Pakistan: Drohne tötet wichtigen Taliban-Kommandeur

Mindestens zehn Menschen sind bei Drohnenangriffen der USA im Nordwesten Pakistans getötet worden. Unter den Toten: ein bedeutender Taliban-Kommandeur namens Mullah Nazir.

Islamabad - Im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan haben die USA einen Drohnenangriff geflogen, bei dem offenbar ein wichtiger Kriegsherr ums Leben gekommen ist: Maulawi Nazir, auch bekannt als Mullah Nazir. Agenturen und pakistanische Nachrichtensender berufen sich auf Berichte aus Geheimdienstkreisen. Das Fahrzeug von Nazir und mindestens fünf weiteren Aufständischen ist demnach in Süd-Waziristan von zwei Raketen getroffen worden.

Nazir hatte in den vergangenen Jahren bewaffnete Anhänger zum Kampf gegen US- und Nato-Truppen nach Afghanistan geschickt. Er plädierte innerhalb der Extremistengruppe dafür, sich auf Angriffe auf US-Soldaten statt pakistanische Streitkräfte zu konzentrieren. Nazir war bereits im vergangenen November bei einem Angriff verletzt worden. Dieser wurde aber vermutlich von einer rivalisierenden Taliban-Gruppe verübt.

Bei einem weiteren US-Drohnenangriff in Nord-Waziristan wurden am Donnerstagmorgen nach Angaben der Sicherheitskräfte vier Taliban getötet.

Die halbautonomen Stammesgebiete an der Grenze zu Afghanistan gelten als Rückzugsgebiet des Terrornetzwerks al-Qaida, der Taliban und anderer militanter Gruppen. Der US-Geheimdienst weitete den Einsatz von Drohnen zur Bekämpfung der Aufständischen in der unzugänglichen Bergregion in den vergangenen Jahren massiv aus. Die Angriffe, bei denen auch immer wieder Zivilisten sterben, sind in der pakistanischen Bevölkerung extrem umstritten, werden von der Regierung in Islamabad aber toleriert.

Vater von Malala Yousafzai erhält Diplomatenposten

Islamabad hat nur begrenzten Einfluss in den Taliban-Gebieten. Die Extremisten wüteten auch im nordpakistanischen Swat-Tal, wurden jedoch vom Militär zurückgeschlagen. Dort fürchten viele nun eine schleichende Rückkehr der Taliban.

Über ihr Leben im Swat-Tal hatte 2009 die Pakistanerin Malala Yousafzai gebloggt. Seither kritisierte sie die Extremisten öffentlich und forderte immer wieder das Recht auf Bildung für Mädchen ein. Sie wurde für ihr Engagement mit dem nationalen Friedenspreis ausgezeichnet. Im Oktober 2012 wurde die damals 14-Jährige Opfer eines brutalen Attentats - und überlebte nur schwer verletzt, von Kugeln in Kopf und Schulter getroffen.

Wie jetzt bekannt wurde, erhält der Vater von Malala Yousafzai offenbar einen Diplomatenposten in Großbritannien. Die pakistanische Regierung habe angekündigt, Ziauddin Yousafzai werde als Attaché für Bildung im Konsulat in Birmingham arbeiten, berichteten mehrere Medien am Mittwoch. Seine Tochter erholt sich derzeit in einem Krankenhaus der zentralenglischen Stadt von dem Angriff. Zunächst soll der Vater den Angaben zufolge für drei Jahre entsandt werden, seine Stelle könne aber um zwei Jahre verlängert werden.

Kgp/dpa/Reuters/AFP

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1.
Hans58 03.01.2013
Zitat von sysopMindestens zehn Menschen sind bei Drohnenangriffen der USA im Nordwesten Pakistans getötet worden. Unter den Toten: ein bedeutender Taliban-Kommandeur namens Mullah Nazir. US-Drohne tötet Taliban-Kommandeur in Pakistan - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/ausland/us-drohne-toetet-taliban-kommandeur-in-pakistan-a-875508.html)
War der Kommandeur nun wichtig (Überschrift) oder bedeutend (Text)?
2. Aha die Drohne hat also getötet?!?
heinrich9 03.01.2013
Zitat von Hans58War der Kommandeur nun wichtig (Überschrift) oder bedeutend (Text)?
Das ist doch völlig egal!! Interessant wäre es diese Formulierung auch auf andere Ebenen zu übertragen: z.B.: In Newton tötete ein Maschinengewehr 16 Kinder oder Pistole erschoss Ehefrau! Was für eine zynische Form der Nichtauseinandersetzung mit kontinuierlichem Mord! Die Staaten und Gesellschaften, die meinen die Menschenrechtskonventionen erfunden zu haben, sind längst davon abgerückt!! Man kann einfach missliebige Gegner ohne Verfahren und mindeste rechtsstaatliche Anforderungen ermorden und hinterher, war es ja die Drohne gewesen!! Schämt euch!
3. Titel:
Deep Thought 03.01.2013
Da seinen eigenen Aussagen nach FRIEDENSNOBELPREISTRAEGER Obama ueber jeden Einsatz der Toetungsmaschinen hoechstselbst entscheidet, muss die Ueberschrift wohl korrekterweise heissen: "Obama laesst Widerstaendler toeten" Auch, wenn ich die Taliban hasse: SIE haben laut Voelkerrecht das Recht, sich gegn Invasoren zu wehren. Und laut Voelkerrecht hat Obama bzw die USA NICHT das Recht, in einem nicht mit ihnen im Kriegbefindlichen Land unter Missachtung der Souveraenitaet Menschen zu toeten...
4. MetaPhysik zur Ethik
spon-facebook-502565744 03.01.2013
Hat die Drohne getötet? das ist natürlich journalistischer Quatsch. Es tötet der Unteroffizier oder Offizier welcher die Dröhne steuert. Auch Quatsch, es tötet der Kommandeur der Drohnen-Einheit. Das ist natürlich auch Quatsch. Tötet Obama? oder tötet der Getöteten. Wann akzeptieren wir endlich, das a-Synchrome Kriegsführung die bisherigen Grenzen des Völkerrechts - das und nicht die Menschenrechtskonvention trifft hier im übrigen zu - überschreitet. Natürlich ist es ethisch schwer verdaulich, das wir mit technologischen Mitteln (Drohnen) auf tausenden KM-Entfernung menschen töten können, aber das ist das Wesen des Krieges. Politiker und selbsternannten Anführern betreiben dieser Art des Tötens seit Jahr-tausenden und ob wir es mögen, hassen oder lieben, Krieg ist ein integraler Bestandteil unserer Kulturen. Und gerade in diesem Fall hat man ethisch betrachtet immer wieder das Henne-Ei Problem. Der besagte Taliban-Kommandeur muss ja nicht zum Mord aufrufen, Menschen dazu ausbilden und dann in einem Krieg schicken. Er könnte ja auch seine Energie in den Aufbau seines Landes stecken, oder? Wir sollten endlich aufhören die moralische Keule zu schwingen und die Ursachen in unserer Betrachtung berücksichtigen. Nicht eine rethorische Rechthaberei wird uns dabei helfen sondern das Akzeptieren von kulturellen Unterschieden und das Respektieren von Einigkeit zur Uneinigkeit. Oder: im Klartext, in Pakistan/Afganistan findet einen Krieg statt und keine Kuschelrunde. Und: Demokratie nach westlichem Muster werden WIR in Afganistan nicht etablieren.
5. stimme Ihnen zu
tjivi 03.01.2013
Zitat von heinrich9Das ist doch völlig egal!! Interessant wäre es diese Formulierung auch auf andere Ebenen zu übertragen: z.B.: In Newton tötete ein Maschinengewehr 16 Kinder oder Pistole erschoss Ehefrau! Was für eine zynische Form der Nichtauseinandersetzung mit kontinuierlichem Mord! Die Staaten und Gesellschaften, die meinen die Menschenrechtskonventionen erfunden zu haben, sind längst davon abgerückt!! Man kann einfach missliebige Gegner ohne Verfahren und mindeste rechtsstaatliche Anforderungen ermorden und hinterher, war es ja die Drohne gewesen!! Schämt euch!
Die Drohnen töten willkürlich Zivilisten. Und das hat mit Menschenrechten nichts mehr zu tun.
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Fakten über Pakistan
Staatsgründung
REUTERS
Pakistan entstand 1947 aus den überwiegend muslimischen Teilen von Britisch-Indien. Zunächst bestand es aus den beiden Landesteilen West- und Ostpakistan, zwischen denen mehr als 1500 Kilometer Entfernung lagen. Beiden Teilen mangelte es jedoch an einer gemeinsamen nationalen Identität. Nach einem Krieg, bei dem Indien dem Osten half, entstand 1971 als neuer Staat Bangladesch .
Kaschmir-Konflikt
REUTERS
Seit der Staatsgründung führte Pakistan zwei große Kriege mit dem Nachbarn Indien um die Grenzregion Kaschmir , 1947/48 und 1965. Der Fürstenstaat Kaschmir hatte sich zunächst zu Indien zugehörig erklärt. Der islamische Staat Pakistan beanspruchte das überwiegend von Muslimen bewohnte Kaschmir jedoch für sich und gewann die Herrschaft über den westlichen und nördlichen Teil der Region. Doch auch Indien betrachtete Kaschmir als sein Territorium. Die von der Uno 1948 vorgeschlagene und vom indischen Premierminister versprochene Volksabstimmung, in der die kaschmirische Bevölkerung selbst über ihre Zukunft entscheiden sollte, wurde nie durchgeführt.

Seit den achtziger Jahren kämpfen im indischen Teil Kaschmirs muslimische Rebellen für die Unabhängigkeit der Region oder einen Anschluss an Pakistan. 1999 kam es wieder zu größeren militärischen Auseinandersetzungen mit mehreren hundert Toten, und 2001 standen die Atommächte Indien und Pakistan erneut am Rande eines Krieges. 2004 wurde ein Friedensprozess zwischen Neu-Delhi und Islamabad eingeleitet.

Der pakistanische Geheimdienst ISI steht im Verdacht, Kontakte zu islamistischen Terroristen zu pflegen. Indien wirft Pakistan die Unterstützung muslimischer Terroristen vor. Auch hinter der Anschlagserie in Mumbai 2008 vermutet Neu-Delhi islamistische Terroristen aus Pakistan.

Islam
AP
Mit der Verfassung von 1956 wurde Pakistan die erste islamische Republik der Welt. Der Islam ist Staatsreligion, gleichzeitig garantiert die Verfassung jedoch Religionsfreiheit. 96 Prozent der Pakistaner sind Muslime, der Präsident muss ebenfalls Muslim sein. Seit der Staatsgründung haben Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen über die Rolle des Islam im Staatsverständnis die Innenpolitik beherrscht.

Immer wieder gab es auch islamistische Tendenzen. So führte Diktator Zia ul-Haq die Scharia , die islamische Rechtsprechung, ein. 1997 erkannte Pakistan als erster Staat das extremistische Taliban -Regime in Afghanistan an und unterstützte es bis zu den Anschlägen vom 11. September 2001 . Während die Zentralregierung in Islamabad zu einem der wichtigsten Verbündeten der USA im Anti-Terror-Krieg avancierte, erstarkte die islamistische Opposition im Land.

Macht der Taliban
REUTERS
In den Stammesgebieten in der nordwestlichen Provinz an der Grenze zu Afghanistan hat die pakistanische Zentralregierung nur begrenzten Einfluss. Dort herrschen islamistische Extremisten und pakistanische Taliban , die sich teilweise auf die Hilfe der regionalen Stammesführer stützen. Die Enttäuschung über die korrupte staatliche Justiz und Verwaltung erhöhte die Attraktivität des Islamismus in der Bevölkerung.

Verstärkung erhielten die radikalen Islamisten von afghanischen Taliban aus den Reihen von Mullah Omar sowie Qaida -Kämpfern, die aus Afghanistan geflohen sind. Militante betreiben hier in Waziristan auch Ausbildungslager für international operierende Dschihadisten.

Kampf gegen die Extremisten
dpa
Die pakistanische Armee führte ab 2003 wiederholt Militäraktionen im Nordwesten gegen die Taliban - und Quaida -Terroristen durch. Als Reaktion verübten Terroristen verheerende Anschläge in pakistanischen Städten.

Die Amerikaner versuchen, die islamistischen Extremisten in ihren pakistanischen Verstecken mit ferngesteuerten Präzisionsraketen zu treffen. Doch diese Drohnen -Angriffe sind bei der Bevölkerung äußerst unpopulär und treiben die Menschen in die Arme der militanten Islamisten.

Das pakistanische Militär scheute zunächst die ernsthafte Konfrontation mit den Extremisten. Die Armee und der pakistanische Geheimdienst ISI haben diese Gruppierungen zum Teil Anfang der achtziger Jahre selbst aufgebaut, um im Kampf gegen die Sowjets in Afghanistan mitzumischen, und haben sie später im Kaschmir-Konflikt eingesetzt. Und noch immer betrachten viele Offiziere die Taliban nicht als ihren eigentlichen Gegner – der wahre Feind sei Indien .

Um die Aufständischen in den Stammesgebieten ruhigzustellen, versuchte schon Präsident Pervez Musharraf , Abkommen mit ihnen zu schließen, und versagte. Im April 2009 scheiterte ein Friedensabkommen, das sein Nachfolger, Staatschef Asif Ali Zardari , ausgehandelt hatte: Die Taliban sollten die Waffen niederlegen und im Gegenzug in der Region Malakand, zu der das Swat-Tal und fünf weitere Distrikte gehören, die Scharia anwenden dürfen. Mit Hilfe des islamischen Rechts können sich die Taliban die Bevölkerung legal gefügig machen - wer sich gegen ihre Herrschaft auflehnt, wird geköpft. Statt einer Feuerpause brachten sie vom Swat-Tal aus mehrere Distrikte unter ihre Kontrolle und rückten bedrohlich nahe an die Hauptstadt Islamabad heran, bis die Armee im Frühjahr 2009 eingriff und die Gebiete zurückeroberte. Im Oktober 2009 begann das Militär außerdem einen Krieg gegen die Taliban in der Region Südwaziristan.

Atomwaffen
REUTERS
1985 wurde in Pakistan erstmals Uran angereichert, seit 1998 besitzt das Land nachweislich Atomwaffen : Nur Tage nach indischen Atomtests zündete Pakistan im Mai 1998 in der Nähe der unbewohnten Chagai-Berge erfolgreich Kernwaffen. Die genaue Zahl der atomaren Sprengköpfe ist nicht bekannt, aber es sollen 60 bis 100 sein, die an verschiedenen Stellen im Land gelagert und von rund 10.000 Soldaten bewacht werden.

Damit gehört Pakistan neben den fünf offiziellen Atommächten USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und China sowie Indien, Israel und Nordkorea zum Kreis der neun Nuklearmächte, was die Bedeutung des verarmten Landes stark erhöht.

Militärbeobachter befürchten, Nuklearwaffen aus dem pakistanischen Waffenarsenal könnten aufgrund der Instabilität des Landes in die Hände von Extremisten fallen. Diese hätten damit ein Mittel in der Hand, dem Westen ihre Bedingungen zu diktieren. Geschürt wird die Angst vor diesem Horrorszenario dadurch, dass die Taliban in den vergangenen Monaten ihre Basis in den Stammesgebieten an der Grenze zu Afghanistan ausgebaut haben. Im April 2010 rückten sie bis auf 100 Kilometer Entfernung auf die Hauptstadt Islamabad vor, bevor sie vom pakistanischen Militär zurückgedrängt wurden.


SPIEGEL ONLINE

Fläche: 796.000 km²

Bevölkerung: 184,753 Mio. Einwohner

Hauptstadt: Islamabad

Staatsoberhaupt:
Mamnoon Hussain

Regierungschef: Nawaz Sharif

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