US-Erkenntnisse über al-Qaida Bin Laden plagte sich mit internen Rivalen

US-Ermittler versuchen seit dem Tod Osama Bin Ladens, das Leben des Terrorfürsten zu rekonstruieren. Mit Hilfe von sichergestellten Datenträgern wollen sie nun herausgefunden haben: Der Qaida-Chef hatte nur wenig Zeit, Anschläge zu planen - er kämpfte intensiv gegen interne Widersacher.

Bin Laden (1998): Interne Streitigkeiten bei al-Qaida
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Bin Laden (1998): Interne Streitigkeiten bei al-Qaida


Hamburg - Er war der meistgesuchte Mann der Welt, Tausende Menschen starben bei Attentaten seines Terrornetzwerks al-Qaida: Osama Bin Ladens Tod wurde in den USA als Erlösung gefeiert. Bei der Erstürmung seines Verstecks, in deren Verlauf er getötet wurde, stellten US-Spezialkräfte amerikanischen Angaben zufolge Unmengen an Datenträgern sicher.

Die Auswertung dieser Dokumente brachte nun einem Bericht der "Washington Post" zufolge einige interessante Erkenntnisse. Demnach verbrachte Bin Laden zuletzt genauso viel Zeit damit, Nachrichten über al-Qaidas interne Streitigkeiten zu verschicken wie mit der Suche nach Wegen, die Stärke des Terrornetzwerks zu erhalten.

Der Qaida-Führer bekam laut "Washington Post" im vergangenen Jahr zahlreiche E-Mails, in denen sich Mitglieder des Terrornetzwerks offen über die finanzielle Notlage al-Qaidas beklagen - und darüber, dass ihre Kämpfer vermehrt Drohnenangriffen zum Opfer fallen. Die Zeitung beruft sich dabei auf Mitglieder der US-Spezialkräfte, welche die in Bin Ladens Versteck sichergestellten Datenträger auswerten und so versuchen, ein detaillierteres Bild des Terrornetzwerks zu zeichnen. Vermutlich werden die Ermittler von CIA und anderen Geheimdiensten noch Jahre brauchen, um das Material vollständig auszuwerten.

Seit Wochen sickern jedoch immer wieder angebliche Inhalte dieser Daten an die Öffentlichkeit. Weil es keine unabhängige Möglichkeit zur Überprüfung gibt, bleiben jedoch Zweifel angebracht. Es ist zum Beispiel nicht auszuschließen, dass die US-Regierung oder die CIA Teile des Materials bewusst streuen oder mit einem bestimmten Dreh versehen - und andere Teile absichtlich unter Verschluss halten.

Angst vor Verrätern und Informanten

Laut "Washington Post" machte sich Bin Laden zuletzt für den Aufbau einer eigenen Qaida-Spionageabwehreinheit stark - um Verräter in den eigenen Reihen ausfindig machen zu können. Doch schon Mitte des Jahres 2010 habe sich der Chef dieser Einheit bei Bin Laden darüber beschwert, dass "der Spionagekrieg" verloren werde und mit dem armseligen Budget nicht zu führen sei.

Einer der Männer, mit denen Bin Laden am häufigsten kommunizierte, war laut dem Bericht Qaida-Operationschef Attija Abd al-Rahman, der bis zu Bin Ladens Tod als Nummer drei des Terrornetzwerks galt. Eine Nachricht von ihm drücke Frustration darüber aus, dass die Drohnenangriffe der Amerikaner vielen seiner Leute das Leben gekostet hätten. "Er sagt in dem Brief, dass seine Leute schneller getötet werden als sie ersetzt werden können", so der US-Vertreter.

Andere Nachrichten haben offenbar eine ähnliche Botschaft: Einige stammen vom Chef der internen Qaida-Sicherheitseinheit, die zum Schutz gegen Infiltrierungen durch CIA-Informanten aufgebaut worden war. Der Mann beschwert sich dem Bericht zufolge "über ein sehr kleines Budget", lediglich wenige tausend Dollar stünden ihm zur Verfügung. Auch in anderen Korrespondenzen kommt laut US-Vertretern immer wieder die schwierige finanzielle Situation des Netzwerks zur Sprache.

wit



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insgesamt 30 Beiträge
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meisterraro 02.07.2011
1. Kann man sich nicht einfach freuen,
dass dieser Mensch weg ist? Was muss man jetzt noch nachträglich an seinem Mythos weiterschreiben? Wer hat denn ein Interesse daran, diesen Unsinn immer weiter am Leben zu erhalten? Bin Laden ist tot, Ende der Geschichte.
n.holgerson 02.07.2011
2. Bevor die ganzen Verschwörungsjungs gleich kommen
Zumindest dieser Teil scheint doch relativ schlüssig zu sein. Das bei einer solchen "Organisation" die betreffenden Teile nach Geld fragen ist doch klar. Insbesondere, da man sich ja nicht "herkömmlich" finanzieren kann und auch die Geldbewegungen "verschleiert" werden müssen. Weiterhin ist es doch vollkommen schlüssig, dass die Drohnenangriffe als Problem angesprochen werden... Wie gesagt, bevor jetzt die große Verschwörungsrunde beginnt, meine Meinung ist, diese Meldungen sind schlüssig, aber waren auch so zu erwarten gewesen...
DiWef 02.07.2011
3. Diarrhea semantica
---Zitat--- US-Ermittler versuchen seit dem Tod Osama Bin Ladens, das Leben des Terrorfürsten zu rekonstruieren. ---Zitatende--- Oh, ein TERRORFÜRST! Welch grobianisches Geplänkel, Schalmeien spielt auf, der Odem des TERRORFÜRSTEN streift uns unwürdige Nichtsnutze. Hosianna, welch grosses Dankesgefühl durchfliesst meine Adern! Auf daß mir SPON noch weitere Fürsten der Welt vorstelle, um so meinen armseligen Verstand zu bereichern.
Dominik Menakker, 02.07.2011
4.
Zitat von meisterrarodass dieser Mensch weg ist? Was muss man jetzt noch nachträglich an seinem Mythos weiterschreiben? Wer hat denn ein Interesse daran, diesen Unsinn immer weiter am Leben zu erhalten? Bin Laden ist tot, Ende der Geschichte.
Und alles, was man an informationen über Hintermänner, über Organisation etc. etc. herausbekommt, überlässt man einfach sich selbst. Klaro. Oder noch besser, man wertet es aus und lässt NICHTS davon an die Öffentlichkeit kommen. Die Verschwörungstheorien würden doch nur so blühen. Nein, vieles ist uninteressant und das kann man getrost links liegen lassen. Aber wenn interessante Meldungen dabei herauskommen, dann sollten diese auch veröffentlicht werden.
Rubeanus 02.07.2011
5. Verzweifelte Lage
Man muss sich einmal vor Augen führen, in welcher prekären Lage sich bin Laden als CEO von al-Qaeda befand: Budgetkürzungen, Personalprobleme und die angespannte Situation in der Terrorbranche allgemein. Und dann noch zu Hause nicht weniger als 4 permanent keifernde Ehefrauen. Vermutlich hat sich bin Laden mehr als einmal gesagt: Hoffentlich kommt bald jemand und erschießt mich.
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