Victoria Nulands Ausrutscher US-Diplomatin entschuldigt sich für "Fuck the EU"

Nach "Fuck" kommt "Sorry": Das US-Außenministerium hat sich bei der EU für beleidigende Äußerungen seiner Diplomatin Victoria Nuland entschuldigt - sie wurden auf einem YouTube-Video dokumentiert. Ein zweiter Mitschnitt belegt, wie erbost die Europäer über Amerikas Auftreten in der Ukraine sind.

REUTERS

Washington - Victoria Nuland will es nicht so gemeint haben. Wenige Stunden nachdem bekannt wurde, dass die US-Diplomatin die Europäer gegenüber einem Mitarbeiter mit den Worten "Fuck the EU" beleidigte, hat sie sich entschuldigt.

"Natürlich hat Frau Nuland mit ihren europäischen Partnern gesprochen und sich für die Bemerkungen entschuldigt", teilte Jennifer Psaki, Sprecherin des Außenministeriums in Washington mit. "Das ist ein neuer Tiefpunkt der russischen Spionagetaktik", sagte Psaki weiter.

Ähnlich äußerte sich Jay Carney, Sprecher des Weißen Hauses: "Da das Video zuerst von der russischen Regierung aufgegriffen wurde, die dann darüber twitterte, denke ich, dass das etwas über Russlands Rolle sagt", erklärte Carney weiter. Obamas Sprecher spielte auf einen Tweet von Dmitrij Loskutow an, einem Berater des russischen Vize-Premiers Dmitrij Rogosin. Loskutow hatte am Donnerstagvormittag das Video über Twitter verbreitet, mit der Bemerkung: "Ziemlich kontroverse Beurteilung der EU von der Abteilungsleiterin im State Department, Victoria Nuland."

Loskutow bestreitet, dass die Verbreitung des Videos von der russischen Regierung gesteuert wurde. Er selbst sei von einem Freund auf die Aufnahme aufmerksam gemacht worden und habe sie dann über seinen Twitter-Account verbreitet. "Die bloße Tatsache, dass ich inoffiziell auf das Video reagiert habe, wird benutzt, um Russland zu beschuldigen", beklagte sich Loskutow.

Deutsche EU-Diplomatin beklagt sich über USA

Die harsche Äußerung fiel in einem vertraulichen Telefongespräch zwischen Nuland und dem US-Botschafter in der Ukraine, Geoffrey Pyatt. Nuland verwies darin auf Pläne, einen Uno-Vertreter und Vizepräsident Joe Biden in die Verhandlungen zwischen Regierung und Opposition in der Ukraine einzubeziehen. "Die Uno könnte eine große Hilfe sein, um eine Einigung wasserdicht zu machen", sagte sie - und fand harsche Worte für die Europäische Union, deren Außenbeauftragte Catherine Ashton derzeit mit Kiew verhandelt. "Weißt du, fuck the EU", sagt Nuland.

Am Mittwoch hatte ein bisher anonymer Nutzer das Video bei YouTube online gestellt. Es ist nicht das einzige vertrauliche Telefonat, das dort zu hören ist. Am gleichen Tag veröffentlichte derselbe Nutzer einen Mitschnitt, auf dem die stellvertretende EU-Außenbeauftragte Helga Schmid und der EU-Botschafter in der Ukraine, Jan Tombinski, zu hören sein sollen.

In dem vertraulichen Telefonat beklagt sich die deutsche Diplomatin: "Die Amerikaner gehen ein bisschen rum und erzählen, dass wir zu weich sind, während sie stärker sind, und auf Sanktionen gehen." Darüber seien die Europäer, allen voran "Cathy" - gemeint ist offenbar die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton - sehr verärgert. "Das geht nicht. Cathy wird das auch mit Kerry ansprechen", sagt Schmid weiter. "Das ist wirklich sehr unfair, wenn sie das verbreiten."

Der YouTube-Mitschnitt des Telefonats zwischen Schmid und Tombinski trägt den russischen Untertitel "Wie sie die Ukraine spalten". Die Veröffentlichung der vertraulichen Gespräche dürfte jedoch eher dazu führen, einen Keil zwischen Amerikaner und Europäer zu treiben.

syd/dpa/Reuters

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 324 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
lemmy01 07.02.2014
1.
So wird man international bekannt....
Jobuch 07.02.2014
2. Wozu entschuldigt sie sich?
Sie hat mit ihrer Äußerung zu 100% recht. Ich bin genau ihrer Ansicht.
gestiefelterkater33 07.02.2014
3. Cool
Echt Cool, nich nur die Amis können alles ausspähen :-)))) Freut mich dann doch irgendwie :)
einmensch2013 07.02.2014
4. Auch eine Diplomatin...
.. darf in einem vertraulichen Gespräch das F-Wort benutzen. Wie war das mit dem Recht auf Privatsphäre? Dass hinter dem öffentlichen Bild der Diplomatie heftig Stühle gerückt werden, ist doch ihr ureigenstes Wesen. Dass die Amerikanerin sich in vertraulichem Rahmen so ausdrückt, ist ihre Sache. Und sollte es bleiben. Gründe für Korrekturen gibt es andere.
san-shine 07.02.2014
5. Unterste klasse
Schröder hat es ja schon gesagt. Die Amerikaner haben einfach keinen Respekt vor uns. Das sind immer noch die Cowboys die sie vorher waren. Erst schießen dann fragen. Ich verstehe nicht warum Merkel denen immer noch hinten rein kriecht???
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.