Pentagon-Plan: US-Militär lässt Frauen an vorderster Front kämpfen

200.000 Soldatinnen dienen in der US-Armee, doch viele Posten blieben ihnen bisher verwehrt: Jetzt will Verteidigungsminister Panetta auch gefährliche Armeejobs grundsätzlich für Frauen öffnen - und sie an vorderster Front kämpfen lassen.

AP

Washington - Der Chef des Pentagon, Leon Panetta, will die US-Kampfeinheiten noch weiter für Frauen öffnen. Ein genereller Ausschluss von Soldatinnen vom direkten Kampfgeschehen an vorderster Front wird aufgehoben, berichtete der TV-Sender CNN sowie verschiedene Nachrichtenagenturen am Mittwoch unter Berufung auf Regierungsbeamte. Auch Elite-Kommando-Posten könnten von der neuen Regelung betroffen sein. Eine offizielle Erklärung Panettas in der Frage soll es am Donnerstag geben, berichtete CNN.

Die bisherigen Vorschriften dienten dazu, Frauen möglichst hinter der Front zu stationieren und aus Gefechten herauszuhalten. Ein Gesetz von 1994 hatte es Soldatinnen verboten, direkt in der Infanterie, Artillerie oder in Spezialeinheiten zu dienen. Das solle sich nach dem Willen von Panetta in den kommenden Jahren ändern können.

Es werde aber auch künftig noch Ausnahmen geben, hieß es laut Presseberichten. Das Militär habe laut der Quelle aus dem Verteidigungsministerium bis Januar 2016 Zeit, nach Ausnahmen zu suchen, in denen weiter keine Frauen eingesetzt werden sollten. Manche Positionen sollen aber sogar dieses Jahr noch für Soldatinnen möglich werden.

In den vergangenen Jahren waren Frauen als Sanitäterinnen, Militärpolizistinnen und Geheimdienstoffizierinnen in der Realität oft in der Nähe der Fronttruppen eingesetzt, aber ihnen nicht offiziell formal zugeordnet.

In einer ersten Reaktion begrüßte der hochrangige Senator Carl Levin vom Streitkräfteausschuss die Entscheidung. Diese spiegele die Realität des Krieges im 21. Jahrhundert wider, sagte er. Auch die Bürgerrechtsorganisation ACLU zeigte sich erfreut. Sie hatte im November im Namen von vier Soldatinnen Klage gegen das Verteidigungsministerium eingereicht.

Bereits vor knapp einem Jahr hatte das Pentagon schon eine Richtlinie zu dem Thema erlassen: Insgesamt konnten Frauen sich dadurch auf 14.000 neue Stellen bei den amerikanischen Streitkräften bewerben. Mehr als 230.000 Posten in der US-Armee blieben ihnen aber weiter verschlossen - diese könnten ihnen jetzt aber durch Panettas neuen Vorstoß auch offenstehen.

Im amerikanischen Militär dienen gegenwärtig 200.000 Frauen, was etwa der Gesamtstärke der Bundeswehr entspricht. Darunter sind 37.000 weibliche Offiziere. In den vergangenen zehn Jahren wurden etwa 280.000 amerikanische Soldatinnen in Kampfgebieten wie Afghanistan oder dem Irak eingesetzt, wo es keine klaren Frontlinien gab. Frauen machten etwa zwei Prozent der US-Todesopfer dort aus.

mia/Reuters/AP/dpa

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insgesamt 152 Beiträge
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1. ?
aber_nicht_doch 24.01.2013
Sollte im Artikel nicht kleich zu Beginn stehen "Barak Obama gehen die Soldaten aus" ?
2.
Stäffelesrutscher 24.01.2013
Zitat von sysopDPA200.000 Soldatinnen dienen in der US-Armee, doch viele Posten blieben ihnen bisher verwehrt: Jetzt will Verteidigungsminister Panetta auch gefährliche Armeejobs grundsätzlich für Frauen öffnen - und sie an vorderster Front kämpfen lassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-armee-will-frauen-generell-den-fronteinsatz-erlauben-a-879346.html
Müsste dieser Artikel nicht analog zum darunter stehenden mit »Obamas Pantherinnen« betitelt werden, Tenor: »Das letzte Aufgebot der Amis«?
3. Titel
josh67 24.01.2013
Zitat von sysopDPA200.000 Soldatinnen dienen in der US-Armee, doch viele Posten blieben ihnen bisher verwehrt: Jetzt will Verteidigungsminister Panetta auch gefährliche Armeejobs grundsätzlich für Frauen öffnen - und sie an vorderster Front kämpfen lassen. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-armee-will-frauen-generell-den-fronteinsatz-erlauben-a-879346.html
Warum nicht? Das ist der Preis für die Gleichberechtigung.
4. Unfair
harti1978 24.01.2013
Ich empfinde den Plan als eine große Schweinerei. Wir alle wissen doch, wie schwer es uns fallen würde den Abzug zu drücken, wenn wir erkennen: dort drüben kämpfen Frauen. Da diese diesen Hemmschuh Männern gegenüber natürlich nicht tragen, kann ich nur sagen: ein weiterer Schritt in die verkehrte Richtung. Achja, und: früher war alles beser.
5. Eine gute Nachricht für den Diskriminierungsbeauftragtragten
falco1001 24.01.2013
Auch auf dem elektrischen Stuhl oder der fordersten Frontlinie sollte man Frauen nicht diskriminieren. Sie haben das selbe Recht zu sterben wie jeder andere.
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