Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

US-Gefängnisse im Irak: "Grausam und unmenschlich"

Etliche irakische Widerstandskämpfer sind den Amerikanern durch die "Operation Klapperschlange" in die Hände gefallen. Die Menschenrechtsorganisation "Amnesty International" hält den USA jedoch vor, die Gefangenen in den Lagern menschenunwürdig zu behandeln.

Razzia: US-Soldaten haben einem Gefangenen die Augen verbunden
AP

Razzia: US-Soldaten haben einem Gefangenen die Augen verbunden

Bagdad - Amnesty International (ai) kritisierte die Haftbedingungen im US-Auffanglager am Bagdader Flughafen und im Gefängnis Abu Ghreib westlich der irakischen Hauptstadt. Die Organisation warf den Amerikanern vor, gegen internationales Recht zu verstoßen. Es gebe Hinweise, dass Insassen "grausamen, unmenschlichen oder erniedrigenden" Bedingungen ausgesetzt seien, hieß es in dem Bericht, der zu Beginn einer zweitägigen Uno-Konferenz über Menschenrechte in Bagdad veröffentlicht wurde.

Aus der amerikanischen Gefangenschaft entlassene Iraker hätten berichtet, dass ihnen in der ersten Nacht nach ihrer Inhaftierung der Zugang zu Wasser und einer Toilette verwehrt worden sei. Viele frühere Gefangene trügen noch einen Monat nach ihrer Verhaftung Narben von den Plastikhandschellen, mit denen sie gefesselt worden seien.

Irak: Ein US-Soldat bewacht einen Gefangenen
AP

Irak: Ein US-Soldat bewacht einen Gefangenen

Hunderte Gefangene hätten außerdem keinen Kontakt zu Anwälten oder Familienangehörigen, hieß es in der Erklärung der Menschenrechtsorganisation. Die Amerikaner müssten sich an die Prinzipien der Rechtsstaatlichkeit halten und sicherstellen, dass die Gefangenen human behandelt und Fälle unverhältnismäßiger Gewaltanwendung und weitere Verstöße gegen internationales Recht untersucht werden. Während der Uno-Konferenz wollen irakische und ausländische Menschenrechtsaktivisten, Anwälte und Organisationen unter anderem über die jüngst entdeckten Massengräber sprechen.

Die US-Besatzungsverwaltung habe versichert, dass geplant sei, die Haftbedingungen zu verbessern, berichtete ai. Es solle sichergestellt werden, dass Gefangene innerhalb von 72 Stunden Kontakt mit einem Anwalt aufnehmen könnten.

Die US-Besatzungstruppen setzten unterdessen ihre am Sonntag gestartete Großrazzia "Operation Klapperschlange" fort, um den irakischen Widerstand gegen die Besatzer zu brechen, der in jüngster Zeit fast täglich zu Todesopfern unter den alliierten Soldaten geführt hatte. Die Operation "Klapperschlange" soll mehrere Tage dauern. Die 4. Infanteriedivision nahm nach Angaben der US-Armee unter anderem einen Oberst der Baath-Partei sowie fünf weitere Personen fest. Insgesamt seien seit Sonntag bei mehreren Aktionen im ganzen Land mindestens 319 Iraker festgenommen worden.

Diesen Artikel...

© SPIEGEL ONLINE 2003
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: