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03. Januar 2007, 14:40 Uhr

US-Gefangenenlager

FBI-Bericht dokumentiert Misshandlungen in Guantanamo

Stundenlanges Fesseln und Knebeln, religiöse Erniedrigungen, menschenunwürdige Haftbedingungen - ein FBI-Bericht dokumentiert erneut die aggressiven Verhörmethoden im US-Gefangenenlager Guantanamo. Insgesamt 26 Misshandlungsfälle sind der US-Bundespolizei bekannt.

Hamburg - Bei einem Verhör im Lager Guantanamo auf Kuba sei einem bärtigen Gefangenen der Kopf mit Klebeband eingewickelt worden, um ihn daran zu hindern, Koranverse zu zitieren. Dies berichtet die "Washington Post" unter Berufung auf den FBI-Bericht. Ein Verhörbeamter des Lagers habe einen anderen Gefangenen gezwungen, stundenlang satanische Black-Metal-Musik zu hören, und ihn dann in der Kleidung eines katholischen Priesters "getauft". Bei weiteren Vorfällen hätten die Wächter gezielt den Koran und die religiösen Überzeugungen der Häftlinge beleidigt.

US-Gefangenenlager Guantanamo: 26 Misshandlungsfälle
AP

US-Gefangenenlager Guantanamo: 26 Misshandlungsfälle

Die US-Bundespolizei FBI hat den Bericht, der auf der Befragung von fast 500 FBI-Beamten beruht, auf Antrag der Amerikanischen Union für Bürgerrechte (ACLU) veröffentlicht. Insgesamt sind 26 Fälle in der Akte dokumentiert, in denen FBI-Beamte aggressives Verhalten und aggressive Verhörmethoden beobachtet haben.

Ein FBI-Beamter beschreibt etwa, wie ein Häftling so lange in einem heißen, unbelüfteten Raum eingesperrt wurde, bis er sich vor Verzweiflung die Haare ausriss. Auch hätten Gefangene bei Verhören 24 Stunden und länger gefesselt am Boden gelegen, teilweise in ihrem eigenen Kot und Urin.

Verantwortlich für die Misshandlungen waren Militärbeamte, aber auch Mitarbeiter der privaten Wachdienste in Guantanamo, so der Bericht. Einige von ihnen erklärten den FBI-Beamten, dass die Verhörpraktiken von Vertretern des Verteidigungsministeriums gebilligt worden seien, darunter auch dem früheren Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Solch dramatische Fälle wie einst im Bagdader Gefängnis Abu Ghureib seien aber laut dem Bericht nicht beobachtet worden.

Ein Pentagon-Sprecher verwies darauf, dass die dokumentierten Fälle zum Teil nicht neu seien. Weiterhin hätten zahlreiche Untersuchungen in Gefangenenlagern keine Anweisungen von Vorgesetzten zutage gebracht, die Misshandlungen billigten.

Die ACLU hatte den FBI-Bericht für den Rechtsstreit im Interesse der Misshandelten angefordert. Die Bürgerrechtsunion hat wegen der Vorfälle in Guantanamo den früheren Verteidigungsminister Rumsfeld verklagt.

tno/AP/dpa

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