US-Außenminister John Kerry "Ich liebe Deutschland"

Ob das reicht, um die Wogen zu glätten? Nach den Enthüllungen in der NSA-Affäre versucht US-Außenminister Kerry, die Deutschen zu besänftigen. In einem Interview preist er die Bundesrepublik als starken Partner und schwärmt von "wundervollen Erinnerungen" an seine Kindheit in Berlin.

US-Außenminister Kerry: "Unsere Beziehung ist stark, und sie wird auch stark bleiben"
AFP

US-Außenminister Kerry: "Unsere Beziehung ist stark, und sie wird auch stark bleiben"


Berlin - Als oberster Diplomat der USA weiß Außenminister John Kerry verärgerte Bündnispartner zu umgarnen. In einem Interview mit der "Bild"-Zeitung würdigt er die Bundesrepublik als "starken Freund", rühmt "Deutschlands internationale Führungsrolle" und lobt Kanzlerin Angela Merkel als "großartige Partnerin" für US-Präsident Barack Obama.

Ob die warmen Worte helfen, die Wogen zu glätten? Das Verhältnis zwischen Deutschland und den USA ist zurzeit gespannt. Die Enthüllungen über die massenhaften Spähaktionen des US-Geheimdienstes NSA - und auch das Abhören der Kanzlerin - haben Regierung und Bürger verärgert.

Kerry räumt ein, dass das Verhältnis belastet sei und verspricht eine schnelle Aufarbeitung der Affäre. Nach einem ersten Treffen in Washington solle es weitere Gespräche zwischen den beiden Regierungen geben. Doch damit nicht genug. Kerry lässt in dem Interview seinen Charme spielen: "Unsere Beziehung ist stark, und sie wird auch stark bleiben. " Und: "Deutschland ist einer der stärksten Freunde der Vereinigten Staaten und einer unserer wichtigsten Verbündeten."

Kerry wendet sich auch an die deutschen Bürger - gerade die deutsche Öffentlichkeit hatte US-Präsident Obama noch vor seinem Amtsantritt 2009 teils euphorisch begrüßt. Kerry, der als Diplomatenkind lange Jahre in Europa gelebt hat, schwärmt jetzt von den Deutschen, die "so herzlich zu uns Amerikanern und zu mir persönlich" seien. Er habe "viele wundervolle Erinnerungen" an seine Kindheit in Berlin: "Ich liebe Deutschland."

Furcht vor stärkerer Belastung der Beziehungen

Die Bundesregierung setzt sich zurzeit dafür ein, die Geheimdienstzusammenarbeit mit den USA noch in diesem Jahr zu verändern. Der amtierende Kanzleramtschef Ronald Pofalla sagte nach der Sitzung des Parlamentarischen Kontrollgremiums am Mittwoch, Obama wolle bis Mitte Dezember die Überprüfung der Arbeit der amerikanischen Geheimdienste abgeschlossen haben. Dies sei eine gute Gelegenheit, die geheimdienstliche Zusammenarbeit mit den USA neu zu regeln.

Zudem prüft die deutsche Regierung eine Befragung des Whistleblowers Edward Snowden in Moskau, wo er sich zurzeit aufhält. Er hatte die Spähaktionen der NSA enthüllt. Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele fordert wie viele andere Politiker und Prominente, Snowden in Deutschland zu hören und ihm Asyl zu gewähren - das lehnt die Bundesregierung ab. Das transatlantische Bündnis mit den USA habe Vorrang, so der Regierungssprecher. Die USA wollen Snowden wegen Geheimnisverrats vor Gericht stellen.

Tatsächlich wäre eine Aussage Snowdens in Deutschland nicht im Interesse der Regierung. Die ohnehin angespannten Beziehungen zu den Amerikanern könnten nach dem mutmaßlichen "Handy-Gate" auf einen neuen Tiefpunkt fallen, so die Befürchtung. Manche, die jetzt politisches Asyl für Snowden verlangten, wüssten gar nicht, welche außenpolitischen Probleme sie damit heraufbeschwören, heißt es mahnend in Regierungskreisen.

Hinzu kämen die innenpolitischen Folgen: Seit Anfang Juli gibt es ein Festnahmeersuchen der US-Seite, das in letzter Konsequenz sogar zu einer Auslieferung Snowdens führen könnte. Die Dinge würden also schnell kompliziert werden, käme er ins Land.

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Seite 1
sviothiod 07.11.2013
1. Was einem da in den Sinn kommt
"Aber ich liebe euch doch alle."
hansulrich47 07.11.2013
2. Wer solche Freunde hat,
braucht eben keine Feinde. Mal ganz ruhig betrachtet, D ist für die US eine Basis zum Kohle machen, wie andere Länder auch. Das wird einfach übersehen. Nur wer an den Weihnachtsmann glaubt, sieht das anders. Wenns nicht genug Kohle gibt, (wie bei Opel) werden die Optionen zum Steuersparen, Gewinnverschieben usw komplett genutzt. Filme macht man mit dumb German money. Warum auch nicht? Das US Selbstverständnis ist doch so! Zock Deine Mitbürger im Rahmen der Gesetze ab.
bebe_flusi 07.11.2013
3. diese Anbiederung...
Obamas irische Wurzeln.., Kindheit Kerrys... wie war das mit Heusinger ? "Lieben Sie Deutschland ?" "Ich liebe meine Frau."
stefan-hans.bauer 07.11.2013
4. Skull and Bones
Man sollte nicht vergessen, wer John Kerry ist: ein bekennendes Mitglied von Skull and Bones. Außerdem wollte er uns den Krieg gegen Syrien aufzwingen. No one likes warcriminals, John! Wenn er nach Deutschland kommt, dann sollte er ein öffentlich live übertragenes Interview durch Jeremy Scahill ertragen müssen.
konseins 07.11.2013
5. vor ziemlich genau 24 jahren...
Ich liebe – Ich liebe doch alle – alle Menschen – Na ich liebe doch – Ich setze mich doch dafür ein
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