US-Außenminister Kerry in Afghanistan: Freunde für einen Tag

Aus Kabul berichtet

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AFP

John Kerry über Hamid Karzai: "Ich bin sehr, sehr zufrieden"

Bei seinem Besuch in Kabul zeigt sich US-Außenminister Kerry geschmeidig: Trotz kürzlicher Hass-Reden von Präsident Karzai gegen die USA schmeichelt er ihm und lässt sich versprechen, dass alles besser wird. Die gegenseitigen Höflichkeiten können die wirklichen Probleme nur kurz übertünchen.

US-Außenminister John Kerry und Afghanistans Präsident Hamid Karzai nahmen sich am Montagnachmittag ziemlich viel Zeit. Der neue Chef-Diplomat aus Washington und sein Gastgeber sprachen hinter verschlossenen Türen mehr als zweieinhalb Stunden miteinander. Dann erst schritten sie lächelnd im pompösen Säulensaal des Palasts vor die wenigen vom Palast ausgewählten afghanischen Journalisten und die mit Kerry eingeflogenen US-Reporter. So spät war es mittlerweile geworden, dass einige von ihnen rasch geweckt werden mussten.

Was Kerry und Karzai am späten Abend vorführten, kann man eigentlich nur als diplomatischen Dehnübung beschreiben. Trotz des schier endlosen Streits zwischen Kabul und Washington über ein Truppenabkommen für die Zeit nach dem Abzug der Nato-Truppen 2014, trotz der offenen Hetze Karzais gegen die USA, denen er sogar eine Kooperation mit den Taliban nachsagte, trotz der massiven Vorwürfe Karzais gegen die Spezialeinheiten der USA, lieferten die beiden nach ihrem langen Gespräch eine regelrechte Show der Einigkeit. Statt zu streiten, flöteten sie von Freundschaft und Plänen für die Zukunft.

Karzai und Kerry führten in Kabul vor, wie man einen rabiaten Zwist zwischen zwei Ländern zumindest für die Öffentlichkeit entspannen kann, wenn man es denn nur will. Karzai behauptete einfach stur, seine letzten Hass-Reden gegen die USA seien von den Medien falsch wiedergegeben worden, er habe nie von einer Kooperation zwischen den USA und den Taliban gesprochen. Sein Gast aus den USA nahm den Faden gerne auf. "Ich glaube nicht, dass es zwischen uns Meinungsunterschiede gibt und ich bin sehr, sehr zufrieden mit der Erklärung des Präsidenten", so Kerry. Damit war dann auch alles dazu gesagt.

Kurz vor dem Eintreffen Kerrys hatte man tatsächlich zwei Stolpersteine zwischen Washington und Kabul aus dem Weg geräumt. Trotz massiver Sicherheitsbedenken übergaben die USA nur Stunden vor Kerrys Landung das berüchtigte Gefängnis von Bagram und seine 4000 Häftlinge, die die USA in den letzten Jahren beim Kampf gegen die Taliban festgenommen hatten, an die Afghanen. Schon am Wochenende hatte das Pentagon zudem angekündigt, die von Karzai ins Visier genommenen US-Spezialeinheiten würden die Provinz Wardak umgehend verlassen.

Folglich zeigte sich Karzai plötzlich von seiner angenehmen Seite. Lächelnd sprach er von "meinem Freund John", einem guten Tag für Afghanistan und begann auch gleich, die Leistungen der USA für Afghanistan überschwänglich zu loben. "Wenn ich etwas kritisiere", versuchte sich Karzai in einer Erklärung für seine teils wirren Reden, "tue ich das nicht, um unsere Verbündeten anzugreifen, sondern um die Situation zu verbessern". Als Präsident sei das nun mal seine Aufgabe.

Bei aller Diplomatie machte Kerry zumindest manchmal zwischen den Zeilen deutlich, dass die USA von Karzai im kommenden Jahr einiges erwarten. So gab er zu verstehen, dass Karzai sich nicht einbilden solle, er könne noch eine dritte Amtszeit anstreben. Auch wenn der afghanische Präsident seit Jahren wiederholt, er wolle sich 2014 zur Ruhe setzen und im April freie Wahlen abhalten, will ihm das niemand so recht abnehmen.

Die Forderung der USA nach freien Wahlen verpackte Kerry in recht weiche Formulierungen. "Wir wollen die Vision, die er uns erklärt hat", sagte er in Bezug auf die Karzai-Ankündigungen, "er hat freie Wahlen versprochen und das ist ein historischer Schritt". Bei all den Freundlichkeiten gab sich auch Karzai als Fan der Demokratie. "Wir werden nicht die Umstände der Wahlen von 2009 wiederholen", versprach er. Damals hatte Karzai den Urnengang so massiv manipuliert, dass die Wahlen auf US-Druck hin wiederholt wurden. Ironischerweise war es damals Kerry, der Karzai dazu drängte.

Die warmen Worte können die schwierigen Beziehungen zwischen Kabul und Washington kaum übertünchen. Spätestens bei den Verhandlungen über das Abkommen zur Stationierung von US-Truppen nach dem Nato-Abzug, das ist den USA klar, wird man wieder den alten, störrischen Karzai kennenlernen. Viele internationale Beobachter glauben, dass Karzai das Abkommen absichtlich hinauszögert, um bei den Wahlvorbereitungen freier agieren zu können. "Wir machen uns keine Illusionen", so ein Berater aus dem Kerry-Stab noch vor Beginn der Pressekonferenz, "Karzai ist nur ein Freund für einen Tag".

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1.
Onkel_Karl 25.03.2013
Zitat von sysopBeim seinem Besuch in Kabul zeigt sich US-Außenminister Kerry geschmeidig: Trotz kürzlicher Hass-Reden von Präsident Karzai gegen die USA schmeichelt er ihm und lässt sich versprechen, dass alles besser wird. Die gegenseitigen Schmeicheleien können Widersprüche nur kurz übertünchen. US-Außenminister Kerry und Afghanistans Präsident umschmeicheln sich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-aussenminister-kerry-und-afghanistans-praesident-umschmeicheln-sich-a-890903.html)
Was hat Karzei wohl bei diesem Besuch empfunden,er weiss schon dass USA ihn fallen lassen werden und offen mit Taliban in Katar verhandeln. Wie muss sich ein Mann fühlen,wenn er merkt wie er missbraucht wurde,er wurde dazu benutzt US Interessen für 10 Jahre zu vertreten aber jetzt ist er überflüssig geworden und neue Weltordnung braucht keinen Karzei mehr. Überall auf der Welt wird alles neu,die Feinde von gestern sind die Freunde von heute. Terroristen sind nicht mehr Terroristen,sondern Freiheitskämpfer. Souveräne Länder sind nicht mehr in und die Grenzen werden neu gezogen,Presidenten werden zum Rücktritt aufgefordert mit der Begründung "eure Zeit ist um,es ist Zeit zu gehen" und obwohl weder in Tunesien noch in Ägypten nach dem "friedlichen" Abgang der Despoten etwas zum besseren verändert hat,es geht den Menschen noch viel schlechter als unter der Diktatur aber wir sind schon viel weiter und wollen nächstes Land "befreien"... P.S. Kinn von Kerry ist schon gewaltig,er sieht aus wie ein Mutant;) Eine Mischung aus einem Menschen und einem Holzhammer...genau so geht er auch vor,erst in Bagdad die Marionetten auf den Boden der Tatsachen geholt und jetzt ist Karzei dran..hat es nich etwas mit Demokratie zu tun,kann mir das einer erklären? In keinem eizigen Land haben wir den Menschen geholfen,in jedem Land herrscht Chaos und Krieg..wer kann mir das erklären oder werden wir wie bis Jahr 1945 warten und danach sagen aber wir wussten nicht was wir den Menschen in der Region angetan haben,wir waren uns sicher wir helfen den Menschen(obwohl diese Länder sich mit allen Mitteln gegen unserer Hilfe wehren),in EU werden wir schon gehasst und was soll ein Iraker oder Syrier empfinden,wenn Westen Islamisten und Kriminelle für den Kampf gegen syrisches Volk anwerben und sie als Freiheitskämpfer verkaufen...
2. wovor hast du angst admin,vor der wahrheit
Onkel_Karl 25.03.2013
Zitat von sysopBeim seinem Besuch in Kabul zeigt sich US-Außenminister Kerry geschmeidig: Trotz kürzlicher Hass-Reden von Präsident Karzai gegen die USA schmeichelt er ihm und lässt sich versprechen, dass alles besser wird. Die gegenseitigen Schmeicheleien können Widersprüche nur kurz übertünchen. US-Außenminister Kerry und Afghanistans Präsident umschmeicheln sich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-aussenminister-kerry-und-afghanistans-praesident-umschmeicheln-sich-a-890903.html)
Was hat Karzei wohl bei diesem Besuch empfunden,er weiss schon dass USA ihn fallen lassen werden und offen mit Taliban in Katar verhandeln. Wie muss sich ein Mann fühlen,wenn er merkt wie er missbraucht wurde,er wurde dazu benutzt US Interessen für 10 Jahre zu vertreten aber jetzt ist er überflüssig geworden und neue Weltordnung braucht keinen Karzei mehr. Überall auf der Welt wird alles neu,die Feinde von gestern sind die Freunde von heute. Terroristen sind nicht mehr Terroristen,sondern Freiheitskämpfer. Souveräne Länder sind nicht mehr in und die Grenzen werden neu gezogen,Presidenten werden zum Rücktritt aufgefordert mit der Begründung "eure Zeit ist um,es ist Zeit zu gehen" und obwohl weder in Tunesien noch in Ägypten nach dem "friedlichen" Abgang der Despoten etwas zum besseren verändert hat,es geht den Menschen noch viel schlechter als unter der Diktatur aber wir sind schon viel weiter und wollen nächstes Land "befreien"... P.S. Kinn von Kerry ist schon gewaltig,er sieht aus wie ein Mutant;) Eine Mischung aus einem Menschen und einem Holzhammer...genau so geht er auch vor,erst in Bagdad die Marionetten auf den Boden der Tatsachen geholt und jetzt ist Karzei dran..hat es nich etwas mit Demokratie zu tun,kann mir das einer erklären? In keinem eizigen Land haben wir den Menschen geholfen,in jedem Land herrscht Chaos und Krieg..wer kann mir das erklären oder werden wir wie bis Jahr 1945 warten und danach sagen aber wir wussten nicht was wir den Menschen in der Region angetan haben,wir waren uns sicher wir helfen den Menschen(obwohl diese Länder sich mit allen Mitteln gegen unserer Hilfe wehren),in EU werden wir schon gehasst und was soll ein Iraker oder Syrier empfinden,wenn Westen Islamisten und Kriminelle für den Kampf gegen syrisches Volk anwerben und sie als Freiheitskämpfer verkaufen...
3. Tatsächlich?
Thomas-Melber-Stuttgart 26.03.2013
Zitat von sysopTrotz kürzlicher Hass-Reden von Präsident Karzai gegen die USA ...
Man muß Herrn Karzai nicht mögen, aber daß er "Haß-Reden" gehalten hätte wäre mir neu.
4. Präsident Karzai
hansreinhardt 26.03.2013
ist zusammen mit John Major (sic!) Geschäftsführer eines Öltransportunternehmens, i.e. eine Pipeline-Betreibergesellschaft. Ich woltte das hier nur noch einmal in Erinnerung rufen. Und ünrigens stehen die Minister Afghanistans zum überwiegenden Teil auf Berlins Lohnliste. Also schauen wir mal was 2014 kommt. Oder geht ..... Ach so, fast vergaß ich: wie geht es unsren Drogenfeldern? Schlafmohn OK?
5. Jede US Regierung, die sich in
hugahuga 26.03.2013
Zitat von sysopBeim seinem Besuch in Kabul zeigt sich US-Außenminister Kerry geschmeidig: Trotz kürzlicher Hass-Reden von Präsident Karzai gegen die USA schmeichelt er ihm und lässt sich versprechen, dass alles besser wird. Die gegenseitigen Schmeicheleien können Widersprüche nur kurz übertünchen. US-Außenminister Kerry und Afghanistans Präsident umschmeicheln sich - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-aussenminister-kerry-und-afghanistans-praesident-umschmeicheln-sich-a-890903.html)
Afghanistan versucht hat, ist gescheitert. Wann endlich wird dieses erkannt und werden die Versuche als nicht zielführend beendet?
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Fläche: 652.225 km²

Bevölkerung: 31,412 Mio.

Hauptstadt: Kabul

Staats- und Regierungschef: Hamid Karzai

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