Anschlag auf Israels Botschaft in Uruguay Iranischer Diplomat unter Terrorverdacht

Im Januar explodierte ein Sprengsatz vor der israelischen Botschaft in Montevideo. Uruguay beschuldigt einen iranischen Diplomaten, in das Attentat verwickelt zu sein. Der Verdächtige hat sich nach Teheran abgesetzt.

Sicherheitskräfte vor israelischer Botschaft in Montevideo: Anschlagsversuch im Januar
AFP

Sicherheitskräfte vor israelischer Botschaft in Montevideo: Anschlagsversuch im Januar


Montevideo - Die Bombe, die vor der israelischen Botschaft in Montevideo detonierte, hatte nur eine geringe Sprengwirkung. Der Sprengsatz war nur zum Teil explodiert und richtete deshalb wenig Schaden an.

Umso größer könnten die politischen Auswirkungen des Anschlagsversuchs vom 8. Januar sein. Denn die Behörden in Uruguay haben die Identität eines Hauptverdächtigen enthüllt: Der iranische Diplomat Ahmed Sabatgold soll bei den Vorbereitungen für das Attentat mitgeholfen haben.

Doch bevor die Regierung in Montevideo den Iraner ausweisen konnte, hatte dieser sich bereits selbst aus dem Land abgesetzt. Deshalb konnten später die Außenministerien beider Länder behaupten, dass kein Diplomat ausgewiesen worden sei.

Der Anschlagsversuch vom Januar war offenbar nicht der erste Zwischenfall. Bereits am 24. November hatte ein Unbekannter einen Koffer vor der israelischen Botschaft deponiert, die sich damals noch in einem anderen Gebäude befand. Der Koffer war leer, doch die Behörden in Uruguay gehen davon aus, dass die Attentäter damals die Sicherheitsvorkehrungen rund um die Botschaft testen wollten.

Die Person, die das Gepäckstück damals abstellte, ist auf den Aufnahmen der Überwachungskameras nicht zu sehen. Allerdings belegen andere Bilder, dass zur fraglichen Zeit ein Auto mit dem Diplomatenkennzeichen der iranischen Botschaft in unmittelbarer Nähe des Tatorts geparkt hatte.

Daraufhin bestellte Uruguays Außenminister Luis Almagro den iranischen Botschafter ein. Der Minister habe ihm klar gemacht, dass das Verhalten des Diplomaten höchst verdächtig sei und Uruguay entschlossen reagieren würde, wenn sich so etwas wiederholen sollte.

Besuch bei Chavez

Der Botschafter habe laut Medienberichten behauptet, dass der Diplomat in der Nähe der Botschaft einen Arzttermin gehabt habe und sich deshalb zu dem Zeitpunkt dort aufgehalten habe. Außerdem habe der Botschaftsmitarbeiter das Land bereits am Tag vor dem Gespräch mit dem Außenminister verlassen. Woher die Iraner von dem Verdacht gegen den Diplomaten gewusst hatten, ist derzeit unklar.

Sabatgold soll schon länger im Visier der uruguayischen Behörden gewesen sein. Nach Informationen der Zeitung "El Observador" ist der 32-Jährige ein Holocaustleugner und Antisemit. Er begleitete Ex-Präsident Mahmud Ahmadinedschad als Übersetzer auf Staatsreisen nach Südamerika, unter anderem zum damaligen Staatschef von Venezuela, Hugo Chavez.

Uruguays Regierung teilte mit, man habe die Sicherheitsvorkehrungen rund um die israelische Botschaft und jüdische Einrichtungen noch einmal deutlich verschärft. Außerdem habe Montevideo der Entsendung eines weiteren Sicherheitsteams aus Israel zugestimmt.

Die Behörden in Argentinien und Uruguay werfen Iran seit Jahren vor, ein Terrornetzwerk in Südamerika aufgebaut zu haben. Mehrere ranghohe Vertreter des iranischen Regimes sind verdächtig, die Bombenanschläge auf die israelische Botschaft und das jüdische Gemeindezentrum in Buenos Aires geplant zu haben.

Der argentinische Staatsanwalt Alberto Nisman warf der Regierung um Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner vor, sie habe mit Iran konspiriert, um die Verdächtigen zu schützen und ein Handelsabkommen mit Teheran zu schließen. Kurz bevor der Terrorermittler seine Anklage vorstellen wollte, wurde er tot aufgefunden.

syd



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