US-Erkenntnisse über al-Qaida: Bin Laden plagte sich mit internen Rivalen
US-Ermittler versuchen seit dem Tod Osama Bin Ladens, das Leben des Terrorfürsten zu rekonstruieren. Mit Hilfe von sichergestellten Datenträgern wollen sie nun herausgefunden haben: Der Qaida-Chef hatte nur wenig Zeit, Anschläge zu planen - er kämpfte intensiv gegen interne Widersacher.
Hamburg - Er war der meistgesuchte Mann der Welt, Tausende Menschen starben bei Attentaten seines Terrornetzwerks al-Qaida: Osama Bin Ladens Tod wurde in den USA als Erlösung gefeiert. Bei der Erstürmung seines Verstecks, in deren Verlauf er getötet wurde, stellten US-Spezialkräfte amerikanischen Angaben zufolge Unmengen an Datenträgern sicher.
Die Auswertung dieser Dokumente brachte nun einem Bericht der "Washington Post" zufolge einige interessante Erkenntnisse. Demnach verbrachte Bin Laden zuletzt genauso viel Zeit damit, Nachrichten über al-Qaidas interne Streitigkeiten zu verschicken wie mit der Suche nach Wegen, die Stärke des Terrornetzwerks zu erhalten.
Der Qaida-Führer bekam laut "Washington Post" im vergangenen Jahr zahlreiche E-Mails, in denen sich Mitglieder des Terrornetzwerks offen über die finanzielle Notlage al-Qaidas beklagen - und darüber, dass ihre Kämpfer vermehrt Drohnenangriffen zum Opfer fallen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Mitglieder der US-Spezialkräfte, welche die in Bin Ladens Versteck sichergestellten Datenträger auswerten und so versuchen, ein detaillierteres Bild des Terrornetzwerks zu zeichnen. Vermutlich werden die Ermittler von CIA und anderen Geheimdiensten noch Jahre brauchen, um das Material vollständig auszuwerten.
Seit Wochen sickern jedoch immer wieder angebliche Inhalte dieser Daten an die Öffentlichkeit. Weil es keine unabhängige Möglichkeit zur Überprüfung gibt, bleiben jedoch Zweifel angebracht. Es ist zum Beispiel nicht auszuschließen, dass die US-Regierung oder die CIA Teile des Materials bewusst streuen oder mit einem bestimmten Dreh versehen - und andere Teile absichtlich unter Verschluss halten.
Angst vor Verrätern und Informanten
Laut "Washington Post" machte sich Bin Laden zuletzt für den Aufbau einer eigenen Qaida-Spionageabwehreinheit stark - um Verräter in den eigenen Reihen ausfindig machen zu können. Doch schon Mitte des Jahres 2010 habe sich der Chef dieser Einheit bei Bin Laden darüber beschwert, dass "der Spionagekrieg" verloren werde und mit dem armseligen Budget nicht zu führen sei.
Einer der Männer, mit denen Bin Laden am häufigsten kommunizierte, war laut dem Bericht Qaida-Operationschef Attija Abd al-Rahman, der bis zu Bin Ladens Tod als Nummer drei des Terrornetzwerks galt. Eine Nachricht von ihm drücke Frustration darüber aus, dass die Drohnenangriffe der Amerikaner vielen seiner Leute das Leben gekostet hätten. "Er sagt in dem Brief, dass seine Leute schneller getötet werden als sie ersetzt werden können", so der US-Vertreter.
Andere Nachrichten haben offenbar eine ähnliche Botschaft: Einige stammen vom Chef der internen Qaida-Sicherheitseinheit, die zum Schutz gegen Infiltrierungen durch CIA-Informanten aufgebaut worden war. Der Mann beschwert sich dem Bericht zufolge "über ein sehr kleines Budget", lediglich wenige tausend Dollar stünden ihm zur Verfügung. Auch in anderen Korrespondenzen kommt laut US-Vertretern immer wieder die schwierige finanzielle Situation des Netzwerks zur Sprache.
wit
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- Samstag, 02.07.2011 – 14:28 Uhr
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November 2001, zitiert nach: Abou-Taam/Bigalke: "Die Reden des Osama Bin Laden"
Oktober 2003, zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"
Politische, geschichtliche und moralische Erörterungen vermischend, zeichnet Bin Laden das Bild einer Nation, die auf der Verliererstraße ist. Obwohl militärisch übermächtig, könnten die Amerikaner im Irak nicht gewinnen - weil sie zwar moralisch argumentierten, in Wahrheit aber nur den Interessen internationaler Konzerne folgten.
Das Ansehen der USA sei deswegen ruiniert. Um "den Krieg zwischen uns" zu stoppen, gebe es zwei Möglichkeiten: Entweder die Mudschahidin stellten die Kampfhandlungen ein, was aber nicht gehe, weil sie eine Pflicht erfüllten. Oder die USA sähen endlich ein, dass sie die Verlierer im Irak seien. Es sehe aber so aus, als würden sie die eigenen Fehler aus dem Vietnam-Krieg und die der Sowjets aus dem Afghanistan-Feldzug wiederholen und sich vor der besseren Einsicht drücken.
Es gebe allerdings einen Ausweg, sagte Bin Laden weiter: Die Amerikaner sollten "nach einem alternativen, aufrechten Weg suchen", in dem es nicht darum gehe, andere zum eigenen Nutzen zu unterdrücken. Natürlich hat dieser Weg auch einen Namen: Die Amerikaner sollen zum Islam konvertieren.
April 2004, zitiert nach: Lawrence: "Messages to the World. The Statements of Osama Bin Laden"
Nach dem 11. September 2001 auf al-Dschasira. Zitiert nach: Coll: "Die Bin Ladens. Eine arabische Familie"
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