Anti-Terror-Krieg US-Basis in Deutschland soll Drohnenangriffe unterstützen

Gezielte Tötungen durch US-Drohnen finden immer häufiger in Afrika statt - die lautlosen Killer schlagen vor allem in Somalia zu. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" sollen die rechtlich fragwürdigen Missionen seit geraumer Zeit auch von US-Basen in Deutschland logistisch unterstützt werden.

US-Drohne "Predator": "Angriffe in Afrika offenbar von Basen in Deutschland unterstützt"
USAF

US-Drohne "Predator": "Angriffe in Afrika offenbar von Basen in Deutschland unterstützt"


Berlin - Die US-Armee soll ihre tödlichen Angriffe mit unbemannten Drohnen in Afrika von ihren Basen in Deutschland aus technisch unterstützen. Unter der Überschrift "US-Streitkräfte steuern Drohnen von Deutschland aus" veröffentlichte die "Süddeutsche Zeitung" gemeinsame Recherchen mit dem ARD-Magazin "Panorama". Demnach würden in einer speziellen Einrichtung der US-Basis Ramstein Daten für die Drohnenangriffe empfangen und an die Drohnenpiloten in den USA weitergeleitet.

Das US-Militär befehligt seit mehreren Jahren über das 2008 eingerichtete Zentrum Africom in Stuttgart alle Einsätze der amerikanischen Streitkräfte auf dem afrikanischen Kontinent. Laut den Recherchen der beiden Medien spielt Africom und die Airbase Ramstein bei Drohnenangriffen gegen Terrorverdächtige zum Beispiel in Somalia eine wichtige Rolle. Aufgrund der extremen Geheimhaltung sei die genaue Rolle von Ramstein unklar. Das US-Militär versicherte aber, dass für alle militärischen Operationen in Afrika die Verantwortung bei Africom liege.

Laut den Recherchen ist die Anlage in Deutschland wichtig für die Drohnenangriffe. Ohne die Satelliten-Relais-Station für unbemannte Flugobjekte "können Drohnenangriffe nicht durchgeführt werden", zitieren die beiden Medien aus einem Papier der U.S. Air Force. Demnach soll die Anlage, die bisher temporären Charakter hat, in sechs Monaten durch eine feste Installation ersetzt werden. So soll sie Kommunikation der Piloten in den USA mit den Drohnentypen "Predator", "Reaper" und "Global Hawk" über Afrika verbessert werden.

US-Armee sucht Analysten im Raum Stuttgart

Bis heute sollen in Somalia rund zehn tödliche Drohnenangriffe durch das US-Militär durchgeführt worden sein. Bis zu 29 Menschen starben, die meisten sollen Mitglieder der militanten somalischen Schabab-Milizen gewesen sein, die einen islamischen Staat errichten wollen. Auch in anderen Ländern Afrikas operiert die US-Armee meist zur Aufklärung mit unbemannten Drohnen, die in mehreren afrikanischen Nationen stationiert sind. Die Todes-Missionen der Drohnen sind hoch umstritten und müssen vom US-Präsidenten persönlich genehmigt werden.

Angeblich sucht die US-Armee im Raum Stuttgart auch Analysten, die Drohnenangriffe in Afrika planen. Demnach gebe es Stellenausschreibungen für "Geheimdienst-Analysten", deren Job es sein soll, Ziele für die Drohnen der Amerikaner zu "nominieren". Die Medien schließen daraus, dass in Stuttgart gezielte Tötungen in Afrika geplant werden. Ob sie dafür deutsches Personal anheuern will, geht aus den Berichten nicht hervor.

Die Bundesregierung teilte den Medien mit, sie habe keine Anhaltspunkte, dass solche US-Drohnenangriffe in Deutschland geplant oder durchgeführt würden. Sie betonte zugleich, dass aus verfassungsrechtlicher Sicht der Grundsatz gelte, "dass von deutschem Staatsgebiet aus keine völkerrechtswidrigen militärischen Einsätze ausgehen dürfen". Omid Nouripour, verteidigungspolitischer Sprecher der Grünen, verlangte, Berlin müsse der US-Regierung untersagen, "weiterhin extralegale Tötungen von Deutschland aus zu organisieren".

mgb



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insgesamt 64 Beiträge
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Seite 1
e_d_f 30.05.2013
1. Was soll die Aufregung?
Wir sollten froh sein, dass die USA uns die Drecksarbeit abnehmen und die Schwachmaten aus dem Verkehr ziehen!
opar 30.05.2013
2. Wenn die Süddeutsche meint, die Drohnenangriffe
Zitat von sysopUSAFGezielte Tötungen durch US-Drohnen finden immer häufiger in Afrika statt - die lautlosen Killer schlagen vor allem in Somalia zu. Nach Angaben der "Süddeutschen Zeitung" sollen die rechtlich fragwürdigen Missionen seit geraumer Zeit auch von US-Basen in Deutschland logistisch unterstützt werden. http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-basis-in-deutschland-soll-drohnen-angriffe-in-afrika-steuern-a-902910.html
seien rechtlich fragwürdig, sollte sie diese Behauptung doch einmal im Detail begründen. Aber bitte nicht über den dicken moralischen Zeigefinger, sondern anhand der Faktenlage und der Realität. Für mich macht es rechtlich nicht den geringsten Unterschied, ob ich einen Trupp Soldaten losschicke, die irgendwelche Terroristen dann erschießen, oder ob ich ein Kampfflugzeug losschicke, das dann mit hunderten von Stundenkilometern über die Terroristengruppe hinwegjagt und dabei eine Bombe abwirft, oder ob dasselbe Ergebnis durch eine bewaffnete Drohne erzielt wird. Entweder, ich darf diese Leute dort angreifen, oder ich darf es nicht. Bei der Wahl der Methode kann man vielleicht noch diskutieren, welche davon mit Blick auf die unbeteiligte Zivilbevölkerung das gezielteste Mittel darstellt, aber gerade da liegt ein Drohenangriff weit vorn. Was nämlich mit einer Drohne viel leichter möglich ist, und deshalb nach Möglichkeit gemacht wird ist, zu warten, bis die feindliche Gruppe außerhalb eines Ortes unterwegs ist, womit die Gefahr für unbeteiligte Zivilisten bei Null liegt. Das geht weder mit einem Trupp Soldaten, noch mit einem bemannten Kampfjet oder Hubschrauber.
butternut 30.05.2013
3. Islamisten unter Druck setzen
Die Drohnenangriffe müssen noch stärker ausgeweitet werden, um die Anführer und Finanziers der islamischen Terroristen effektiver unter Druck zu setzen. Gerade die Finanziers sollten gezielt getötet werden. Aber Obama ist zu feige, um an den widerlichsten Terrorfinanziers (z. B. Scheich von Katar) ein Exempel zu statuieren. IMHO
winfired 30.05.2013
4. Amis raus aus Deutschland!
Wir haben weder das recht noch die Plicht irgendwelche Kriege zu beginnen, und wenn dies nicht mehr gilt dann lasst mich mit dem Vergangenheitsschrott auch in Ruhe!
omarius 30.05.2013
5. wo
muss man sich bewerben ?
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