Seoul - Der Amerikaner Kenneth Bae hat von nordkoreanischen Richtern eine drastische Strafe erhalten: Er muss 15 Jahre in einem Arbeitslager schuften. Dies berichtet die staatliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA am Donnerstag. Der Mann habe "feindliche Akte" begangen, ihm sei am 30. April der Prozess gemacht worden. Details wurden nicht genannt.
Pjöngjang hatte zuvor angekündigt, den Mann demnächst wegen "Verbrechen zum Sturz der Demokratischen Volksrepublik Korea" vor den Obersten Gerichtshof des Landes zu stellen. Er habe die ihm zur Last gelegten Taten in den niedrigeren Instanzen gestanden, hieß es.
Bae, der in Nordkorea Pae Jun Ho genannt wird, war Anfang November im Nordosten des kommunistischen Landes festgenommen worden. Er war als Tourist eingereist.
Der frühere US-Botschafter bei den Vereinten Nationen, Bill Richardson, hatte sich bei einem Besuch in dem abgeschotteten Land Anfang des Jahres vergeblich für eine Freilassung seines Landsmannes eingesetzt. Die USA bekräftigten noch am Montag ihre Forderung: Bae müsse aus "humanitären Gründen" sofort freigelassen werden. Der Mann sei mit einem gültigen Visum eingereist, betonte ein Sprecher des Außenministeriums in Washington.
Nach Nordkoreas Kriegsdrohungen der vergangenen Wochen dürfte der Fall die Beziehungen zu den USA weiter belasten. Die Lage auf der koreanischen Halbinsel ist seit längerem gespannt - Nordkorea droht Südkorea und den USA immer wieder mit Krieg. Die verbalen Angriffe sind eine Reaktion auf verschärfte Uno-Sanktionen, nachdem Pjöngjang seine Atomtests vorangetrieben hatte.
"Sehr nah an einer gefährlichen Linie"
Washington reagiert zunehmend gereizt. Konservative drohen mit einem Militärschlag, die Regierung sucht noch einen diplomatischen Weg und will China zu mehr Engagement drängen. Allerdings sagte auch US-Verteidigungsminister Chuck Hagel Mitte April, Pjöngjang schlittere "sehr nah an einer gefährlichen Linie" entlang. Sollte Nordkorea seine Rhetorik nicht bald "zurückdrehen", werde es ernst: "Wir haben alle Kapazitäten, um mit jeder Aktion Nordkoreas umzugehen."
Angesichts der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel wolle Pjöngjang den USA mit der Verurteilung Zugeständnisse abpressen, meinte nun der Südkoreaner Yang Moo Jin, Professor an der Universität für Nordkorea-Studien in Seoul. Es sei aber extrem unwahrscheinlich, dass die USA ihre Haltung gegenüber dem Land ändern würden.
In der Vergangenheit waren in Nordkorea wiederholt US-Bürger festgenommen und nach Verhandlungen mit ranghohen US-Vertretern wieder freigelassen worden. Zuletzt kam Eddie Jun Yong Su 2011 ein halbes Jahr nach seiner Festnahme frei. Jun, der koreanischer Abstammung ist, war vermutlich wegen christlicher Missionarstätigkeiten in dem Land festgehalten worden.
Jun war damals der dritte christliche Aktivist aus den USA in weniger als einem Jahr, der in Nordkorea inhaftiert und einige Monate später freigelassen wurde. Robert Park war im Februar 2010 freigekommen, Aijalon Mahli Gomes im August. 2009 hatte der frühere US-Präsident Bill Clinton die beiden TV-Journalistinnen Laura Ling und Euna Lee nach Hause gebracht, die bei einer Wanderung von China aus vermutlich versehentlich die Grenze zu Nordkorea überquert hatten.
kgp/AFP/Reuters
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