US-Botschafter Emerson Amerikas neuer Mann in Berlin

Es gab schon angenehmere Zeiten, um als US-Botschafter in Berlin anzufangen: Wegen der Abhöraffäre muss John B. Emerson das Vertrauen der Deutschen zurückgewinnen. Aber mit Krisenmanagement dürfte sich der bisherige Investment-Banker auskennen.

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Berlin - Eigentlich ist es eine Belohnung. Wer von Barack Obama auf einen interessanten Botschafter-Posten berufen wird, dem hat der amerikanische Präsident häufig etwas zu verdanken. John B. Emerson soll anderthalb Millionen US-Dollar für Obamas letzten Wahlkampf gesammelt haben - nun darf der Demokrat nach Berlin. Dabei gibt es in diesen Tagen wohl sehr viel angenehmere Länder für einen amerikanischen Botschafter: Emerson tritt seinen Dienst mitten in der US-Abhöraffäre an.

Vorgänger Phil D. Murphy riet Emerson bei seinem Abschied, in Berlin mit allem zu rechnen: "Das Unerwartete ist am schwierigsten." Aber fürs erste dürfte der neue Botschafter genug mit dem zu tun haben, was zu erwarten ist: Er muss Vertrauen zurückgewinnen. Viele Deutsche waren nach dem Bekanntwerden der US-Abhöraktivitäten schockiert.

Emerson, 59, tritt in dieser Woche sein neues Amt in Deutschland an. Am Donnerstagnachmittag wurde er von Vertretern des Auswärtigen Amts am Berliner Flughafen Tegel abgeholt, nach Vorlage des Beglaubigungsschreibens bei Präsident Joachim Gauck kommenden Montag darf er seine Aufgaben offiziell wahrnehmen.

Ist Emerson gewappnet?

Der bisherige Top-Banker - er war Präsident der Capital Group Private Client Services, einer der größten Investmentgesellschaften der Welt - dürfte allerdings gewappnet sein für den heiklen Start in Berlin: "Sie werden voraussichtlich am ersten Tag Fragen dazu beantworten müssen" - das gab ihm der Komitee-Vorsitzende Christopher Murphy bei der Anhörung im Auswärtigen Ausschuss des US-Senats am 25. Juli mit auf den Weg, wo alle vom Präsident nominierten Botschafter bestätigt werden müssen.

Auf die Frage, wie er mit diesem Thema umgehen werde, nahm sich der damals noch designierte Botschafter gut anderthalb Minuten Zeit: "Das ist ein sehr, sehr wichtiges Thema", sagte Emerson zur Einleitung und betonte gleichzeitig die "außerordentliche Beziehung zwischen Deutschland und den USA". Er sei sich aber "der Sorge sehr bewusst, die da geäußert wird". Seine Devise als Amerikas oberster Vertreter in Berlin: "Als Botschafter ist es meine erste Aufgabe, zuzuhören und mich zu engagieren". Und er werde immer wieder zusichern, dass man im gemeinsamen Kampf gegen den Terror stets "basierend auf dem geteilten Respekt vor dem absoluten Vorrang des Rechts" vorgehe.

Aus Sicht des vorsitzenden Senator Murphy gab es nach diesem Kurzvortrag jedenfalls keine Zweifel mehr an der Qualifikation Emersons für seinen neuen Job - und die besonderen Anforderungen im Moment: "Sie werden einen exzellenten Botschafter abgeben."

Emerson, der mit seiner Frau Kimberly und drei Töchtern von Los Angeles nach Berlin zieht, hat im Vergleich zu manchem ehemaligen US-Botschafter jedenfalls einen großen Vorteil: Dass er wie sein Vorgänger Murphy deutsch spricht und das Land kennt, dürfte ihm nicht nur in der Öffentlichkeit Sympathien einbringen, sondern auch bei seinen dienstlichen Kontakten helfen.

Mit zwölf Jahren lernte er deutsch

Schon mit zwölf Jahren lernte er deutsch, die Muttersprache seiner Großeltern väterlicherseits. "Was aber mehr damit zu tun gehabt haben dürfte, dass es mein Vater und meine Großmutter sprachen, wenn ich nicht wissen sollte, worum es ging", wie Emerson bei seiner Vorstellung im Senat bekannte. Er hat Deutschland oft besucht, schon als Student, später unter anderem auf Einladung der Friedrich-Ebert-Stiftung. Auch seine Frau hat deutsche Wurzeln.

Und als vorheriger Investmentbanker - eine weitere Parallele zu Murphy - dürfte Emerson einen zweite Qualifikation mitbringen, die ihm in diesen Tagen helfen sollte: Er kennt sich mit Krisenmanagement aus.

Auch politisch bringt der Jurist Emerson einiges an Erfahrung mit: Von 1993 bis 1997 arbeitete er im Stab des damaligen US-Präsidenten Bill Clinton, den aktuellen Präsidenten Obama hat er in Handelsfragen beraten.

Phil Murphy, der bisherige Botschafter - in den USA sogar Mitbesitzer eines Profi-Frauenteams - punktete in Deutschland sofort mit seiner Fußball-Leidenschaft, häufig schaute er sich Bundesliga-Spiele im Stadion an. Emerson scheint eher ein Freund der schönen Künste zu sein, in Los Angeles leitete er ehrenamtlich das Music Center, zu dem unter anderem die Los Angeles Philharmoniker und die LA Opera gehören.

Vielleicht dürfen sich also die Berliner Philharmoniker demnächst über einen neuen Fan und Unterstützer freuen.



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