US-Geheimdienst NSA spähte drei französische Präsidenten aus

Der US-Geheimdienst NSA hat nicht nur Angela Merkel abgehört, sondern auch drei französische Präsidenten. Das zeigen neue Dokumente der Enthüllungsplattform WikiLeaks. François Hollande beruft den Verteidigungsrat ein, um über Reaktionen zu beraten.

Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy: Von der NSA ausgespäht
AFP

Der frühere französische Präsident Nicolas Sarkozy: Von der NSA ausgespäht


Die USA haben nach Informationen der Enthüllungsplattform WikiLeaks die drei französischen Präsidenten Jacques Chirac, Nicolas Sarkozy und François Hollande abgehört. Das geht aus NSA-Dokumenten hervor, über die die französische Zeitung "Libération" und die Enthüllungsplattform "Mediapart" berichteten. Demnach wurden die Staatsoberhäupter mindestens von 2006 bis Mai 2012 ausgespäht. In jenem Monat löste Hollande Sarkozy ab.

Bei den als streng geheim eingestuften Dokumenten handelt es sich unter anderem um fünf NSA-Berichte, die auf abgefangener Kommunikation basierten. Aus ihnen geht unter anderem hervor, dass sich der damalige französische Staatschef Sarkozy 2012 um eine Art kleines No-Spy-Abkommen bemüht hatte. Paris wollte nicht mehr von US-Nachrichtendiensten ausgespäht werden. Dieses Abkommen kam aber nie zustande.

Zudem befindet sich in den geleakten Dokumenten ein Vermerk aus dem Mai 2012. Daraus geht hervor, dass der frischgewählte Präsident Hollande bereits damals im Geheimen über mögliche Folgen eines Grexit nachdachte. Dafür habe er ein geheimes Kabinettstreffen anberaumt.

"Der französische Präsident scheint besorgt, dass sich die Krise verschärfen würde, wenn bekannt wird, dass Paris ernsthaft ein Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone in Betracht zieht", heißt es in der NSA-Notiz. Zudem soll sich Hollande darüber beklagt haben, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel die Griechen offenbar schon aufgegeben habe.

Hollande beruft Verteidigungsrat ein

Auch französische Kabinettsmitglieder und der französische Botschafter in den USA seien unter den Abgehörten gewesen. Laut dem Bericht gehören die Telefonnummern der Betroffenen zu den Selektoren, anhand derer die NSA die weltweiten Datenströme durchsucht.

Die US-Regierung lehnte einen Kommentar dazu ab. Hollande berief den Verteidigungsrat für Mittwochmorgen zu einer Sitzung ein, berichtete die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf das Umfeld des Präsidenten. Bei dem Termin solle über "die Natur der in der Presse verbreiteten Informationen" und "sinnvolle Schlussfolgerungen" diskutiert werden.

kbl/syd/AFP/Reuters



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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
ollydk 23.06.2015
1. Wann ist es endlich genug?!
Wann muss jemand Verantwortung übernehmen? Langsam wird's echt erbärmlich!
golem50 23.06.2015
2. Peinlich,
dass wir Deutschen einen Auslandsnachrichtendienst haben, der sich BND schimpft und als Büttel der Amerikaner die NSA bei sowas auch noch unterstützt.
Walther Kempinski 23.06.2015
3. Logisch
Das ist nur logisch. Frankreich lieferte Waffen in den Irak, arabischen Raum im Allgemeinen oder aktuell nach Russland. Die USA wollen wissen, mit welchen Waffen Sie konfrontiert werden könnten in Zukunft. Achja, Kernreaktor hat Saddam auch bekommen aus Frankreich (wurde von Israel zum Glück zerbombt)
rainer_daeschler 23.06.2015
4. Deutschfranzösische Unterschiede
Während Angela Merkel es lieber hätte nicht auf das Ausspionieren durch die USA aufmerksam gemacht zu werden, schließlich ist die Treue zu den USA ein Grundpfeiler ihrer Politik, werden es die Franzosen nicht einfach so auf sich sitzen lassen.
F.A.Leyendecker 23.06.2015
5. Und?
Hat der BND dabei mitgeholfen?
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