US-Abzug aus dem Irak: Der Letzte rollt die Flagge ein

Knapp neun Jahre lang dauerte der amerikanische Einsatz im Irak - jetzt geht er zu Ende. In einem symbolischen Akt haben US-Truppen in Bagdad ihre Flagge eingeholt, die letzten 6000 Soldaten werden abgezogen. Zurück bleibt ein traumatisiertes Land.

Abzug aus dem Irak: Flagge eingerollt, Koffer gepackt Fotos
Getty Images

Bagdad - Sogar Verteidigungsminister Leon Panetta war in die irakische Hauptstadt gereist, um der Flaggenzeremonie beizuwohnen: US-Einheiten in Bagdad haben an diesem Donnerstag die Fahne ihres Landes eingeholt. Der Akt soll das Ende der Mission in dem Land symbolisieren. Derzeit halten sich noch rund 6000 Soldaten im Irak auf, die binnen zwei Wochen ausreisen sollen.

Panetta traf nur wenige Stunden nach dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki in Bagdad ein. Maliki hatte diese Woche in Washington mit US-Präsident Barack Obama darüber beraten, wie das Verhältnis der beiden Staaten nach dem Ende des Militäreinsatzes aussehen soll.

Der Präsident hatte im Oktober angekündigt, dass nach rund neun Jahren Krieg bis zum Jahresende die letzten US-Soldaten aus dem Irak abgezogen werden sollen. Bereits am Montag hatten er und der irakische Regierungschef Maliki bei einem Treffen im Weißen Haus den Beginn einer neuen Ära der Partnerschaft und Zusammenarbeit beschworen.

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US-Soldaten im Irak: Bilder eines Krieges
Obama hatte sich am Mittwoch in einer Rede an heimgekehrte Soldaten auf dem US-Stützpunkt Fort Bragg im Bundesstaat North Carolina gewandt. "Als Ihr Oberbefehlshaber und im Namen einer dankbaren Nation - und ich weiß, dass Ihre Familien zustimmen - bin ich stolz darauf, endlich diese zwei Worte zu sagen: Willkommen daheim", sagte Obama.

Insgesamt waren nach Angaben des Präsidenten mehr als 1,5 Millionen US-Soldaten im Irak. Etwa 4500 wurden getötet, mehr als 30.000 verletzt. Noch deutlich heftiger waren die Verluste in Reihen der irakischen Bevölkerung. Mehr als 100.000 Menschen kamen laut Schätzungen seit der US-Invasion im Jahr 2003 ums Leben. Obwohl die US-Truppen nun das Land verlassen, ist die Sicherheitslage weiter kritisch. Immer wieder kommt es zu Anschlägen und bewaffneten Auseinandersetzungen.

Trotz des Abzugs aus dem Irak leisten sich die USA auch weiter ein gigantisches Militärbudget. Das US-Repräsentantenhaus hat am Mittwoch mit deutlicher Mehrheit einem Gesetzentwurf für milliardenschwere Verteidigungsausgaben zugestimmt. Nach letzten Änderungen zur Vermeidung eines Vetos des Weißen Hauses sprachen sich die Abgeordneten in einer Sitzung am späten Abend mit 283 zu 136 Stimmen für ein Jahresbudget in Höhe von 662 Milliarden Dollar (509 Milliarden Euro) aus.

Der Entwurf, der am Donnerstag dem Senat vorgelegt werden soll, räumt Präsident Obama weiterhin das Recht ein, Terrorverdächtige vor Zivilgerichte zu stellen. Die Ausgaben sind für militärisches Personal, für Waffensysteme, Auslandseinsätze sowie für Programme zur nationalen Sicherheit vorgesehen.

jok/dpa-AFX

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1. Lieber Spiegel...
Monty68 15.12.2011
Zitat von sysopEs war ein symbolischer Akt und soll einen Schlussstrich unter die Irak-Mission ziehen: US-Truppen haben in Bagdad ihre Flagge eingeholt. In den kommenden zwei Wochen soll auch der Abzug der letzten rund 6000 Soldaten aus dem Land abgeschlossen sein. US-Abzug aus dem Irak: Der Letzte rollt die Flagge ein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803909,00.html)
Traumatisiert? Schön und gut. Aber wie hoch sind die Opferzahlen. Und bedenken Sie, jeder Terroranschlag, der durch die Destabilisierung und Zerstörung des Irak durch die USA, Großbritannien und ihre "willigen" Helfershelfer ermöglicht wurde ist mitzuzählen. Wieviele Tote hat es gegeben?`Warum habt nicht einmal ihr diese Zahl parat? Ist es zu schrecklich sie zu nennen?
2. Selbst Saddam würde weinen...
ZiehblankButzemann 15.12.2011
...natürlich nur aus Freude über den Abzug, seiner Pistole, nein natürlich über den amerikanischen. Wenn dieser selbsternannte Saladin noch leben würde, dann könnte er jetzt endlich raus aus seiner Kellerwohnung und seinen niederen Instinkten wieder freien Lauf lassen. Doch hingerichtet geht das wohl schlecht. Aber er hatte ja genug Doppelgänger die das auch nachträglich für ihn erledigen können. Amerika das war wahrscheinlich die größte Milchmädchenrechnung die Ihr Paradekapitalisten je erstellt habt. Generationen von Menschen auf beiden Seiten werden dafür noch jahrzehntelang seelisch, körperlich und finanziell bluten müssen. Gutes Homecoming!
3. Ich denke, es ist gut,
derandersdenkende 15.12.2011
Zitat von sysopEs war ein symbolischer Akt und soll einen Schlussstrich unter die Irak-Mission ziehen: US-Truppen haben in Bagdad ihre Flagge eingeholt. In den kommenden zwei Wochen soll auch der Abzug der letzten rund 6000 Soldaten aus dem Land abgeschlossen sein. US-Abzug aus dem Irak: Der Letzte rollt die Flagge ein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803909,00.html)
wenn sie die Flagge mitnehmen. Unter ihr wurde viel Unrecht gegen das irakische Volk begangen, es käme sonst in Versuchung, öffentliche Verbrennungen durchzuführen und das muß nicht sein. Was hat dieser Einsatz nun gebracht? Viele Tausende Tote, ein Vakuum im Land, welches gefüllt sein will, mehr Freunde oder eher mehr Feinde, ein besserer Umgang miteinander oder noch mehr Haß, mehr religiöse Toleranz oder ...? Ich fürchte, es ist nichts besser geworden aber vieles schlimmer. Und wer trägt dafür die Verantwortung? Saddam Hussein? Der ist tot und kann sich zumindest nicht zur Wehr setzen und dies sind die beliebtesten Schuldigen. Und an die Richtigen traut sich eh keiner.
4. Dieser Krieg
schnitti23 15.12.2011
war kein gerechter Krieg, falls es so etwas überhaupt gibt. Er wurde mit Lügen und Vorwänden vorsätzlich begonnen. Die unbedingte Notwendigkeit dazu bestand jedoch nicht. Der damalige Präsident, ein nicht sehr heller Kopf der angeblich mit Gott sprach, wollte unbedingt diesen Krieg. Das ist mittlerweile belegt. Getrieben dazu hat ihn eine kleine, aber mächtige Minderheit in den USA. Wolfowitz, Perle, Rumsfeld und Cheney waren die wahren Kriegstreiber, die ihrerseits durch ihre engen Verbindungen aufgehetzt wurden. Alles in allem hat dieser Krieg den USA den Rest gegeben. Die Glaubwürdigkeit wurde angesichts der grotesken Lügen und der bewiesenen Foltermethoden derart untergraben, daß man diesem Staat fast nichts mehr glaubt. Der Schaden ist unermeßlich und es wird Jahrzehnte dauern, bis man den einst so sauberen USA wieder trauen kann. Eine Möglichkeit wäre, sich von der allgegenwärtigen Bevormundung durch nationale Interessengruppen freizumachen und in Nahost endlich mit Druck einen gerechten Frieden zu schaffen, in dem die Palästinenser ihr geraubtes Land zurückerhalten. Dadurch könnten die USA etwas Glaubwürdigkeit zurückerlangen. Aber selbst das bekommen sie nicht hin, weil sie sich dem verderblichen Einfluß nicht entziehen können oder wollen. Geld regiert nun mal die Welt, und wer es hat, der bestimmt was geschieht. Mir tun nur die rückkehrenden Soldaten leid, denn Arbeitslosigkeit und Perspektivlosigkeit warten auf sie in der Heimat. Ganz so, wie es den rückkehrenden Vietnamveteranen erging...
5. Abwarten
nachdenklich1 15.12.2011
Zitat von sysopIn den kommenden zwei Wochen soll auch der Abzug der letzten rund 6000 Soldaten aus dem Land abgeschlossen sein. US-Abzug aus dem Irak: Der Letzte rollt die Flagge ein - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik (http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,803909,00.html)
Mal sehen ob wirklich alle gehen... Auf der Wunschliste der Weltmacht Nr. 1 stehen sicher noch ein paar Stützpunkte....
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Fläche: 434.128 km²

Bevölkerung: 34,776 Mio.

Hauptstadt: Bagdad

Staatsoberhaupt: Fuad Masum

Regierungschef: Nuri al-Maliki

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