Anti-Terror-Kampf in Afghanistan Bundeswehr gibt sich ahnungslos über US-Einsätze

Fast jede Nacht operieren US-Spezialeinheiten im Umfeld der deutschen Feldlager in Nordafghanistan, nehmen Verdächtige fest oder töten diese gezielt. Die Bundeswehr aber gibt sich gegenüber dem Parlament nach SPIEGEL-Informationen ahnungslos - und löst damit in der Truppe Verwunderung aus.

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US-Soldaten in Afghanistan: "Keine Erkenntnisse"
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US-Soldaten in Afghanistan: "Keine Erkenntnisse"


Berlin/Kunduz - Die Bundeswehr ist nach eigenen Angaben über Operationen amerikanischer Spezialeinheiten im direkten Umfeld des deutschen Feldlagers Kunduz nur unzureichend informiert - obwohl die Deutschen seit Jahren intensiv mit den US-Einheiten im deutschen Kommandogebiet kooperieren. Selbst gegenüber den Spitzen des Verteidigungsausschusses verweigern die Truppe und das Verteidigungsministerium hartnäckig Details über die Anti-Terror-Operationen der Amerikaner.

Nach Informationen des SPIEGEL hatte der Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour die Regierung kürzlich mit einer Anfrage um Details über zwei von der Nato öffentlich gemachte US-Operationen gebeten. In einem Fall war bei Kunduz ein Mitglied der Terrorgruppe Islamische Bewegung Usbekistan festgenommen worden, bei der anderen Operation wurde ein Sprengstoffexperte der Taliban getötet.

Beide Operationen waren später durch das Hauptquartier der Nato-Truppen in Afghanistan ohne weitere Details in den täglich verschickten Pressemitteilungen bekanntgemacht worden.

Die Bundeswehr aber gab sich in den Antworten völlig ahnungslos. Der Parlamentarische Staatssekretär Thomas Kossendey teilte mit, der Bundeswehrführung lägen "keine Erkenntnisse" vor, die über den Inhalt von Nato-Pressemitteilungen hinausgingen. Die lapidare Antwort sorgt bei Nouripour für heftige Kritik, er vermutet eine gezielte Informationsblockade durch das Ministerium. "Entweder die Bundeswehr verschweigt vorliegende Details zu den Operationen oder sie macht in ihrem Kommandogebiet einfach Ohren und Augen zu", so der Grünen-Abgeordnete.

US-Spezialeinheiten operieren seit Jahren intensiv im Kommandogebiet der Bundeswehr, einige Einheiten sind sogar in den deutschen Camps stationiert. Karge Informationen über die Geheimmissionen veröffentlicht die Nato im täglichen "Isaf Joint Command Operational Update". Allein im Jahr 2013 wurden laut diesen Mitteilungen bei 21 Kommandoaktionen mindestens elf Personen getötet und 27 festgenommen. Insider gehen jedoch davon aus, dass die Nato nur einen Bruchteil der laufenden Operationen öffentlich macht.

In Bundeswehrkreisen wurde die Antwort des Staatssekretärs dann auch mit einiger Verwunderung aufgenommen. Tatsächlich seien die Kommandeure vor Ort natürlich über die Operationen in ihrem Einsatzgebiet und auch über deren Ergebnisse informiert, hieß es in Nordafghanistan. Auch das deutsche Kommando Spezialkräfte (KSK), das im Gegensatz zu den Amerikanern nur Festnahmen und keine gezielten Tötungen durchführt, sei über die US-Kommandos vor Ort auf Stand.



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sabaro4711 07.04.2013
1.
Zitat von sysopAPFast jede Nacht operieren US-Spezialeinheiten im Umfeld der deutschen Feldlager in Nordafghanistan, nehmen Verdächtige fest oder töten diese gezielt. Die Bundeswehr aber gibt sich gegenüber dem Parlament ahnungslos - und löst damit in der Truppe Verwunderung aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-aktionen-in-afghanistan-bundeswehr-gibt-sich-ahnunglos-a-892968.html
Gemäß zentraler Dienstvorschrift hat der deutsche Soldat nach Zapfenstreich zu schlafen und von gebohrten Trinkbrunnen und gebauten Mädchenschulen zu träumen. Dass er da nix von nächtlichen Tätigkeiten außerhalb des Lagers mitbekommt ist doch dann klar. Das Auftreten vor dem Parlament daher vollkommen nachvollziehbar ^^
Neinsowas 07.04.2013
2. wer glaubt noch...
Zitat von sysopAPFast jede Nacht operieren US-Spezialeinheiten im Umfeld der deutschen Feldlager in Nordafghanistan, nehmen Verdächtige fest oder töten diese gezielt. Die Bundeswehr aber gibt sich gegenüber dem Parlament ahnungslos - und löst damit in der Truppe Verwunderung aus. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-aktionen-in-afghanistan-bundeswehr-gibt-sich-ahnunglos-a-892968.html
...und vertraut deutschen Behörden? Da wird taktiert nach dem, was der Bürger Normalo hören will: Natürlich weiss man über alles Bescheid, natürlich ist man dafür nicht zuständig, natürlich ist der Sachverhalt ganz anders....leider sterben Menschen durch diese willkürliche Gewalt Die westliche Union kann sich damit sicher sein, dass der H A S S , den sie dadurch auslösen, über Generationen fortbestehen wird!
ren1622 07.04.2013
3. Was will der
Grünen-Abgeordnete Omid Nouripour damit aussagen? Empörung? Worüber? Sollten seiner Meinung nach alle Aktionen im Vorfeld angekündigt werden? Sollten lebenswichtige Geheimnisse veröffentlicht werden? Wie töricht!! Wo bleibt dessen Realität? Oder existiert jene gar nicht? So können nur realitätsferne Wichtigtuer argumentieren die nie solche Einsätze erlebt haben. Lächerlich...
yournightmare 07.04.2013
4.
Anscheinend vertraut USA Deutschland nicht mehr. Das ist irgendwo aber auch verständlich.
seneca55 07.04.2013
5. Die Deutsche Freiwillige Parlamentsarmee....
nur noch Kanonenfutter und Kolonialtruppe für das Imperium? Wer braucht so eine "Bundeswehr"?? Wann will Deutschland eigentlich wieder für eine eigene Souveränität eintreten, Frau Kanzlerin Merkel? Erst nach der Bundestagswahl 2013 oder hat sich das am 08.05.1945 erübrigt, wie Hr. Min. Schäuble in F.a.M im Nov. 2011sagte??
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