US-Alleingänge Rumsfeld stellt Bushs Prinzip in Frage

Die Bemühungen der Amerikaner, im Irak Ordnung zu schaffen, sind gescheitert. Nun liebäugelt US-Verteidigungsminister Rumsfeld damit, eine internationale Truppe für Friedenserhaltungseinsätze aufzustellen. Was wie eine kosmetische Korrektur aussieht, wäre in Wahrheit eine Abkehr von Bushs Politik des Unilateralismus.


Donald Rumsfeld
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Donald Rumsfeld

Hamburg - Bei einem Dinner mit Waffenindustriellen in Washington machte Rumsfeld vergangene Woche eine völlig überraschende Aussage: "Mich interessiert die Idee, dass wir einen Kader von Leuten aus aller Welt anführen oder zu einer solchen Truppe beitragen, die an friedenserhaltenden oder -sichernden Einsätzen teilnimmt."

Rumsfeld stellt sich die "gute Sache" nach einem Bericht des "Guardian" so vor, dass die Vereinigten Staaten Ausbilder abstellen, um eine internationale Peacekeeping-Truppe aufzubauen, die so "trainiert, ausgerüstet und organisiert" ist, dass die Einheit miteinander arbeiten kann. Diese internationale Friedenstruppe könnte jederzeit in die Krisengebiete der Welt entsandt werden, um dort Ordnung zu schaffen und Sicherheit herzustellen.

Die Idee des US-Verteidigungsministers wäre gar nicht so spektakulär, widerspräche sie nicht der bisherigen Politik der Regierung Bush. Sollte Rumsfeld seine "Idee" umsetzen, würde Bush eine 180-Grad-Wende in seiner unilateralistischen Außenpolitik hinlegen. Bisher hat sich der amerikanische Präsident streng dagegen verwehrt, amerikanische Einheiten bei Friedenserhaltungseinsätzen mit Einheiten anderer Nationen zu verschmelzen.

Doch die Bush-Regierung ist wachsender Kritik und zunehmendem politischem Druck ausgesetzt seit sie die Lage im Nachkriegs-Irak offenbar falsch eingeschätzt hat und nicht angemessen angegangen ist. So erfolgreich sie militärisch war, das Regime Saddam Husseins zu stürzen, so wenig glanzvoll ist es ihr gelungen, das instabile Land unter Kontrolle zu bringen.

Während die Amerikaner noch mit den Nachkriegswirren im Irak zu kämpfen haben, forderte Großbritanniens Uno-Botschafter Jeremy Greenstock die USA bereits auf, Friedenstruppen nach Liberia zu schicken, um den Bürgerkrieg dort einzudämmen.

Wochen nach dem offiziellen Ende der Kämpfe werden im Irak fast täglich US-Soldaten angegriffen. Rumsfeld muss fortwährend Opfer in den eigenen Reihen beklagen. Wohl deshalb räumte er bei dem Dinner mit den Waffenproduzenten ein: "Es wäre gut gewesen, eine Frieden sichernde Truppe vor dem Irakkrieg vor Ort gehabt zu haben."



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