Grenzgebiet: US-Drohne tötet bis zu zehn Menschen in Pakistan

Erneuter Luftangriff im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet: Zwei US-Drohnen sollen dabei bis zu zehn Menschen getötet haben. Angeblich handelte es sich um Aufständische, die gerade den Angehörigen eines früheren Opfers ihr Beileid aussprachen.

US-Drohne beim Start in Afghanistan: Sechster Angriff innerhalb von zwei Wochen Zur Großansicht
dapd

US-Drohne beim Start in Afghanistan: Sechster Angriff innerhalb von zwei Wochen

Islamabad - Die Serie von Drohnenangriffen im pakistanisch-afghanischen Grenzgebiet geht weiter. Am Sonntagmorgen wurde laut pakistanischen Sicherheitsbeamten ein Gelände im Stammesgebiet Süd-Waziristan angegriffen. Dabei wurden laut unterschiedlichen Angaben zwischen fünf und zehn Menschen getötet. Erst am Samstag waren mindestens zwei Menschen bei einem ähnlichen Angriff im selben Distrikt getötet worden.

Am Sonntagmorgen seien Raketen auf die Ortschaft Mana Raghsai abgefeuert worden, erklärten zwei Gewährsleute. Dort hatten sich zu diesem Zeitpunkt mutmaßliche Aufständische versammelt, um den Angehörigen eines Extremisten zu kondolieren, der bei dem Drohnenangriff am Samstag getötet worden war.

"Eine Drohne feuerte mindestens vier Geschosse auf ein Gebäude, das angeblich von Aufständischen genutzt wurde. Es fing Feuer und wurde komplett zerstört", sagte ein Sicherheitsbeamter, der nicht namentlich genannt werden wollte.

Pakistan hat die USA schon mehrfach aufgefordert, die Angriffe in den Stammesgebieten einzustellen. Die USA halten aber weiter an ihrem Drohnenprogramm fest und haben erklärt, dieses sei im Kampf gegen al-Qaida und die Taliban unverzichtbar. Der jüngste Angriff war bereits der sechste innerhalb von zwei Wochen.

Unter US-Präsident Barack Obama sind die Angriffe mit Drohnen deutlich ausgeweitet worden. Von bisher rund 300 Attacken auf pakistanischem Gebiet entfallen laut dem US-Blog The Long War Journal gut 250 auf Obamas Amtszeit. Auch im Jemen ließ Obama die Drohnenangiffe verstärken.

Pakistans halbautonome Stammesgebiete liegen in der unzugänglichen Bergregion entlang der afghanischen Grenze. Die pakistanischen Behörden haben dort traditionell wenig Einfluss. Nach Auffassung der USA nutzen Taliban und al-Qaida die Grenzregion als Rückzugsgebiet, um von dort aus Angriffe in Afghanistan zu starten.

dab/dpa/dapd/AFP

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Drohnen im Einsatz: Krieg per Mausklick
Die wichtigsten Drohnentypen
"MQ-1 Predator"
Die "MQ-1 Predator" war im Jahr 1995 die erste Drohne, die bei der US-Luftwaffe zum Einsatz kam.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: rund 4.5 Millionen Dollar
Bewaffnung: zwei Luft-Boden-Raketen "AGM-114 Hellfire"
Maße: 8,23 m lang, 14,84 m Flügelspannweite
Reichweite: 3704 km
Flughöhe: max. 7620 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"MQ-9 Reaper"
Die "MQ-9 Reaper"(früher "Predator B") basiert technisch gesehen auf der "MQ-1 Predator". Sie ist aber für den Angriff optimiert, da sie die zehnfache Waffenlast im Vergleich zum Ursprungsmodell befördern kann. Eingesetzt wird sie von der US-Marine und Luftwaffe.

Hersteller: General Atomics Aeronautical Systems
Stückpreis: 10,5 Millionen Dollar
Bewaffnung: bis zu 1361 kg
(z.B. Raketen der Typen "AGM-114 Hellfire" und "AIM-9 Sidewinder" oder Bomben der Typen "GBU-12 Paveway II" und "GBU-38 DAM")
Maße: 10,97 m lang, 20,12 m Flügelspannweite
Reichweite: 5926 km
Flughöhe: max. 15.400 m
Steuerung: Fernsteuerung durch einen Piloten
"RQ-7 Shadow 200"
Die "RQ-7 Shadow 200" dient bei der US Army und dem US Marine Corps zur Aufklärung. Sie ist seit 2003 im Einsatz und kann keine Ziele angreifen.

Hersteller: AAI Corporation
Stückpreis: 275.000 Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 3,4 m lang, 3,9 m Flügelspannweite
Reichweite: 125 km
Flughöhe: max. 4600 m
Steuerung: autonom, mit GPS
"RQ-4 Global Hawk" / "Euro Hawk"
Die "RQ-7 Global Hawk" wird als Langstrecken-Aufklärungsdrohne eingesetzt. Sie existiert in zwei Versionen. Die spätere (RQ-4B) wurde auch von der Bundeswehr als "Euro Hawk" eingeführt, ausgestattet mit Sensoren der deutschen EADS. Die Drohne ist wesentlich größer als "Predator", "Reaper" und "Shadow" und mit einem Strahltriebwerk ausgestattet.

Hersteller: Northrop Grumman
Stückpreis: 35 Millionen Dollar
Bewaffnung: keine
Maße: 13,53 m lang, 35,42 m Flügelspannweite (RQ-4A) bzw. 14,50 m lang, 39,89 m Flügelspannweite (RQ-4B)
Reichweite: 25.000 km (RQ-4A) bzw. 22.780 km (RQ-4B)
Flughöhe: max. 19.800 m
Steuerung: autonom, mit GPS