
Kurz vor der Urteilsverkündung hatte auch die Bundesregierung ihre Kritik an dem Verfahren bekräftigt. Das Verhalten gegen die Musikerinnen und ihre andauernde Untersuchungshaft seien völlig unverhältnismäßig, sagte der Menschenrechtsbeauftragte Markus Löning am Freitag im Deutschlandfunk. Sympathisanten hatten vor dem Urteilsspruch Proteste in westeuropäischen und nordamerikanischen Städten angekündigt. In Berlin demonstrierten 200 Menschen vor der russischen Botschaft.
Ihre Unterstützung für Pussy Riot haben unter anderem auch Pop-Größen wie Paul McCartney, Madonna und Björk bekundet.
hen/heb/dpa/Reuters
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