Moskau - Für Russlands Führung werden die WikiLeaks-Enthüllungen immer unangenehmer. Zwar mochte Russlands Regierungschef Wladimir Putin in den von der Web-Organisation veröffentlichten und vom SPIEGEL analysierten US-Botschaftsdepeschen keine "Katastrophe" erkennen. In einem Interview mit CNN-Talker Larry King am Donnerstag Morgen gab der Russe lediglich seinen Unmut darüber zu Protokoll, dass US-Top-Diplomaten ihn und Präsident Dmitrij Medwedew mit den Zeichentrickhelden "Batman und Robin" verglichen.
Doch in dem riesigen Fundus der WikiLeaks-Dokumente finden sich noch weitere Details, die Russlands Führung in wenig vorteilhaftem Licht erscheinen lassen.
So kabelte die US-Botschaft in Moskau kurz nach dem August-Krieg zwischen Georgien und Russland nach Washington, dass Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy bei einem Gipfeltreffen aus der Haut fuhr und Russlands Außenminister Sergej Lawrow als "Lügner" beschimpfte.
Sarkozy hatte als Emissär der EU am 12. August 2008 mit Russlands Präsident Dmitrij Medwedew ein Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt, das unter anderem einen Abzug russischer Truppen von georgischen Territorium vorsah.
Bei einem Gipfeltreffen Anfang September aber beharrte Russlands Top-Diplomat auf einem Verbleib russischer Truppen auf georgischem Boden. Die Atmosphäre sei bei diesem Treffen "recht geladen gewesen und wurde ab und an offen feindselig", so ein US-Informant. Sarkozy habe den ihn deutlich überragenden Lawrow gar am "Revers gepackt und ihn einen Lügner" genannt. Die Russen, so wurde notiert, "antworteten eisig".
Ebenfalls wenig schmeichelhaft für die Russen sind Einschätzungen der US-Diplomaten im Fall des russischen Ex-Agenten Alexander Litwinenko, der 2006 in London ermordet wurde. Der Ex-Offizier des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB hatte sich ins britische Exil abgesetzt und war dort mit radioaktivem Polonium vergiftet worden. Die von WikiLeaks veröffentlichten Dokumente legen nun nahe, dass amerikanische Diplomaten der Auffassung zuneigen, Putin habe Kenntnis von dem Mordanschlag gehabt.
So bekundete der US-Ministerialdirektor Daniel Fried, er bezweifle, das "Schurken-Elemente" innerhalb der russischen Geheimdienste auf eigene Faust mit Litwinenko abgerechnet hätten, "ohne die Kenntnis Putins".
beb
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