Präsidentschaftswahl US-Demokraten entmachten Superdelegierte

Bisher konnten mächtige Superdelegierte maßgeblich mitbestimmen, welcher Kandidat für die Demokraten zur Präsidentenwahl antritt. Jetzt hat ein Parteigremium ihren Einfluss begrenzt.

Democratic National Committee (DNC)
REUTERS

Democratic National Committee (DNC)


Rund zwei Jahre vor der nächsten Präsidentschaftswahl in den USA haben die Demokraten entscheidende Veränderungen an ihrem Nominierungsprozess für Kandidaten vorgenommen. Mitglieder des Parteigremiums DNC stimmten mehrheitlich dafür, den Einfluss der sogenannten Superdelegierten zu begrenzen.

Das sind ranghohe Parteimitglieder, deren Rolle während des Vorwahlkampfs zwischen Hillary Clinton und ihres Konkurrenten Bernie Sanders in die Kritik geraten war.

Wie die Republikaner sieben auch die Demokraten ihren Präsidentschaftskandidaten in Vorwahlen aus einem Bewerberfeld aus. Dabei werden Delegierte für einen Parteitag bestimmt. Dieser nominiert dann im Sommer des Wahljahres endgültig den Kandidaten.

Neben den normalen Delegierten gibt es bei den Demokraten aber auch mehrere Hundert Superdelegierte. Das sind Mandatsträger, wie Gouverneure oder Abgeordnete, aber auch ehemalige prominente Parteivertreter, wie etwa Ex-Präsidenten. Die Superdelegierten sind auf dem Nominierungsparteitag abstimmungsberechtigt, aber nicht an das Ergebnis einer Vorwahl gebunden.

Kritik an Superdelegierten

Während des Rennens zwischen Clinton und Sanders hatten viele Superdelegierte schon früh ihre Sympathie für die ehemalige First Lady gezeigt. Das Lager des linken Senators und viele seiner Anhänger kritisierten das als unfair. Sie argumentierten, dass es das Abstimmungsverhalten der Wähler in den Vorwahlen beeinflusst habe.

Nach den neuen Regeln können die Superdelegierten nicht mehr in der ersten Wahlrunde auf dem Parteitag abstimmen. Sollte es aber eine zweite Runde geben, dürften sie wählen.

Die parteiinternen Vorwahlen beginnen Anfang 2020, der Nominierungsparteitag ist dann im Sommer, die eigentliche Wahl findet im November statt. Es deutet alles darauf hin, dass es bei den Demokraten ein großes Bewerberfeld geben wird. Neben Sanders werden dem ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden sowie der linken Senatorin Elizabeth Warren Ambitionen auf eine Kandidatur nachgesagt.

tin/dpa



insgesamt 63 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
spon-1309986622190 26.08.2018
1. Again what learned
Wenigstens ziehen die Demokraten aus dem Clinton-Trump Debakel eine Lehre. Durch das irrationale festhalten an der im Volk unbeliebten Clinton tragen Sie meiner Meinung nach Einen erheblichen Anteil der verantwortung für die politische Lage.
nahatschalah 26.08.2018
2. Weiß jemand,
wann es das letzte Mal eine zweite Runde gab? Normalerweise ist es doch ein Ausscheidungsrennen und beim Nominierungsparteitag tritt nur noch ein Kandidat oder höchstens zwei an und eigentlich weiß jeder vorher, wer gewählt wird.
kajosch55 26.08.2018
3. So what?
Solange nur an den dümmsten Auswüchsen der Dummheit herumgedoktert wird und die politische Meinungsbildung weiterhin in einer Zirkusarena stattfinden soll, wird es keinen Fortschritt in den USA geben. Schon seltsam, in diesem Land finden quasi laufend technische Innovationen statt, die extrem gesellschaftsrelevant sind, nur die Politik krallt sich im 20. Jahrhundert fest. Das gibt zu deneken.
birdie 26.08.2018
4. Das amerikanische Wahlsystem krankt an dem Umstand, dass ...
bei einer Wahl zu einem Präsidenten allein die Stimmen sogenannter Wahlmänner (electors), nicht aber die einzelnen Stimmen der Wähler ausgezählt werden. Und zu allem undemokratischem Überfluss gilt am Ende die Regel "the winner takes all", der zufolge dem Gewinner jeden Wahlkreises einfach alle Wählerstimmen zugeschlagen werden. Das mag für eine Pokertischrunde ok sein, doch mit Demokratie hat das nichts gemein. Es macht hingegen deutlich, wie Herr Trump das Präsidentenamt "kaufen" konnte.
mwroer 26.08.2018
5.
Zitat von spon-1309986622190Wenigstens ziehen die Demokraten aus dem Clinton-Trump Debakel eine Lehre. Durch das irrationale festhalten an der im Volk unbeliebten Clinton tragen Sie meiner Meinung nach Einen erheblichen Anteil der verantwortung für die politische Lage.
Welche Lehre ziehen sie denn? Die Superdelegierten an sich bleiben. Reden dürfen und werden sie auch. Also die Beeinflussung während der Vorwahlen bleibt in jedem Fall schon mal bestehen - denn die 'Superdelegierten' dürfen ja nicht nur abstimmen sondern haben auch sonst innerhalb der Partei sehr viel Einfluss. Irgendwie scheint das mehr so eine Art 'PR Pflaster' zu sein. So wie pusten auf 'Aua' bei einem Kind. Hilft auch obwohl es keinerlei medizinischen Nutzen hat - und da ich nun mal ein misstrauischer Arsch bin frage ich mich natürlich automatisch welche Entscheidungen noch so getroffen wurden die nicht im Artikel stehen und die jetzt ggf ein bisschen in der Versenkung verschwinden.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.