Deutschland-Bild in den USA: "Irgendwann erschießt dich noch mal einer"

Von Sebastian Fischer, Washington

Für viele Marotten haben die Amerikaner Verständnis, aber dass die Deutschen völlig wehrlos - sprich: ohne Waffe - durch den Alltag gehen, finden sie "skurril". In den USA tragen viele Leute eine Knarre. Nur aus Tradition, sagen sie. Aber warum gibt es dann immer wieder Tote?

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Der Safeway-Supermarkt in Washingtons 17. Straße hat nicht viel zu bieten. Wir nennen ihn hier alle den Sowjet-Safeway. Die Auswahl ist beschränkt, an den Kassen muss man lange warten, Alkohol gibt es nicht, und irgendwas ist immer ausverkauft (Kaffeefilter zuletzt) oder übers Ablaufdatum drüber (gern Salat). Trotzdem kaufe ich immer dort ein.

Aber vor einiger Zeit ging nichts, der ganze Laden war abgesperrt, überall Polizei. Ein Mann sei angeschossen worden, hieß es. Ein Raubüberfall auf den Sowjet-Safeway - wer macht denn so was? Tatsächlich, so stellte sich später heraus, war es ein Überfall auf ein paar Leute vor dem Laden.

Shootings gehören zum Alltag

Bewaffnet, natürlich. Denn auch der gemeine Straßenräuber scheint es hier unter einer Feuerwaffe nicht zu machen. Dabei sind die Waffengesetze in der Hauptstadt restriktiver als in anderen Bundesstaaten. "Shootings" gehören dennoch zum Alltag, werden in den Lokalspalten vermeldet, fertig. Jeder hat sich daran gewöhnt.

Ich mag die USA und ich mag die Art der Leute. Ganz ehrlich, es ist ein großartiges Land. Aber diese Sache mit den Waffen verstehe ich einfach nicht. Dass es jetzt sogar vorm Sowjet-Safeway um die Ecke passieren kann, hat mich nachdenklich gemacht. Hätte ja auch mich treffen können.

Das war Mitte Juli. Fünf Tage später stürmte ein Irrer das Kino von Aurora, Colorado und erschoss zwölf Menschen. In meinem Freundeskreis hatte plötzlich keiner mehr Lust auf Kino.

Kurz darauf traf ich bei einer Recherche auf zwei Polizisten. Logisch, dass wir auch über Colorado sprachen. Ihre Position: Hätten die Leute in dem Kino Waffen getragen, hätte man den Attentäter rasch erledigen können. Das stimme zwar, aber wäre es nicht besser, wenn gar keiner eine Waffe trage? Nein, schüttelten sie den Kopf, es gebe immer Verrückte, wieso sollte man sich selbst wehrlos machen?

Es war ein Sommer voller Waffen für mich. In Florida besuchte ich mit Kollegen eine "Gun Show" (Sehen Sie hier das Video). Da war was los! Schon gleich am Eingang gab es ein Maschinengewehr aus dem letzten Weltkrieg zu bestaunen. Es schieße bis zu einem Kilometer weit, meinte der Verkäufer, man könne es sich in den Garten stellen. Warum?, fragten wir. Nur so, meinte er. Ganze Familien trotteten durch die Halle, es erinnerte mich an all die Miniatur-Eisenbahn-Ausstellungen in irgendwelchen Messehallen, die ich als Kind so gern besucht hatte. Nur ging es hier um Waffen.

Zombie-Figuren
Eine Frau verkaufte Puppen - auf die kann man ballern, dann läuft ihnen rote Soße aus dem Mund. Eine Figur sah aus wie Osama bin Laden (Nein, versicherte die Frau, das sei er nicht direkt), ein Pappkamerad hatte eine Armbinde mit Hakenkreuz. Und plötzlich knallte es gewaltig. Alle zuckten zusammen, ich wollte schon unter den Tisch mit dem Weltkriegs-MG kriechen. Aber es war nur ein Kind, das eine Eisenplatte umgeworfen hatte. In dieser Halle mit den gut 2000 Menschen war es fürchterlich still. Alle dachten … genau.

Die Deutschen laufen wehrlos herum? Skurril

Ich kam mit einem Waffenverkäufer ins Gespräch. Die Briten, sagte ich, die greifen bestimmt nicht mehr an. Ich sei zwar Deutscher, könne ihm aber versichern, dass der EU-Partner keine Invasion des amerikanischen Kontinents plane. Wofür brauche es dann noch den Verfassungszusatz, der jedem Amerikaner das Recht auf die Waffe gibt? Der aus einer Zeit stammt, in der das junge Amerika ein Volk von Milizionären brauchte, ein Land unter Waffen, um sich auch für mögliche Angriffe der alten Kolonialherren zu rüsten?

Ach nein, sagte er, vor den Briten fürchte er sich bestimmt nicht. Das mit den Waffen sei nun mal Tradition. Aber jetzt mal im Ernst, fragte er, ob wir in Deutschland denn wirklich völlig wehrlos durch die Gegend liefen? Ich nickte. Skurril, sagte er.

Und irgendwie fand ich unsere Waffenlosigkeit jetzt schon selbst komisch. Ich musste also dringend raus, vorbei an dem Jungen mit dem roten Kopf und der Riesen-Schlange um den Hals ("Super, ne?", rief mir die Mutter hinterher), weg von dieser ganzen Waffen-Erotik.

Zurück in Washington ärgerte ich mich über einen Typen im Auto vor mir. Na gut, es war mehr: Ich habe ihm den Mittelfinger gezeigt. Plötzlich hält der Kerl, steigt aus, schreit erst mein Auto an ("Scheiß VW!"), dann belegt er auch mich mit entsprechendem Vokabular. Was tun? Ich denke an einen guten Freund, einen Bayern. Seine Frau wirft ihm manchmal vor, so rabiat Fahrrad zu fahren in Washington, so deutsch eben: "Irgendwann erschießt dich noch mal einer", sagt sie.

Genau das ging mir nun durch den Kopf. Der Typ steht vor meinem Auto, meine Freundin bemerkt trocken vom Beifahrersitz: "Der hat bestimmt 'ne Knarre." Super, denke ich und glotze den Kerl an. Der zeigt mir jetzt beide Mittelfinger und schiebt noch einen Spruch über mein Auto hinterher. Ich zucke die Achseln. Er kocht.

Dann, endlich, springt die Ampel auf Grün, hinten hupt einer, und der Mann verzieht sich tatsächlich in sein Auto. Weiter geht's.

Gut, man kann Probleme also auch anders lösen.

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1. Nicht skuril sondern richtig
spon-facebook-10000024332 02.10.2012
Europäer tun immer so schockiert wenn es um das Waffenthema in den USA geht. Ich verstehe diese einseitige Abneigung nicht. Das Recht auf Waffenbesitz ist völlig legitim. Die deutsche Haltung ist beschämend.
2. An den Waffengesetzen
farview 02.10.2012
An den Waffengesetzen einer Nation erkennt man ihren Grad an Freiheit. Es spricht NICHTS dagegen, dass sich nicht vorbestrafte Menschen eine Waffe zulegen. Ja, auch zur Verteidigung von Heim und Hof. Wer nun gleich wieder HILFE schreit, dem sei nahe gelegt, dass bsp. in Österreich JEDER Haushalt unter Angabe des Zwecks der Hausverteidigung ab 18 Jahren Waffen der Kategorie C und D kaufen und besitzen darf. Darunter fallen bsp. Schrotflinten und Kleinkalibergewehre. Für Faustfeuerwaffen müssen die geforderten Nachweise über einen sicheren Umgang mit Waffen (Waffenführerschein) und ein psycholog. Gutachten eingereicht werden. Mir sind in Österreich übrigens keine Amokläufe bekannt, im Gegensatz zu Deutschland. Ich gehe sogar so weit, dass Lehrkräfte an Schulen bewaffnet sein sollten, nicht alle, aber einige. Es gibt Schulpsychologen, aber niemanden, der im Ernstfall das Leben der Kinder gegen einen Irren (die sich immer bewaffnen werden, egal wie die Gesetze sind) verteidigen kann. Es darf einfach nicht sein, dass ein einzelner Verrückter bis zum Eintreffen der Polizei (was lange dauern kann) nur Opfer ohne Chance auf Gegenwehr vorfindet. In Deutschland scheint man zu glauben, dass das Entwaffnen der Bürger die Sicherheit erhöht - das tut es auch, aber nur für die Täter.
3. bewaffnung aller, um die sicherheit zu erhöhen?
axel666 02.10.2012
Zitat von sysopFür viele Marotten haben die Amerikaner Verständnis, aber dass die Deutschen völlig wehrlos - sprich: ohne Waffe - durch den Alltag gehen, finden sie "skurril". In den USA tragen viele Leute eine Knarre. Nur aus Tradition, sagen sie. Aber warum gibt es dann immer wieder Tote? US-Amerikaner unter Waffen: Besuch auf einer Gun Show - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-amerikaner-unter-waffen-besuch-auf-einer-gun-show-a-858438.html)
dieses gerne angebrachte argument der waffenlobby, dass man attentäter besser und schneller stoppen könne, wenn alle menschen bewaffnet wären ist ein irrglaube! stellen sie sich vor, im kinosaal von aurora hätten nur mal angenommen 20 von hundert menschen eine feuerwaffe gehabt und nicht nur der einzelne täter. es wäre eine wilde schießerei geworden mit zig mehr toten als jetzt, denn keiner der schützen hätte gewusst, wer der attentäter ist und wer jetzt zur verteidigung ballert! gerade aus sicht der polizei ist das pervers, da diese es jeden tag mit menschen der unterschiedlichsten coleur zu tun hat und man immer im hinterkopf haben muss, dass mein gegenüber eine feuerwaffe mit sich trägt, ich aber nicht weiß in welchem geisteszustand er gerade ist (wut, trauer, angst, kriminelle energie, psychische krankheit...), der ihn zu einer unüberlegten handlung treibt.
4.
Boesor 02.10.2012
Zitat von spon-facebook-10000024332Europäer tun immer so schockiert wenn es um das Waffenthema in den USA geht. Ich verstehe diese einseitige Abneigung nicht. Das Recht auf Waffenbesitz ist völlig legitim. Die deutsche Haltung ist beschämend.
Europäer tun nicht nur schockiert, sie sind es in der Regel auch. Warum die europäische Haltung beschämend ist und das recht auf Waffen legitim erklären Sie ja leider nicht.
5.
loeweneule 02.10.2012
Zitat von spon-facebook-10000024332Europäer tun immer so schockiert wenn es um das Waffenthema in den USA geht. Ich verstehe diese einseitige Abneigung nicht. Das Recht auf Waffenbesitz ist völlig legitim. Die deutsche Haltung ist beschämend.
Wen beschämt diese Haltung denn? Und daß das Recht auf Waffenbesitz legitim ist, ist Ihre Ansicht. Andere haben andere Ansichten. Warum sehen Sie darin ein Problem?
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Latino-Wahlkampf

Fläche: 9.632.000 km²

Bevölkerung: 310,384 Mio.

Hauptstadt: Washington, D.C.

Staats- und Regierungschef: Barack Obama

Vizepräsident: Joseph R. Biden

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US-Wahl
Wahl des Präsidenten
In den USA liegt die exekutive Gewalt grundsätzlich beim Präsidenten, der Staatsoberhaupt, Regierungschef und Oberbefehlshaber der Streitkräfte in einer Person ist. Der Präsident wird alle vier Jahre neu gewählt, eine einmalige Wiederwahl ist möglich.
Die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten ist eine indirekte Wahl: Am Wahltag, der immer am Dienstag nach dem ersten Montag im November stattfindet, wählt die US-Bevölkerung in jedem Bundesstaat Wahlmänner. Diese bilden das Wahlmännergremium, das offiziell erst im Dezember den Präsidenten und seinen Vize wählt. Dabei gilt in den allermeisten Bundesstaaten das Mehrheitswahlrecht: Die Wahlmänner eines Bundesstaates stimmen alle für den Präsidentschaftskandidaten, der in ihrem Staat die meisten Stimmen bekommen hat. Für den Gegner sind alle Wahlmänner verloren - egal wie knapp das Ergebnis ist ("Winner takes all"-Prinzip).
Parteien und Swing States
In den USA hat sich, durch das einfache Mehrheitswahlrecht begünstigt, ein Zweiparteiensystem gebildet: Praktisch spielen nur die demokratische und die republikanische Partei eine Rolle. Da in vielen Bundesstaaten die Mehrzahl der Wähler traditionell einer der beiden Parteien zugetan sind, steht in diesen Staaten praktisch fest, für welchen Kandidaten die Wahlmänner dieses Staates stimmen werden.
In anderen ist der Ausgang der Wahl hingegen offen: Sie werden als umkämpfte Staaten oder Swing States bezeichnet. Auf sie konzentriert sich der Wahlkampf der Kontrahenten. Besonders die bevölkerungsreichen unter ihnen wie Ohio und Florida stehen im Fokus der Wahlkampfstrategen, da sie viele Wahlmänner im Wahlmännergremium stellen und damit für den Ausgang der Präsidentschaftswahl entscheidend sein können.
Wahlmänner
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika wird nicht direkt vom Volk gewählt, sondern indirekt von Wahlmännern ("electors"). Ein Wahlmann ist ein Bürger, den die Einwohner eines US-Bundesstaates gewählt haben, damit er oder sie in einem landesweiten Gremium in ihrem Namen seine Stimme für den Präsidenten und den Vizepräsidenten abgibt. Die Wahlmänner werden von ihrer jeweiligen Partei in einem Auswahlprozess aufgestellt, der von Bundesstaat zu Bundesstaat verschieden ist. Normalerweise nominieren die Parteien sie auf einem Parteitag im jeweiligen Bundesstaat, oder der Zentralausschuss ("central committee") der Partei stellt sie auf.
Am Wahltag geben die Wähler jedes Bundesstaates ihre Stimme für einen der Präsidentschaftskandidaten ab. Da die Wahl indirekt ist, wählen sie damit Wahlmänner, die dann nach dem eigentlichen Präsidentschaftswahltag in dem bundesstaatenübergreifenden Wahlmännergremium ("electoral college") ihre Stimme für ihren Präsidentschaftskandidaten und seinen Vize abgeben.
Welche Wahlmänner aus einem Bundesstaat in das Wahlmännergremium geschickt werden, wird in 48 US-Bundesstaaten nach dem Mehrheitswahlrecht ermittelt: Alle von einem Staat entsandten Wahlmänner gehören derselben Partei an, selbst wenn diese in dem betreffenden Staat nur mit einem hauchdünnem Vorsprung gewonnen haben sollte ("Winner takes all").
Wie viele Delegierte ein Bundesstaat entsendet, ist von seiner Größe abhängig. Jeder Staat schickt so viele gewählte Electors, wie er Senatoren und Abgeordnete im Kongress stellt. Die meisten Wahlmänner, nämlich 55, hat zurzeit Kalifornien, gefolgt von New York (31) und Florida (27). Bevölkerungsarme Staaten wie zum Beispiel Alaska oder Montana entsenden das Minimum von drei Wahlmännern. Obwohl der Hauptstadtbezirk Washington D.C. keine stimmberechtigten Vertreter im Kongress hat, entsendet auch er drei Wahlmänner ins Gremium.
Wahlmännergremium
Das Electoral College ist ein Kollegium von insgesamt 538 Vertretern der einzelnen US-Bundesstaaten, das den US-Präsidenten und seinen Vize wählt - denn Amerikas Bürger entscheiden nicht direkt darüber, wer sie regiert, sondern nur über die Zusammensetzung des Gremiums, das den Präsidenten wählt.
Das Wahlmännergremium tritt physisch nie an einem Ort zusammen. Stattdessen versammeln sich die Wahlmänner im Dezember nach der Wahl durch das Volk in den Hauptstädten ihrer Bundesstaaten, um ihre Stimme abzugeben. Dabei richten sie sich in ihrer Entscheidung traditionell nach dem Votum des Volkes, zwingend vorgeschrieben ist das jedoch nicht in allen Staaten. Die Wahlmänner-Stimmen werden dann nach Washington geschickt, wo sie während einer gemeinsamen Sitzung des Kongresses im Januar ausgezählt werden. Der amtierende Vizepräsident kann dann endlich das offizielle Ergebnis der Präsidentschaftswahlen verkünden, das in der Regel ja schon kurz nach der allgemeinen Wahl bekannt ist, weil die Zahl der Wahlmänner jedes Kandidaten feststeht.
Wenn keiner der Präsidentschaftskandidaten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, sieht der 12. Zusatzartikel der Verfassung vor, dass die Wahl durch das Repräsentantenhaus entschieden wird. In diesem Fall wählt das Repräsentantenhaus den Präsidenten per Mehrheitsentscheid unter den drei Kandidaten aus, die die höchste Anzahl an Wahlmännerstimmen erhalten haben. Jeder Staat gibt dann eine Stimme ab. Wenn keiner der Kandidaten für das Amt des Vizepräsidenten die Mehrheit der Wahlmännerstimmen erhält, entscheidet hingegen der Senat per Mehrheitsentscheid über den Vizepräsidenten, wobei sich jeder Senator für einen der beiden Kandidaten mit der größten Anzahl an Wahlmännerstimmen entscheiden muss.
"Winner takes all"
In 48 US-Bundesstaaten gilt bei den Präsidentschaftswahlen das Mehrheitswahlrecht: Alle Wahlmännerstimmen eines Staates werden komplett dem Präsidentschaftskandidaten zugeordnet, der in diesem Bundesstaat die meisten Wählerstimmen erhalten hat - "Der Sieger bekommt alles" ("The winner takes it all"). Der in diesem Staat unterlegene Präsidentschaftskandidat geht leer aus, ganz gleich wie viele Stimmen der Bürger er auf sich vereinigen konnte - diese Stimmen entfallen.
Präsident wird, wer die Mehrheit der Stimmen von den Wahlmännern bekommt, die jeder einzelne Bundesstaat in das staatenübergreifende Wahlmännergremium (electoral college) schickt. Ob der Präsidentschaftskandidat auch die Mehrheit der in den USA abgegebenen Stimmen (popular vote) bekommen hat, ist für die Präsidentenwahl hingegen nicht entscheidend. So führt das Prinzip "Der Sieger bekommt alles" dazu, dass die Wahl kein genaues Bild vom wahren Kräfteverhältnis im ganzen Land gibt.
Nur in den Bundesstaaten Nebraska und Maine gilt das System des "Winner takes all" nicht. Hier werden die Wahlmänner nach dem Verhältniswahlrecht ermittelt: Die Wahlmännerstimmen werden proportional zu den auf die Kandidaten entfallenen Wählerstimmen zwischen den Parteien aufgeteilt.